| ...und hier finden sich Empfehlungen für spezielle Bücher der Belletristik, die nach eingehender, persönlicher Prüfung den Besuchern der GoxPower-Seiten ans Herz gelegt werden. Rezensionsexemplare sind willkommen! |
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Ferdinand von Schirach / Verbrechen
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Diese Verbrechen sind flüssig zu lesen, und sie sind so
interessant und spannend, wie es Erzählungen von Strafverteidigern eben
sind - wir wollen das absolut Böse kennenlernen und einen wohligen
Schauer ob unfassbaren Tiefe menschlicher Abgründe spüren. Das alles
wird auch geboten, dazu noch in erfreulich lakonischer Weise. Leider ist von Schirach kein guter Erzähler, er ist mehr ein guter Berichterstatter, der seine Leser nicht selbst erleben und sehen lässt, sondern ihnen trockene Zusammenfassungen aus alten Strafakten serviert. Das hat mit Literatur so viel zu tun wie ein genüsslicher Blutbad-Bericht in der Boulevardpresse, und es bleibt ähnlich oberflächlich. Zu allem Überfluss sprüht aus den Zeilen auch noch die coole Hybris eines Anwalts, der immerzu alles überblickt und wie einst 'Columbo' die Dinge im Griff hat. Für ein Debüt ist das Buch eine ordentliche Leistung, die Geschichten selbst hätten allerdings noch gewaltiges Potential, tiefer ausgearbeitet und weniger berichthaft könnten sie ganz groß sein. |
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Vera Hesse / Körk! |
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Zunächst habe ich mich mit der Geschichte
etwas schwer getan, was daran liegen mag, dass Hauptdarsteller Georg
wahrlich kein Typ ist, dem die Herzen zufliegen oder den man als
angenehm empfindet - null Identifikation. Doch der Roman entwickelt sich
ziemlich flott und nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche und
höchst phantasievolle Reise. Mögen manche Ereignisse auch völlig
realitätsfern oder absurd erscheinen, hält man sie doch im Lauf der
Lektüre immerhin für denkbar. Das öffnet die Augen für neue, ungewohnte
Beziehungshorizonte und lässt scheinbar Alltägliches differenzierter
bewerten.
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Sabine Arnold / Boomerangs Flug |
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Eine gelungene Geschichte! Sehr viel Spannung, gemixt mit
einem Schuss australischen Lokalkolorits, von letzterem hätte es auch
gern ein wenig mehr sein dürfen. Es gibt eine Ich-Erzählerin, allerdings
wird auch sehr oft die Perspektive gewechselt, was den Einstieg in den
vielschichtigen Roman um einen rachsüchtigen Psychopathen etwas
erschwert. Man bleibt aber bei der Stange, um zu erfahren, wie es weiter
geht. Mitten im Buch geschieht eine völlig unerwartete Wendung, wie
sie sich im wirklichen Leben durchaus zutragen mag, wie man sie Autoren
aber nur schweren Herzens abkauft, einfach weil sie konstruiert und
damit unglaubhaft wirkt. Für meinen Geschmack sind die einzelnen Charaktere recht holzschnittartig gezeichnet: Die Guten sind einfach gut und verhalten sich auch so; der Böse dagegen ist böse, brutal, grinst gefühllos oder auch gern mal 'hämisch'. Eine Spur Ambivalenz hätte den Personen nicht geschadet. Andererseits gelingt es Sabine Arnold hervorragend, Emotionen überzeugend zu schildern, besonders die der weiblichen Akteure. Wünschen würde ich mir für dieses Buch ein vernünftiges Lektorat, das u.a. den ziemlich dichten Adjektiv-Urwald lichtet - hätte die Autorin nämlich noch einmal mehr das Wörtchen 'verzweifelt' verwendet, ich hätte sie völlig verzweifelt erschlagen. Und das wäre schade um sie gewesen, denn sie schreibt durchaus mitreißend und gefühlvoll.
