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Webmaster und -in, nicht zu bestellen

 

Die 2002er Kuschelrock Nr. 16 Doppel-CD, sehr schön schmusige Zusammenstellung, etwas schöner als die letzten Ausgaben , besonders die zweite CD - bestellen  

 

...noch ein paar aktuelle Buchtipps:

 

 

Der Schwur vom Dulsberg  /  Nick Aboreas

 

...eine zarte Frau mit spitzer, langer Nase, deren süßliche Töne vor Jahren seine Lenden hatten vibrieren lassen’, solche Sachen schreibt Nick Aboreas. Abgedrehte Erotik ist eine feine Sache, bislang hat aber noch jede spitze lange Nase mit süßen Tönen meine Lenden kalt gelassen. 
Abgedreht – Grotesk - Satirisch: 
So steht es auf dem Cover und so ist das Buch geschrieben, ein Buch für Hamburg-Liebhaber. Allein die Ortsbeschreibungen sorgen für heimatliche Gefühle für den, der die Hansestadt kennt. Es ist die Geschichte eines Schwurs, der nach Jahren seiner Erfüllung entgegensieht.
Die Figuren heißen wie oder wer sie sind, der Gefängnisdirektor beispielsweise ‚Festhalter’. Eine Schreibtechnik, die inzwischen fast in Vergessenheit geraten ist, aber in diesem Werk ihren Reiz hat.
Aboreas hat einen temporeichen Roman geschrieben, wahrlich kein 08/15-Geschreibsel. Er schreckt auch vor ‚beglatzten’ Köpfen nicht zurück. Ich empfehle den Schwur vom Dulsberg Lesern, die eine Schwäche für Lektüre außerhalb breitgetretener Pfade haben, die ungewöhnlichen Humor mögen. Wer Rosamunde Pilcher liebt, wird Nick Aboreas hassen, obgleich seine Landschaftsbeschreibungen besser und lebensnäher sind. Auch wenn sie nicht nach Thymian duften, was an der Hamburger Elbe aber keinen verwundern kann.

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Zwischen den Schatten / Heike Hartmann-Heesch

 

Trotz des grenzwertigen Klappentextes, dem zufolge der Leser hin und wieder 'verwundet' zurück bleibt, hat Heike Hartmann-Heesch hier ausgesprochen bemerkenswerte Erzählungen vorgelegt. Immer ein wenig düster, immer ein wenig melancholisch, geht es auf hohem sprachlichen Niveau um Sehnsüchte und Ängste. Man könnte die eine oder andere Geschichte durchaus als Lyrik empfinden, natürlich ohne die Gedichtform. Die Autorin schafft es, auch schwermütige Gedanken und Traurigkeit so in Worte zu fassen, dass man sich ihnen nahe fühlt. Billiger Trost der Marke 'Alles wird gut' oder die Möglichkeit, einfach wegzusehen, wird allerdings nicht geboten.
Insgesamt ist dieses Bändchen kein Werk, das man mal eben in einem Rutsch durchliest. Man nimmt es wieder und wieder zur Hand, wenn man an sich oder der Welt oder an beidem zweifelt und das Gefühl braucht, in dieser bedrückenden Stimmung nicht allein zu sein.

 

Auf eigene Gefahr / Achim Amme

 

Sonette sind bekanntlich eine eher strenge Gedichtform (14 Zeilen), umso erstaunlicher die Leichtfüßigkeit, mit der Achim Amme sie daherkommen läßt. Er hat offenbar die Damenwelt nach ihrer Vorstellung über Sex und Erotik befragt, herausgekommen ist Sinnliches, Zupackendes, Derbes, Schüchternes, Nachdenkliches - jedoch niemals Langweiliges. Für meinen Geschmack ist das kein Buch zum schnell Durchlesen, sondern eines zum immer wieder mal hineinsehen. Macht Spaß und eignet sich wegen der edlen Aufmachung gut als Geschenk.

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Laß uns Begegnen  /  Yvonne Naumann

 

Gegen Gefühle helfen geschliffene Argumente selten. Deshalb haben viele Menschen Angst vor Gefühlen. Und Vorbehalte gegen Lyrik. Denn die zielt nicht auf den Kopf, sondern auf den Bauch. Das ist auch bei den Liebesgedichten von Yvonne Naumann so. Wehren kann sich der Leser gegen ihre lyrisch-kantige Liebesgeschichte nur, indem der die Lektüre verweigert. Ansonsten lässt er sich auf die zwiespältige Gefühlswelt einer hungrigen, aber niemals satt gewordenen Liebe ein. Unglücklich Verliebte werden in zeitgenössisch-harter, nicht altertümlich-romantischer Sprache daran erinnert, dass sie keinesfalls allein sind mit einem Kummer, der einem erfüllten Leben innewohnen kann.
Ein trotz zuweilen etwas konstruierter Wortfolge lesenswertes Büchlein, das pseudorationaler Sachlichkeit eine Absage erteilt und ermutigt, schmerzliche Gefühle gegen alle Vernunft zuzulassen. Ohne Untiefen ist Glück nicht erhältlich.