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Mit eigenen Augen / Anthologie |
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Völlig verschiedene Ereignisse wie z.B. der Mauerfall,
das Kriegsende, die Elbflut 1962 werden in diesen kurzen Abhandlungen
bildreich geschildert. Nicht als sachlich-trockene Nachrichten, sondern
aus dem sehr persönlichen Blickwinkel der Autoren, die diese
einschneidenden Geschehnisse mit eigenen Augen gesehen und natürlich
individuell erlebt und empfunden haben. Unbedingt lesenswert für
Jüngere, die Vieles nur aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen kennen,
sicher aber auch für Ältere, die ihre eigenen Lebensgeschichten und
Eindrücke mit denen anderer vergleichen können und vielleicht wieder
einmal feststellen werden, dass im Leben nicht Schwarz und Weiß, sondern
Grautöne vorherrschen. Verschiedene Autoren, verschiedene Erlebnisse, und doch herrscht in diesem Büchlein insgesamt, sogar bei der Beschreibung freudiger Begebenheiten, ein eher nachdenklicher, beinahe melancholischer Grundton vor. Empfehlung!
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Frank Goosen / Pink Moon |
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Ein lakonisch erzählter Roman, dadurch zuweilen unerwartet komisch. Goosen kann bemerkenswert kurz beschreiben, so dass die Bilder im Kopf entstehen und die Beteiligten präsent werden. Leider beschreibt er aber auch Örtlichkeiten und Räume in epischer Breite, das ist wirklich langweilig und unnötig. Die Geschichte selbst gibt nicht so enorm viel her, wird eigentlich nur vom Stil des Autors vorangetrieben - und Goosen kann einfach begnadet erzählen. Dumm nur, dass er eigentlich nichts zu sagen hat.
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Rena Larf / Das Liebesleben einer Macho-Frau |
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Ich habe mich gut unterhalten. Allerdings ist der Titel etwas irreführend, weil die Protagonistin zwar verbal kraftvoll rüberkommt - aber eigentlich sucht sie die große Liebe ihres Lebens. Und wie sie sich in dieser Zeit der Suche Männer nimmt, das hat eher etwas Verzweifeltes als etwas Machohaftes. Für mich liegt aber gerade in dieser nur vordergründigen, zur Schau getragenen Frauenstärke der Reiz des Buches. Witzig fand ich den Einfall, einen gar zu schnell nahenden Orgasmus durch intensive Gedanken an eklige Weißwurst mit Senf hinauszuzögern. Es gibt Filme, bei denen wird, wenn es zur Sache geht, auf einen Sonnenuntergang geblendet. Und es gibt Filme, da hält die Kamera drauf. Rena Larf hält drauf. Zwar nicht häufig, dann aber sehr deutlich und für meinen Geschmack mit einer Art männlichem Blick. Sie umschreibt nicht, redet nicht um den heißen Brei, sie nennt beim Namen. Munterer Stil, originelle Wortspiele, lesenswert! |
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Ein echter Jonas / Hermann Jonas |
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| Ein Erich Fried ist er nicht - aber eben ein echter Hermann Jonas. Das Buch bietet eine ausgesprochen abwechslungsreiche Mischung aus kleinen Gedichten und Kurzgeschichten - wobei mir die Geschichten deutlich besser gefallen haben. Es geht um Alltägliches, das durch ungewöhnliche, zuweilen auch seltsame Blinkwinkel seinen langweiligen Alltagscharakter verliert. Besonders angesprochen hat mich die science-ficton-artige Story 'Freier Fall'. Böse, gesellschaftskritisch und gleichzeitig augenzwinkernd. Jonas hat erfreulicherweise auf den moralischen Zeigefinger verzichtet. Insgesamt: Eine originelle, mit hübschen Bildern garnierte Zusammenstellung, lesenswert! | |