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Noch mehr für Freunde der Lyrik:

Immer länger dehnt sich gestern  /  Uta Haeder

 

Ein facettenreicher Themenbogen authentischer Lyrik; berührend, ironisch, pointiert, persönlich.

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Was weiß das Meer vom Quell  /  Uta Haeder

 

Gedichte über Liebesglück und -leid: Wechselbäder zwischen Pathos und Lachen, Ironie und Poesie.

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... ein einfühlsamer Roman:

Das dritte Prinzip  /  Norbert Krüger

 

Stephan, der bewusst französische Lebenskünstler mit kargem Filmkritiker-Einkommen, lernt die spröde Suzanne kennen und schätzen. Trotz langwieriger Versuche gelingt es ihm kaum, sich der jungen Dame seelisch und körperlich zu nähern. Die wurde nämlich auf einer griechischen Insel vergewaltigt, wie sie nach einiger Zeit erzählt.
Stephans heile Welt samt innerer Sicherheit gerät dadurch ins Wanken, kannte er doch leidende Opfer bislang nur virtuell durch Film oder als gedankliches Konstrukt, nicht im wirklichen Leben. Als moralisch empörter Frauenversteher begibt er sich nach Korfu, um Suzanne zu rächen und die Welt zu heilen, in der der Böse bestraft wird. Die Reise bietet ihm eine Fülle von Möglichkeiten, seine hohen moralischen Anforderungen an Andere mit eigenen Taten und Untaten in Einklang zu bringen. Oder eben auch nicht.

Zu den Stärken des Autors Norbert Krüger gehören die Beschreibungen zwiespältiger Gefühle und pittoresker Örtlichkeiten. Sehr schön und gut nachvollziehbar werden Widersprüche zwischen korrektem Gedankengut und unkorrektem Handeln herausgearbeitet. Der Protagonist spürt den Gegensatz überdeutlich und vermag sich doch nicht zu wehren. Man fühlt, wie ihm seine Vorstellung der Welt und der eigenen Person entgleitet.
Eher schwach sind Passagen, in denen etwas passiert, weil die Aktionen zu offensichtlich als Vehikel für Gedankenkaskaden dienen sollen. So auch die Schilderung der Vergewaltigung selbst – etwas mehr als 5 Sekunden Gegenwehr und die Frage ‚Was ist denn in Dich gefahren ?’ mit unverzüglicher Schicksalsergebenheit hätte es schon sein dürfen.

Das Buch ist umweht vom Charme der 70er Jahre des vergangenen Säkulums, Frauen wurden als die gut handelnden Menschen entdeckt und Männer als Täter mit bösartigen Penetrationsgelüsten. 
‚Das dritte Prinzip’ fährt auf dieser Schiene: Wenn Frau bei Mann einzieht oder sich gar unbekleidet zu ihm ins Bett begibt, sind sexuelle Begehrlichkeiten des Kerls natürlich unstatthaft. Frau kann schließlich erwarten, dass ihr Opferstatus erahnt wird und außerdem sind doch alle Männer irgendwie Vergewaltiger. 
Stephan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, hat das so verinnerlicht und hinterfragt Suzannes Vergewaltigung und Verhalten nicht. Das erinnert an frauenbewegte Forderungen, die eine Bestrafung eines Täters auf die bloße Behauptung des Opfers hin verlangten, denn Frauen würden in diesen Angelegenheiten nicht die Unwahrheit sagen. Stephan findet es auch nicht seltsam, dass einer vergewaltigten Frau nichts Besseres einfällt, als sich für eine Mitfahrgelegenheit einen unbekannten Mann auszusuchen ...

Die auf den ersten Blick leichte Lektüre hinterlässt den Leser nachdenklich, nicht zuletzt wegen der brachial winkenden Symbole aus Musik und Filmzitaten nach dem Motto: Jetzt lies’ doch mal das Hintergründige zwischen den Zeilen !
Vielleicht steckt ja doch nicht in jedem Manne ein Vergewaltiger, aber ‚Das dritte Prinzip’ regt an, einmal das eigene Verhalten an dem zu messen, was man für gut und böse hält. Eine Lösung fehlt, was mich unbefriedigt gelassen hat. Aber vielleicht sollte man Befriedigung nicht gerade von einem Buch mit der Thematik ‚Vergewaltigung’ erwarten.
Lesenswert !

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Bärenliebe von A bis Z    /   Wolfgang Weninger

 

Gerne lese ich Texte voller Saft und Kraft, weil ich mich dann als ganzer Mann fühle.
‚Und du sehntest dich nach der Unzucht deiner Jugend, als die Ägypter nach deinen Brüsten griffen und deinen Busen betasteten.’ So etwas schätze ich, zumal dem Schreiber der winzige Unterschied zwischen Brüsten und Busen geläufig war. Aber immerzu mag ich die Bibel auch nicht lesen (Hesekiel, 23), denn der Trend geht neuerdings doch in Richtung Zweitbuch.