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Das bevorzugte Geschlecht / Martin van Creveld |
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Frauen müssen nicht zum Wehrdienst, dürfen trotz längerer Lebenserwartung früher die Rente genießen, bei sinkenden Schiffen heißt es ‚Frauen und Kinder zuerst’. Neigt sich die Karriere dem Ende zu, bekommt die ausgebeutete Frau eben ein Kind und auch dann Unterhalt vom Vater, wenn der sie nicht geehelicht hat. Oder das Sozialamt zahlt und erwartet wenigstens bis zum dritten Lebensjahr des Nachwuchses nicht, dass die Mutter selbst für ihren Lebensunterhalt sorgt. Dann kommen Feministinnen und fordern ‚Gleichberechtigung’, meinen aber nur weitere Privilegien für Frauen. Soweit war meine Meinung gefestigt, da goss ‚Das bevorzugte Geschlecht’ hektoliterweise Wasser auf meine Mühlen. Der Autor weist anhand geschichtlicher Quellen nach, dass Frauen niemals das unterdrückte Geschlecht waren, im Gegenteil. So waren Opfer von Hexenprozessen vielerorts nicht nur Frauen, sondern zu über 50 % Männer. Und wurden doch Frauen verbrannt, dann nicht zur Erhaltung des Patriarchats, sondern weil sie von anderen Frauen aus unedlen Motiven heraus denunziert wurden. Unzweifelhaft ist, dass mehr Männer als Frauen berufstätig sind. Nun ist Arbeit nicht immer angenehm. ‚Warum glauben nur zwanzig Prozent aller Europäerinnen, die keine Kinder haben - und nur zehn Prozent derer, die welche haben - dass es für Frauen das beste sei, berufstätig zu sein?’ , fragt Creveld da nicht ganz zu Unrecht. Er weist auch nach, dass straffällige Frauen eigentlich immer wesentlich milder bestraft werden als straffällige Männer. Der Autor hält Frauen für -wörtlich- das wehleidige Geschlecht, hier ein Auszug: ‚In fast jeder Hinsicht sind Frauen seit eh und je das privilegierte Geschlecht. Als Kinder werden sie sanfter angefasst und mehr behütet. Als Studentinnen wird ihnen schon seit langem nachgesehen, dass sie sich von Fächern fernhalten, die als die schwierigsten gelten. Als Erwachsene sind sie unter weniger Konkurrenz- und Leidensdruck. Was ihren Lebensunterhalt betrifft, sind sie oft in der beneidenswerten Lage, konsumieren zu können ohne produzieren zu müssen. Als Kriminelle und Prozessführende werden sie vom Gesetz und von den Gerichten wesentlich nachsichtiger behandelt. Als Staatsbürgerinnen sind sie nicht nur von der Pflicht befreit, an den schrecklichsten aller menschlichen Aktivitäten, d.h. dem Krieg, teilzunehmen, sondern werden auch besser vor ihm geschützt. Von Männern auf den Schultern getragen - manchmal, wenn es darum geht, Naturkatastrophen und ähnlichem zu entkommen, im wörtlichen Sinne - haben Frauen stets den Löwenanteil der Annehmlichkeiten genossen, die eine Gesellschaft, egal wann und wo, zu bieten hatte. Frauen, deren Leben als wertvoller gilt als das von Männern, sind seltener Opfer von Gewaltverbrechen.’ Diese Auffassung zieht sich durch das ganze Buch, jeweils belegt mit geschichtlichen Dokumenten. Das macht dieses Werk nicht gerade lesbarer, denn nach jedem dritten Satz findet sich eine hochgestellte Zahl, die auf Anmerkungen verweist. Allein diese Anmerkungen am Ende machen etwa ein Fünftel des Wälzers aus. Noch unangenehmer sind die Sätze mit massenhaften Prozentzahlen zu lesen. Beispiel: ‚Anfang der Neunzigerjahre waren in den USA 97 % aller Krankenpfleger, 97% der in der Krankenpflege tätigen, 73% der Lehrer, 84% der Lehrer in Grundschulen, 97,8% der Vorschullehrer und 68% der Sozialarbeiter Frauen.’ So geht das in einem fort, man gewöhnt sich beim Lesen daran. Allerdings sind Statistiken eine Frage der Bewertung und kein Beweis an sich. Auch inhaltlich wackelt Creveld: So versucht er den Eindruck zu erwecken, Frauen wären nicht wegen wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern wegen meinungsmachender Frauenliteratur berufstätig geworden. Seltsam fand ich auch seine Vermutung, dass die meisten Vergewaltigungen keine seien. Israelische Untersuchungen hätten ergeben, dass vier von fünf angezeigten Fällen Falschbeschuldigungen wären. Nun gut, die Forderungen von Feministinnen, in solchen Fällen den Frauen ohne weitere Prüfung zu glauben, weil die in diesen Dingen nicht lügen würden, hielt ich auch für abstrus. Gern bin ich bereit, fremde Kulturen zu respektieren. Aber Crevelds Annahme, genitale Beschneidungen von Mädchen in afrikanischen Ländern seien keinesfalls immer Verstümmelungen, sondern würde den Mädels später intensiveres sexuelles Erleben ermöglichen, will mir kühn erscheinen. Bleibt noch die Frage, was man mit dem Lektor des ‚bevorzugten Geschlechts’ machen sollte. Ich sage: Feuern ! Der Lektor hat schludrig gearbeitet. So findet sich der Hinweis, dass in den Entwicklungsländern Frauen mit schädlichen Chemikalien zu tun hatten, was eine ‚gesundheitsschädliche Arbeit’ war. Zwei Sätze später heißt es, die Arbeit wäre ungefährlich, leicht und sauber gewesen. Was denn nun ? Oder : ‚Bis 1947/48 waren so viele Frauen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, dass man Ausländerinnen brauchte, die ihre Stellen einnahmen. Das Ergebnis war ein kurzzeitiger Babyboom.’ Bekamen Ausländerinnen sofort Babys, wenn sie einen Job hatten ? Insgesamt ist das Buch eine teure, schlecht zu lesende Zusammenstellung verschiedenster geschichtlicher Quellen, die eine Bevorzugung von Frauen belegen sollen, garniert mit einigen Vermutungen des Autors und gestört durch das grottenschlechte Lektorat. Da hat mir doch Esther Vilars dressierter Mann aus dem Jahr 1971, ganz ohne Statistiken, wesentlich mehr Lesefreude bereitet. |
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Wolfgang Tornow / Sei Hartz |
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Eine originelle Idee, Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen auf einen einzelnen Menschen als Märchen zu präsentieren. Ich denke, viele arbeitslose Leser werden bei der Lektüre feststellen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Spritzig finde ich auch den Einfall, Teile der Geschichte aus Sicht des Liebesgottes und aus Sicht böser Kobolde zu schildern. Streckenweise allerdings ist mir der Schreibstil zu berichthaft, hätte ich mir viel mehr satirische Überspitzung gewünscht und weniger Nacherzählung der Realität - aber für ein paar Schmunzler reicht es. Andererseits sind dem Autor gelegentlich die Gäule durchgegangen: Wenn der 'Arbeitsamtsmensch' 1999 schwärmt, wie hart er früher arbeiten musste und der Arbeitslose daraus einen Zusammenhang zum Mord an '5 Millionen Juden' und '20 Millionen Zwangsarbeitern' herstellt, muß ich anmerken, dass ein Amtsmensch von 1999 altersbedingt nicht während des dritten Reiches gearbeitet haben kann. Aber im Märchen ist alles erlaubt. |
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Heute koche ich. Das Kochbuch für Männer. |