Kühn entschied ich, beim Buchstaben ‚B’ zu bleiben und widmete mich erwartungsfroh der ‚Bärenliebe von A-Z’ des Wiener Autors Wolfgang Weninger. Schon beim ersten, zufälligen Aufschlagen hatte ich Glück:
‚Aber dieser Traum ist so deutlich, dass ich die Hand spüre, die meinen Oberschenkel entlang streift und ihre Finger durch mein Schamhaar tastend in Richtung meines Freudenspenders gleiten lässt.’ Na bitte, da fühle ich mich doch wieder als ganzer Mann, beinahe so wie sonst nur beim erbaulichen Bibelstudium.
Wolfgang Weninger war sich nicht zu schade, persönliche Opfer zu bringen und für die Frauen unserer Welt den Globetrottel zu geben. Einige schöngesichtige, junge Damen sind auf dem gewagt altrosafarbenen Buchcover abgebildet. Mir persönlich hat die Zweite von links in der zweiten Reihe von oben am besten gefallen, eine bemerkenswert hübsche Dunkelhaarige, leider ohne Namen und Telefonnummer. Schade.
Erstaunlich und herzlos finde ich, Menschen nach dem Alphabet zu sortieren, dagegen sollte es eine Genfer Konvention geben. Unter Androhung ernster Konsequenzen.
Viel menschlicher und mehr gentleman-like ist es, seine abgelegten Mädels chronologisch zu ordnen, wie ich es gern prahlend zu tun pflege. Außerdem hat das Alphabet nur 26 Buchstaben, welcher gesunde Mann mit gesunden Bedürfnissen soll denn wohl damit auskommen ?
Eine Geschichte, bestehend eben aus 26 einzelnen Geschichten über Frauen und mit Frauen, von einer Anja bis zu einer Zoe. So ein Glück, dass es außer Zenzi wenigstens einen weiblichen Vornamen mit dem Anfangsbuchstaben ‚Z’ gibt, denn ‚Bärenliebe von A bis Ypsilon’ hätte sich als Buchtitel schwerlich verkaufen lassen.

Es sind originelle, abwechslungsreiche Anekdoten, die einzeln gelesen werden können und nach meinem Geschmack sollten. Oft, sehr oft geht es richtig und schnell zur Sache. FSK ab 16. Der Ich-Erzähler mimt nicht in peinlicher Weise den smarten James-Bond-Eroberer. Auch nicht einen wildromantischen oder schmierigen Casanova.
Wie bei jedem gesunden Mann im wirklichen Leben fallen ihm, der sich Bär nennt, Frauen zufallsbedingt um den Hals. Sehr verschiedene Damen in sehr unterschiedlichen Situationen. Er scheint aber nicht bemerken zu wollen, dass die Weibchen wählen. Auch wie im wirklichen Leben.
Mir ist aufgefallen, dass der Autor seine Sympathie höchst ungleichmäßig und ungerecht verteilt, einige der Damen scheinen ihm lieber zu sein als andere. Auch dagegen sollte es eine Genfer Konvention geben, das wäre dann schon ein Doppelbeschluss.
Ein Gemälde gibt partiell immer auch die Seele des Künstlers preis, und nicht anders verhält es sich bei Büchern. Weninger kann eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle nicht immer verbergen, auch wenn sein Werk eine fiktive Biographie zu sein vorgibt. Immer wieder schimmert durch, welche Geschichten dem Leben entnommen sind, das verhindern auch erfundene Phantasie-Begebenheiten nur beim Querlesen. Das Echte ist besser.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Offenbar hat der Lektor eine Schwäche für Iulius Caesars ‚Gallischen Krieg’ gehabt und beängstigend lange, jedoch grammatikalisch korrekte Bandwurmsätze durchgehen lassen. Ich habe auch so eine Schwäche für den alten Caesar.

Sex ist nun einmal Sex. Da auch für dieses Buch keine neuartigen Geschlechtsorgane oder unbekannte Praktiken erfunden werden konnten, sind Klischees wohl zwangsläufig.
Sätze wie ‚Ich gehöre nicht zu der Sorte Mann, die eine Frau nur benutzt’ mögen eines Ehrenmannes würdig sein, wirken in erotischen Texten aber ähnlich krampfhaft wie die beliebten Dialoge in drittklassigen Pornostreifen.
Oder: ‚Für mich ist es der hässlichste Laut auf Erden, wenn Kinder oder Frauen weinen’ – das ist rührend. Rasch gefolgt vom Rein-Raus-Spiel. Der Autor hätte entscheiden sollen, ob er moralisieren oder sexeln möchte, die zu schnelle Mischung kann ungücklich sein.

Wir wissen aus der Tierwelt, dass dort allgemein die Männchen das weitaus schönere Geschlecht sind. Beim Menschen wird das ähnlich sein, allein der umnebelnde Geschlechtstrieb lässt Männer wie auch Wolfgang Weninger die meisten Frauen schön und begehrenswert finden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings bekommen auch Frauen mit ungewöhnlichen Vorlieben in diesem Buch einen positiven und immer latent liebenswerten Charakter. So, als wären sie die ‚eigentlichen’ oder besseren Menschen. 
Wie die erwähnte Zoe, die gern Gipsabdrücke von erigierten Penissen sammelt. Würde ein Mann erzählen, dass er Vagina-Abdrücke für sein Regal sammelt, hätte er keinen liebenswerten, sondern einen dreckschweinischen Charakter und wäre ein vergleichsweise schlechter Mensch.

Aber ich will nicht hadern, schließlich ist dieses Werk nicht philosophisch-tiefschürfend. Und in der Bibel gibt es ein ganz anderes Frauenbild. Ansonsten empfehle ich als Zweitbuch die Bärenliebe.

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Manntage / Arno Strobel

 

Ein spritziger Roman um Männer im besten Alter’ steht auf dem Klappentext, und wer jetzt einen Roman voller Saft erwartet, wird auf seine Kosten kommen: Es gibt viel Gerstensaft, um den sich die Hauptfiguren mit Hingabe kümmern. Ähnlich wie bei den Kreuzberger Nächten bleibt es aber beim Bier.
Die Ehefrauen machen Schönheitsurlaub auf Mallorca, die midlife-Crisis-geplagten Männer planen daher, währenddessen ihren Marktwert zu testen und richtige Kerle zu sein. Die Umsetzung der hochfliegenden Pläne lässt die Herren jedoch von einem Chaos ins nächste stolpern. Freunde burlesker Komik werden hier auf ihre Kosten kommen, ich fand allerdings die Darstellung männlicher Phantasien und Denkweisen beeindruckender. Romane solcher Art von Frauen über Frauen gibt es ja zuhauf, von männlicher Seite wurde das Thema noch selten beleuchtet. Zwar sind die beiden Protagonisten mit starken, insbesondere erotischen Phantasien ausgestattet, machen aber im Zweifelsfall einen Rückzieher selbst bei verlockenden Angeboten willig-hübscher Mädels und jammern lieber ihren geliebten Ehefrauen hinterher. Richtige Kerle sind das nicht.
Der Roman lebt von gelungenen und spritzigen Dialogen, die hinter wortspielerischer Witzigkeit tiefe Einblicke ins männliche Seelenleben erlauben, sehr gelungen !
Weniger glücklich hat das Lektorat agiert, denn der Leser ahnt schon relativ früh eine Pointe der Geschichte, die das Opfer angeblich erst zum Ende hin bemerkt – das hätte man besser künstlerisch im Dunklen lassen sollen.
Insgesamt: Sehr lesenswert, insbesondere, wenn die Gattin gerade auf Mallorca weilt!

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Harry Potter

Der Wunsch meiner Gebieterin ist mir stets und gern Aufforderung, und so erstand ich dieses Kinderbuch (den ersten Potter-Roman)für knapp 15 Euro bei Amazon.
Man müsse schließlich mitreden können, alles jubelt und die Harry-Potter-Bücher drohen, die Auflage der Bibel zu überholen ...

Fazit gleich zu Beginn: Ganz nett. Wirklich.
Insgesamt vielleicht eine 3+ mit Rücksicht auf die damals sozial schwierige Lebenssituation der Autorin.
Das Buch bietet eine einigermaßen phantasievolle Geschichte, in der der Zauberlehrling Harry zunächst bei seinen Pflegeeltern im Schrank wohnt, bis seine Fähigkeiten entdeckt werden und er geschult wird. All das umrankt von einer Art Paralellwelt von Zauberern, die neben der menschlichen existiert und auch recht farbig beschrieben wird.
Gegen die Phantasie in der ‚Muggelwelt' von Joanne Rawling ist nichts einzuwenden, ich habe als Kind gern die Geschichten von ‚Dr. Dolittle', der immer so nett mit Tieren sprechen konnte, geradezu verschlungen.

Bei Harry Potter allerdings wirkte alles auf mich etwas mühevoll und gewollt, eigentlich sprudelt die Geschichte nicht, sie ist eher zäh und angestrengt.
Sie ist wegen der Darstellung der Charaktere sogar ziemlich langweilig, weil Frau Rowling es sich zu einfach macht:
Die Bösen sind eigentlich immer häßlich, dick, böse und böse, während die Guten durchgehend gut, gut und oft auch richtig gut sind.
Natürlich sind solche Zuordnungen gerade für Kinder besonders einfach zu verdauen, auch Erwachsene hätten ja gerne im realen Leben, dass sich Gut und Böse so sehr schön trennen lassen und dass dem Guten nichts Böses innewohnen möge... Aber die Vereinfachungen sind in diesem Buch wohl auch für Kinder zu platt.
Das hat etwa BILD-Niveau: ‚Dudley ist schlecht' - aber auf Ursachen, Vorgeschichte oder nähere Umstände der dann noch in epischer Breite beschriebenen Schlechtigkeit wird in keiner Weise eingegangen.
Ich meine das nicht gesellschaftskritisch, jedoch wird die Story dadurch zu dünn und wenig nachvollziehbar...