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Frauen gehören hinter den Herd und der gehört ins Schlafzimmer – solche Sprüche aus dem Munde von Ewiggestrigen gehören der Vergangenheit an. Heutzutage schuftet der Mann nicht nur den ganzen Tag, ist abends ein verständnisvoller Partner und liebevoller Vater, sondern er hat sich auch um die Kochkunst zu bemühen. Dafür gibt es dieses Kochbuch für Männer. Um dem Aufjaulen feministischer Buchhändlerinnen entgegenzuwirken, gibt es vom gleichen Verlag ein ähnlich aufgemachtes Blondinen-Kochbuch. Oder das Schlampen-Kochbuch aus dem Rowohlt-Verlag. Das Männerkochbuch bedient beliebte Klischees, schon auf dem Titelblatt ist ein Bild von einem Mann zu sehen, von einem ganzen Kerl, wie man ihn sich eher auf Baugerüsten vorstellt. Vielleicht mit blankem Oberkörper. Der gestählte Kerl präsentiert sich in Siegerpose vor einer gleichsam von Männerhand entweihten und demolierten Küche, gekleidet in Jeans und Muttis Rüschen-Schürzchen. Seinen Kopf ziert ein Edelstahl-Küchensieb, haha ! Laut Vorwort richtet sich das schmale, gebundene DIN A4-Bändchen an Herren, die im Notfall eher den Pizza-Dienst bemühen. Ich hatte nun auf so richtig kernige Gerichte wie ‚halbes Wildschwein auf Toast’ spekuliert, wurde aber mit Weichgespültem wie ‚Apfelküchle in Rotweinschaum’ enttäuscht. Welcher echte Kerl will denn so was ? Die gerade mal 100 Seiten bieten gerade einmal 36 schön bebilderte Rezepte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Danach ist das Buch auch unterteilt, es beginnt mit einfachem Apfelschneegestöber, gekennzeichnet mit einem blauen Töpfchen. Weiter hinten gibt es vier blaue Töpfchen, das sind dann so Sachen wie ‚Spargel-Käsecremesuppe mit Räucherlachs’ – aber so richtig schwierig ist das auch nicht. Zwischen den einzelnen Kochanweisungen finden sich immer wieder Tipps für Kochanfänger, sei es zum Putzen von Blumenkohl oder zum Entfernen von Fischgräten. Das ist zwar sehr hilfreich, aber nur, wenn das Buch als Ganzes wie ein Roman gelesen wird, denn im Index finden sich die Tipps nicht und sind damit im Notfall unauffindbar. Zum Ausgleich finden sich immer wieder launige Zeichnungen vom muskelbepackten Titelhelden in unterschiedlichen Posen. Wenigstens die Rezepte selbst finden sich im Inhaltsverzeichnis. Zwar in alphabetischer Reihenfolge, aber ohne Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad. Den einfachen Bohneneintopf, Schwierigkeitsstufe = ein blaues Töpfchen, habe ich ausprobiert. Die Zutaten sind übersichtlich aufgeführt, die Zubereitungshinweise auch. Zubereitungszeit und Kalorienhinweise fehlen nicht. Der Bohneneintopf war wirklich schnell zubereitet, allerdings geschmacklich dünn, es fehlte an Kraft und Würzung. Die Autoren setzen zu sehr auf Fertig-Kräuterpasten und zu wenig auf echte, selbstgekochte Brühe. Spargel-Käsecremesuppe mit Räucherlachs habe ich auch versucht, auch hier wird Instant-Hühnerbrühe als Grundlage empfohlen und insgesamt zu fade gewürzt. Die Suppe war am Ende zwar lecker, aber ich hätte mir mehr Sorgfalt beim Rezept selbst gewünscht: In der Zutatenliste wird 1 Eigelb gefordert, das taucht dann aber bei der Zubereitung nicht mehr auf und war übrig. Angesichts von nur 36 Rezepten sollte derartiger Pfusch vermeidbar sein. Zu fade war auch die ‚Chinesische scharf-saure Suppe’, Schwierigkeitsgrad = 3 blaue Töpfchen. Nur mit viel Cayenne-Pfeffer, der im Buch keine Erwähnung findet, wurde sie dann etwas scharf. Es gibt noch mehr zu meckern, nämlich das störende Produkt-Placement. Soll Mozarella verwendet werden, steht in Klammern dahinter: z.B. von Zott. Haferflocken: z.B. von Kölln. Nussnougatcreme: z.B. Nutella. Das Werk ist jedoch kein Werbegeschenk, sondern will bezahlt sein. Insgesamt empfehle ich ‚Heute koche ich !’ als Verlegenheitsgeschenk oder müden Partygag, wenn einem nichts Besseres einfällt und es ein Geschenk im niedrigen Preissektor sein soll. Kostenpunkt 5,- Euro. Allerdings sollte der Beschenkte kein dünner Hering sein, er könnte wegen des immer wieder abgebildeten Kraftmenschen Komplexe bekommen. Es wird alles so erklärt, als wären Männer soeben den Höhlen des Neanderthals entkrochen. Für Anfänger ist die bunt aufgemachte Rezeptsammlung eigentlich nichts, wegen der Fehler und wegen nicht vorhandener Präzision bei den Gewürzen. Nur derjenige, der schon oft am Herd gewerkelt hat, wird mit den Gerichten noch etwas anfangen können, andere sollten doch besser zur Tiefkühlkost, z.B. Bofrost mit einem blauen Töpfchen, greifen. |
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Geständnisse eines Küchenchefs / Bourdain, Anthony |
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Wir sehen oft die Fernsehwerbung mit dem bäuerlich
aussehenden Mädel, das liebevoll und langsam rot-bläuliches Früchtemus
unter den cremigen Joghurt rührt. Wir möchten dieses schöne Bild
gerne glauben, obwohl wir genau wissen, dass es keine Firma gibt, die täglich
hektoliterweise Landliebe-Joghurt von bäuerlich aussehenden Mädels mit
Früchten mischen lassen wird. Und das in kleinen, hellen Keramik- Schüsseln. So ähnlich geht es uns allen zuweilen in Restaurants. Da wird lecker dampfend aufgetischt und vor dem geistigen Auge erscheint jemand mit dem Aussehen unserer lieben Oma, die voller Sorgfalt die Kartoffeln schälte und liebevoll einen Extra-Klecks Sahne oder gute Butter in die Soße gab. Aber auch hier wissen wir, dass unsere liebe Oma nicht in dieser Küche werkelt und befürchten, dass es beim Kochen noch wesentlich unromantischer zugehen könnte als in einer sterilen Edelstahl-Joghurtfabrik. Die ‚Geständnisse eines Küchenchefs’ belegen, dass wir mit unseren Befürchtungen richtig liegen, dass alles noch viel schlimmer ist. Das vorliegende Buch verheißt entlarvende Blicke hinter die Küchentür und verspricht dem Leser brauchbare Tipps und wichtige Warnungen für künftige Restaurantbesuche. So nach dem Motto: Meeresfrüchte niemals montags, Schwertfisch niemals – wegen der Würmer! Es gibt 6 Kapitel, die aber halb-originell nicht Kapitel 1 bis 6 heißen, sondern Amuse Geule, Erster Gang, Zweiter Gang bis zum Dessert. Wie witzig! Der Autor ist Amerikaner, was sich leider auch im Schreibstil unangenehm bemerkbar macht. Statt einfach sofort zu schreiben, was der Leser erfahren soll, beginnt es mit langatmigem ‚Sie werden erfahren’ und ‚Ich werde berichten’. Irgendwann beginnt dann doch die Biographie und man erfährt, dass der Autor durch eine Art Ekeltherapie zum Koch wurde, indem er sich vor Eltern und Bruder anbot, auch die widerlichsten Sachen zu verkosten. Zum Beispiel rohe Austern. Die fand er toll. Ich finde ja, sie schmecken wie schleimgewordene Nordsee. Aber sie sollen gut für die Manneskraft sein, heißt es. Dann doch lieber Sellerie! Anthony Bourdain beschreibt seinen Werdegang als Küchenhilfskraft und Koch in aller Breite und recht unterhaltsam, für Restaurantbesucher nützliche Tipps bleiben jedoch rar und beschränken sich hauptsächlich auf die erwähnten: Meeresfrüchte niemals montags, Schwertfisch niemals! Das steht aber schon auf dem Klappentext, dafür braucht niemand das Buch. Interessant ist das Werk vielleicht als soziologische Studie, denn in Amerika scheinen alle Mitarbeiter der Gastronomie schwer gestrandete Asoziale zu sein, das gilt auch für den Autor. In den Küchen wimmelt es von Alkoholikern, Heroinsüchtigen, Kriminellen und aufdringlichen Schwulen. Ein ‚normales’, bürgerliches Leben führt wohl niemand, was angesichts der geschilderten Stress-Situationen allerdings auch nicht wirklich