Und:
Im ganzen Buch kein einziger Lacher, was wohl humorig erscheinen soll, wirkt verkrampft und an den Haaren herbeigezogen, dagegen ist ja selbst Kishon richtig witzig, haha !

Um meine Gebieterin zu zitiern:
Wenn das nun so ein tolles Buch und ein großer Erfolg ist, was schreiben denn um Gottes willen die anderen Autoren für Dreck ? Gibt es keine guten Kinderbuchautoren mehr ? Die Frage stelle ich auch.
Vielleicht sollten doch die alten Bücher von Michael Ende wieder aufgelegt werden.

Einzig positiv ist wohl, dass Harry Potter Kinder überhaupt zum Lesen animiert und ihnen zeigt, dass es auch eine Welt im eigenen Kopf gibt, die nichts zu tun hat mit der Realität voll krasser Handys und vorgekauter Phantasie in PC und TV.

'Harry Potter' , ein wohl faszinierendes Buch - eigentlich für 10-12jährige - hier zu bestellen 

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Anleitung zum Unschuldigsein / Florian Illies

Florian Illies gelang mit diesem Buch bereits der zweite Bestseller, wenngleich sich mir schon die Ursache für den ersten großen Erfolg ‚Generation Golf’ nicht recht erschließen wollte. In jenem Erstlinkswerk Buch wurde krampfhaft versucht, das Lebensgefühl einer ganzen Generation unter das Gerüst einer VW-Werbung zu pressen – sicher eine launige Idee, die aber allenfalls für eine Kurzgeschichte getaugt hätte und zudem nur sehr bedingt treffend oder originell umgesetzt wurde.

In seiner neuen ‚Anleitung zum Unschuldigsein’ prangert der Autor die Neigung der Deutschen an, sich permanent für irgend etwas schuldig zu fühlen und folgerichtig immerzu ein schlechtes Gewissen zu haben, und das mit durchaus weitreichenden Folgen.
Als Beispiel wird die allseits beliebte Mülltrennung erwähnt, die Ausländern kaum zu vermitteln sei. Gehört der Joghurtbecher nun ausgewaschen oder nicht nun mit oder ohne Deckel in den gelben Sack oder nicht ?
Wegen Ihres schlechten Gewissens gegenüber der Umwelt und den Mitgeschöpfen würden sich die Deutschen mit der ausufernden Mülltrennung quasi selbst bestrafen, ohne jedoch das eigentliche Problem anzugehen oder gar einer Lösung zuzuführen. Das ist auf Dauer natürlich kein sonderlich angenehmes Gefühl, aber Florian Illies hat die Lösung in Form von 23 ‚Übungen’ parat, Beispiel:
‚Wir trennen eine Woche den Müll nicht, werfen alles in eine durchsichtige Tüte, warten, bis möglichst viele Leute im Hof sind, und werfen die Tüte unter Anteilnahme der Hausgemeinschaft in die gelbe Tonne. Anschließend werfen wir noch 200 alte Batterien nach und einen vom Vormieter übernommenen und längst abgestorbenen Ficus Benjamini. Dann tauschen wir die Aufkleber ‚Weißglas’ und ‚Grünglas’ auf den Glascontainern aus und gehen zurück in unsere Wohnung’

Es ist mithin mehr ein Werk für Freunde des abstrakten Zynismus, des schwarzen Humors und auch der politischen Unkorrektheit. So wird angeprangert, dass auf dem Frankfurter Flughafen ‚Rom’ angezeigt wird statt des italienischen ‚Roma’. Andererseits sucht man Krakau vergebens, weil – als indirektes Eingeständnis ewiger deutscher Schuld- natürlich das polnische Krakow auf der Tafel steht.
Kapitelweise und in epischer Breite werden die Möglichkeiten seziert, ein schlechtes Gewissen zu haben und zu kultivieren, indem man Dinge tut (oder auch nur denkt), die vielleicht nicht ganz in Ordnung sein könnten wie: Einen Tramper im Regen stehen lassen, einen Tisch aus Tropenholz oder Eier aus der Legebatterie erwerben oder gar dem pakistanischen Rosenverkäufer abends im Restaurant nach langem Feilschen KEINE Rose abzukaufen.


Übung 16:
Heute gehe ich rauchend bei rot über eine Ampel, an der 3 Mütter mit ihren Kindern warten.

Florian Illies ist hier wirklich ein nettes kleines Büchlein gelungen, dass den Leser zwar nicht brüllend vor Lachen auf die Schenkel schlagen lässt, aber dennoch öfter für amüsiertes Nach-Oben-Zucken der Mundwinkel zu sorgen vermag. Es ist die richtige Lektüre für eine zweistündige Bahnfahrt, falls keine Neigung besteht, den ‚Stern’ , die ‚Neue Post’ oder den immer interessanten ‚Zugbegleiter’ zu studieren.
Viele der aufgeführten Beispiele sind wirklich nachvollziehbar und wohl fast jedem bekannt, auch wenn mir an einigen Stellen das Schmunzeln im Halse stecken bleiben wollte, weil natürlich auch ich gelernt habe, dass ‚man’ über eine ganze Reihe von Dingen keine Witze macht und dass ich dem Taxifahrer keinesfalls nur passend ‚rausgebe....
Der Autor schreibt normalerweise Artikel für eine große Zeitung (FAZ), und das ist auch gut so. Soll heißen: Dabei sollte er bleiben. Er hat pfiffige Ideen, die teilweise originell und bisweilen richtig witzig sind, sie tragen aber eigentlich kein ganzes Buch, sondern allenfalls einen längeren Artikel oder eine Glosse. Sein durchaus ironischer Schreibstil würde auch in der Werbewirtschaft ankommen, weil der Leser immer vermutet: Jetzt kommt’s gleich, jetzt geht’s los, jetzt geht’s ab, aber der Text hat die Neigung, in Ankündigungen zu verharren und Erwartungen zu schüren, die dann nicht erfüllt werden, so dass ein schaler Beigeschmack bleibt. Interruptus. Zwar war dieser Eindruck in ‚Generation Golf’ weitaus stärker, jedoch scheint sich zumindest das Verlagshaus Argon über diese Schwäche des Schreibers im Klaren zu sein. Denn der neue Bestseller (momentan Platz 5 in der SPIEGEL-Liste) hat zwar einen Umfang von über 250 Seiten, angesichts vieler leerer, lediglich nur mit einer kleinen Graphik oder Headline bedruckten Seiten hätte wohl auch knapp die Hälfte genügt.
Die Preisforderung in Höhe von € 17,50 (gebundenes Buch) ist daher wirklich eine mittlere Unverschämtheit – aber vielleicht beruhigt das viele bezahlte Geld mein schlechtes Gewissen, weil ich ja eigentlich viel mehr Lesen sollte. Gewissermaßen Strafgeld. Neuerdings nur noch 9,- Euro als Taschenbuch:

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Der stille Herr Genardy  /  Petra Hammesfahr     

Dieser Roman vermittelt eine eher surreale, unwirkliche Stimmung. Das liegt teilweise am Erzählstil, denn es wird aus Sicht einer alleinerziehenden Mutter erzählt. Und gleichzeitig aus Sicht eines Mannes, der sexuelle Erfüllung nur in Kontakt mit Kindern oder gar Säuglingen findet.

Zudem leidet die junge Mutter unter Träumen, die sie in die Zukunft sehen lassen – leider im unerfreulichen Sinne, sie träumt vom Tod, und immer exakt 3 Tage später stirbt tatsächlich jemand im näheren Umkreis....

Sigrid, so der Name der erwähnten Mutter, lebt offenbar in einer Welt von Kinderschändern. Schon ihr verstorbener Ehemann (, dessen Tod sie gleichfalls vorhersah), konnte mit ihr als Frau nichts anfangen: Ihn störte der Busen, er bestand auf Intimrasur und ein ‚Ehevollzug’ fand nicht statt, allenfalls Spielereien in der Badewanne – vielmehr interessierte er sich für ihren Säugling Nicole...      Und Herr Genardy, die zweite Hauptperson des Buches, ist nun ebenfalls praktizierender Kinderschänder, der allerdings noch nicht enttarnt wurde und vor einer Enttarnung auch große Angst hat. Minutiös werden seine sexuellen Wünsche und Gedankengänge zu ihrer für ihn möglichst gefahrlosen Verwirklichung geschildert, wie eben die Versuche, an möglichst kleine, arglose Kinder heranzukommen, ohne entdeckt und bestraft zu werden.

Dieser Herr Genardy wird im Laufe des Romans Untermieter von Sigrid und interessiert sich natürlich stark für deren kleine Tochter...das Ganze spielt in nervöser und aufgeheizter Atmosphäre, da auch eine Tochter von Sigrids Arbeitskollegin sexuell missbraucht und getötet wurde. Zudem leidet Sigrid unter dem Druck ihrer Mutter, die den Herrn Genardy ganz toll findet und ihn wohl schon als künftigen Schwiegersohn sieht. Ich verrate hier nicht zuviel der Geschichte, denn diese Dinge sind von Anfang an klar und unmissverständlich – spannend ist der Roman und das Ende allemal.