verwundern kann. Es verwundert eher, dass angesichts der vielen abgerissenen Typen überhaupt noch ein annehmbares Gericht auf den Teller des Gastes kommt. Bourdain aalt sich in Beschreibungen von Drogenexzessen, niederen Instinkten und schlichtem Dreck. Vorzüglich gelingt ihm die Beschreibung von höchst druckvollen Arbeitsabläufen in großen Restaurantküchen, so furchtbare Sachen kann man sich als normaler Steakesser gar nicht ausmalen. Ab und an kommt der Lesefluss ins Stocken, es werden doch viele Fachbegriffe (mise-en-place oder auch boudin noir) verwendet, die nicht jedermann geläufig sind. Die mit teils sehr drastischer Wortwahl geschilderten menschlichen Abgründe sind so enorm tief und so unglaubwürdig, dass ich dazu neige, sie dem New Yorker Koch abzukaufen. Zumal nicht mit dem Finger nur auf andere, finstere Gesellen gezeigt wird sondern auch die eigenen Heroin- und Kokainabstürze in grellen Farben beinahe lustvoll ausgemalt werden. Jemand, der gerne Koch werden möchte, könnte durch diese Lektüre leicht von seinem Vorhaben abgebracht werden, Abschreckung wird überreichlich geboten. Allerdings scheint bestimmte Menschen diese Art des Lebens – um nicht zu sagen: ‚Vegetierens’ - zu faszinieren, sie möchten auch so arbeiten und kämen mit einem gewöhnlichen nine-to-five-job vielleicht nicht gut zurecht. Man muss sich wohl auch nicht so sehr anpassen wie in anderen Berufen, der Umgangston ist rau, die Fluktuation ist sehr hoch und angesichts der lächerlich geringen Bezahlung findet sich immer ein Küchenarbeitsplatz. Der Autor hat es buchstäblich vom Tellerwäscher zum respektablen Koch gebracht, wenn auch auf einem für Uneingeweihte kaum nachvollziehbaren Weg. Insoweit sind diese Geständnisse für ein wohliges Gruseln gut und auch dafür, dass der geneigte Leser sein eigenes Dasein nicht mehr ganz so öde und schlecht findet. Aber brauchbare Hinweise für Besuche von Gaststätten sind doch sehr, sehr dünn gesät, da hatte ich mir mehr erhofft. Wenigstens habe ich jetzt schwarz auf weiß, dass in der Küche niemand sitzt, der wie meine Oma aussieht, voller Sorgfalt Kartoffeln schält und liebevoll einen Extra-Klecks Sahne oder gute Butter in die Soße gibt. Mir bleibt so lange noch die schwache Illusion eines von bäuerlich aussehenden Mädels handgerührten Fruchtjoghurts, bis irgendwann auch der Landliebe-Direktor seine sexdrogendurchtränkten Geständnisse in einem Buch niederschreibt. |
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Hella Broerken / PARIS-Restaurants: Meine Lieblings-Bistros, Cafés und Brasserien
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Dieses Büchlein wurde offensichtlich von
einer Paris-Liebhaberin zusammengestellt, man spürt es deutlich in jeder
Zeile. Amüsant und kenntnisreich beschreibt sie Anekdoten und
Besonderheiten, die sie in kleinen Restaurants und Brasserien erlebt hat
- zuweilen gehen ihr allerdings die Gäule durch, wenn ihr z.B. vor
lauter Stimmungsbeschreibung am Ende nur ein einziger Satz zur Qualität
der Speisen einfällt. |
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Jean-Christophe Grange / Die Purpurnen Flüsse