 ‚..eine Studie über sexuelle Verstörtheit, die unter die Haut geht..’ so beschrieb der Rundfunksender NDR das Buch von Petra Hammesfahr, treffender lässt es sich kaum ausdrücken. Ich hatte beim Lesen oft ein Gefühl des ohnmächtigen Nicht-Reagieren-Könnens, wie man es aus unerfreulichen Alpträumen kennt. Da ja die Gedankengänge des Täters sehr genau beschrieben werden, möchte man Sigrid immer zum Handeln und Schützen drängen – und sie reagiert angesichts ihres Verdachtes und ihrer einschlägigen Erfahrungen auch wirklich arg träge. Wenn das Wohl des eigenen Kindes in Gefahr sein könnte, würde ein Elternteil doch schon bei bestimmten Verdachtsmomenten tätig werden und nicht erst beim Vorliegen von gerichtsfesten Beweisen in doppelter Ausfertigung. Ungewöhnlicherweise ergreift die Autorin nicht direkt Partei, sondern beschreibt fast emotionslos die Gedankengänge und Gefühle ihrer Figuren. Das macht die Geschichte spannend, auch wenn mich seltsam berührt hat, das sexuelle Wünsche von Kinderschändern dargestellt werden wie ‚normale’ sexuelle Vorlieben auch. Es wird wenig gesprochen in diesem Roman, jede Person denkt für sich, und viele der Probleme würde es bei angemessener Kommunikation oder Nachfrage gar nicht geben. Ich denke auch, jede junge Frau würde sich Gedanken machen, wenn ihr zukünftiger Ehemann auf ihre deutlichen sexuellen Avancen auch nach Jahren noch mit dem Hinweis reagiert, diese Dinge wolle man sich doch für die Ehe aufsparen. Und selbst wenn sie sich keine Gedanken macht, würde sie ihn doch vermutlich nicht heiraten. In den niedergeschriebenen Gedanken Sigrids wird das auch deutlich: Sie wünscht sich verständlicherweise einen Mann, für den ‚ein Kind ein Kind ist und eine Frau eine Frau’. Aber sie sagt es nicht und fragt auch nichts und setzt es auch nicht um.

Es ist eben kein Tatsachenbericht, kein Pamphlet gegen Kinderschänder, sondern Fiktion und Roman. Ein Roman, der indirekt auch Gesellschaftskritik enthält am System der alleinerziehenden Mütter. Denn deren Kinder kommen aufgrund mütterlicher Erwerbstätigkeit oder anderer Interessen oft hinsichtlich Fürsorge und Kümmern zu kurz und werden, so die Essenz des Romans, durch einen starken Mangel an seriösen Ansprechpartnern leichter Opfer von Kinderschändern. Diese Kritik steht nicht wörtlich da, wie überhaupt eine Bewertung des Täters, der Mutter und der Umstände fehlt, aber die Kritik ist trotz des langen Spannungsbogens nicht zu überlesen. Gerade in diesem sensiblen Bereich taucht auch in der öffentlichen Diskussion der Wunsch nach Selbstjustiz auf – das Buch thematisiert auch diesen Weg unter Verzicht auf eine Bewertung. 

Insgesamt ein lesenswerter, wenn auch verstörender Roman für Menschen, denen es gut geht und die ansonsten keine Alpträume oder Ängste haben. Er ist wohl eher nichts für Menschen, die persönlich mit dieser Thematik schlechte Erfahrungen gemacht haben – vielleicht möchte man seine Gefühle nicht in einem thrillernden Buch verbraten sehen. Erschienen bei Rowohlt für knapp 9 Euro.

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Marlo Morgan / Traumreisende             

Der Bahnhofskiosk in Potsdam bot nur sehr geringe Auswahl, als Lektüre für den Kurzurlaub musste also ‚Traumreisende’ von Marlo Morgan herhalten. Die Medizinerin Morgan hatte ja bereits einen in 26 Sprachen übersetzten Bestseller geschrieben mit dem Titel ‚Traumfänger’, und so vermutete ich einen zweiten, weit dünneren Aufguss. Tatsächlich lassen sich über weite Strecken Ähnlichkeiten beider Bücher nicht verleugnen. ‚Traumreisende’ schildert den Lebensweg eines australischen Aborigines-Zwillingspaares, das nach der Geburt sofort voneinander und auch von der Mutter durch die herrschenden Weißen getrennt wurde. Während das Mädchen nach langem Gang durch eine Waisenhaus-Hölle seinen Weg findet, kommt der Junge weniger gut zurecht mit seinem Leben und gleitet trotz vieler Talente in die Kriminalität ab, landet gar im Gefängnis. Finden die Zwillinge wieder zueinander ?

Umschlagtext: ‚Das bewegende Zeugnis einer Suche nach den eigenen Wurzeln – und eine Geschichte, die uns die Augen öffnet für die tiefen Weisheiten und Mythen eines alten Volkes.’ Viel positiver lässt es sich kaum ausdrücken. Marlo Morgan hat sicher das, was man landläufig eine ‚flotte Schreibe’ nennt, auch wenn sie keinem Simmel oder Konsalik nahe kommt. Das Lesen fällt sehr leicht, ihr Buch ist durchaus in einem Rutsch zu bewältigen. Hohe intellektuelle Ansprüche sollte der Leser aber besser nicht mitbringen, große Realitätsnähe auch nicht erwarten. Der Roman ist holzschnittartig, sehr holzschnittartig:

Auf der einen Seite gibt es gute, erdverbundene Ureinwohner, die mit der Natur im glücklichen Einklang leben und die ihre kleinen, harmlosen Zwistigkeiten politisch korrekt in Übereinstimmung mit religiösen Überzeugungen gutmenschlich und vorbildlich regeln. Auf der anderen Seite existieren böse, verbiesterte und weiße Herrenmenschen, die mit der Natur nicht zurecht kommen, Ureinwohner zwangsmissionieren und –sterilisieren, ihre Zwistigkeiten mit Gewalt eher nicht lösen und im Namen des Christentums unmenschlichst handeln. Das mag durchaus der Realität entsprechen, schließlich wurden und werden Australiens Ureinwohner von Weißen Christen ausgebeutet und unterdrückt, nur bekommt diese Tatsache bei Frau Morgan einen religiösen, fast fanatischen Charakter nach dem Motto:

Ureinwohner immer gut – Weiße immer schlecht.

Schon im ‚Traumfänger’ outete sich die Autorin als Gläubige, die jeglichen Geisterglauben und jedes unerklärliche Erlebnis einer Jüngerin gleich verkündete, für Zivilisation und das normale Leben von weißhäutigen Menschen jedoch allenfalls Verachtung oder Mitleid übrig hatte. Ähnlich ist es auch in diesem Buch, in dem sie gern und ausführlich die umwerfend banalen Weisheiten der Ureinwohner zelebriert (hier eine Kurzfassung, im Roman nimmt das epische Ausmaße an):

 1. Du sollst Deiner eigenen Kreativität Ausdruck verleihen
 2. Erkenne, dass Du Verantwortung trägst
 3. Vor Deiner Geburt hast Du eingewilligt, anderen zu helfen
 4. Du sollst emotionale Reife erlangen
 5. Du sollst unterhaltsam sein
 6. Du sollst ein guter Verwalter Deiner Energien sein
 7. Du sollst die Musik genießen
 8. Du sollst nach Weisheit streben
 9. Du sollst Selbstdisziplin lernen
10. Du sollst beobachten, ohne zu urteilen.
 

Dabei sind die 10 Gebote oder das Strafgesetzbuch auch gar nicht so schlecht, wenn sich denn jemand ernstlich danach richten wollte. So hübsch, naiv und bilderreich der Roman auch erzählt wird, so sehr störte mich doch das permanent durchschimmernde, wachturmartige, sich zur weissmenschigen Schlechtigkeit und Schuldigkeit Bekennen-Wollen der Autorin. Gerade so, als würde es allgemein unter Ureinwohnern, welcher Rasse sie auch entstammten, niemals Ungerechtigkeiten oder blutige Auseinandersetzungen geben. Mir fällt da auf Anhieb Afrika ein, wo sich unterschiedliche Stämme, z.B. Hutus und Tutsies nicht weniger massakrierten als dies anderswo betrüblicherweise auch üblich ist. Leider ist es ja nicht so, dass ein Volk schon allein deswegen aus lauter guten und warmherzigen Menschen besteht, weil es einmal Opfer eines anderen Volkes oder dessen Herrschers geworden ist – es bleibt dennoch zu eigenen Schandtaten fähig und willens. Das ‚Burnum Burnum’, dem ältesten des Wurundjeri-Stammes, gewidmete Buch lebt von vielen schönen und lebendigen Beschreibungen, wenn es um tiefe Gefühle, üppige Landschaften,  inneres Erleben und Mythisches geht. Obgleich kein australischer Ureinwohner, hatte ich passagenweise den starken Eindruck, mich regelrecht hineinfühlen zu können in die Gefühls- und Erlebniswelt der Figuren. 

Viele Menschen fühlen sich in der westlichen Zivilisation unwohl oder vermissen Werte, wie sie früher wohl die Zugehörigkeit zum Christentum vermittelte. Solche Menschen suchen oft ihr Heil bei irgendwelchen, vorzugsweise indischen Sekten in der Hoffnung auf alsbaldige Sinnstiftung – dieses Buch verheißt den Segen eines erfüllten Lebens durch Übernahme australischer Ureinwohnerbräuche. Insoweit ist ‚Traumreisende’ tatsächlich nur ein zweiter, deutlich dünnerer Aufguss des ersten Bestsellers, der ähnlich religiösen Charakter aufwies. Als Urlaubslektüre für 8,50 Euro ist das Büchlein aber noch vertretbar, auch wenn der Spannungsbogen im zweiten Buchteil stark abfällt, und ich könnte mir vorstellen, dass sich vielleicht eher Frauen von dieser Art Literatur  angesprochen fühlen.

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