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| Sonderlich spannend fand ich dieses Buch nicht, aber bis zum späten Ende durchgelesen habe ich es dennoch. Denn die am Ende tatsächlich gebotene Auflösung interessierte mich schon, auch wenn vieles vorhersehbar und arg durchsichtig erscheint. ‚Die Purpurnen Flüsse’ sind ein als Thriller bezeichneter Krimi mit vielen der genreüblichen Zutaten wie knarzigen Kommissaren und schönen Frauen. Die ganze, sehr lange Geschichte ist gut und einigermaßen logisch aufgebaut, wenn ich mich auch stark an Motive aus Mary Shelleys Frankenstein oder der nationalsozialistischen Ideologie erinnert fühlte – insoweit nichts für schwache Nerven oder empfindsame Gemüter, die tote Kinder und herausgetrennte Augen in Krimis nicht so mögen. Etwas Ekeltraining eben. Kurz gesagt, handelt es sich um einen Actionreißer der einfachen Art. Immer wieder hatte ich den unerfreulichen Eindruck, dass der Autor beim Entwickeln des Plots begierig auf eventuelles Vermarkten von lukrativen Filmrechten schielte, und es ist ihm letztlich ja auch gelungen. Einige Szenen konnte ich mir sofort wie in einem Kinofilm vorstellen, so drehbuchartig und detailgenau fielen die Beschreibungen aus. Besonders an den Stellen, an denen gehandelt und sich bewegt wird und nicht nur gedacht. Vergleichsweise unglaubwürdig und hölzern gezeichnet werden alle menschlichen Komponenten (bis auf den Jähzorn des Hauptdarstellers), wenn es beispielsweise um polizeiinterne Wettläufe um die Aufklärung des spektakulären Falles geht. Wobei sich der arabisch-stämmige Kommissar immer wieder karrieregefährdend und betroffen-gutmenschlich in den Vordergrund drängelt. Und dabei dennoch den harten Kerl, den He-Man, den Hombron über die Maßen herauszukehren sucht. Dieser aufdringlich-kantige Held soll kein Held sein. Vieles wirkte auf mich sehr konstruiert und gewollt, es ist nicht einfach aus der Feder geflossen und der Autor musste sich deutlich lesbar anstrengen. Überhaupt – soviel sei verraten – geht es politisch sehr korrekt zu, denn letztendlich entpuppen sich ‚die Reichen’ und Gebildeten in einer Art geschlossenen Gesellschaft als abgrundtief böse und unmenschlich, während einfachen, armen Menschen kraft Armut eher das erstrebenswerte Gute innewohnt. Und natürlich ist der fremdländische Polizist auch einer von den guten Jungs, trotz zuweilen wirklich rabiater Ermittlungsmethoden. ‚Die Purpurnen Flüsse’ (erschienen 1997) sind zwar flüssig geschrieben und liebevoll aus dem französischen übersetzt, haben aber in der morbiden Grundstimmung doch erhebliche und quälende Längen, die sich in der Verfilmung wohl mit Actionszenen wegdrücken ließen. Mir fehlte beim Stil eine gewisse spielerische Leichtigkeit, die eine solche Thematik noch gruseliger hätte wirken lassen. Statt der gebotenen vierhundert Seiten wäre ein Drittel weniger nach meinem Geschmack besser gewesen und hätte sich spannungserhaltend ausgewirkt, aber vielleicht wird Autor Jean-Christophe Grange ja nach Anzahl getippter Anschläge oder Zeilen entlohnt. Insgesamt ein nettes, mittelmäßiges Buch für eine längere Bahnfahrt oder einen langweiligen, verregneten Urlaub, aber gemessen am tatsächlich gefühlten Lesegenuss mit 8,60 Euro zu teuer, die Hälfte schiene mir für diesen sicher ernstgemeinten Versuch, einen Thriller zu schreiben, eher angemessen. |
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Friedhelm Busch / Greife nie in ein fallendes Messer
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| Enorm viele Menschen haben ja enorm viel Geld, und das will angelegt sein. Warum also nicht an der Börse noch mehr Geld machen ? Um dem wenig informierten Laien unter die Arme zu greifen, gibt es allerlei wohlfeile Ratgeber von den Börsengurus dieser Welt und eben auch diesen vom Friedhelm Busch. Der ist bekannt als Börsenreporter bei N-TV, der kann live enorm tiefschürfend wirken und wirtschaftliche Zusammenhänge plausibel darstellen. Bisweilen sogar witzig. Im Ramschverkauf der Drogeriekette Schlecker erwarb ich dieses Taschenbuch für 2 Euro, und das war zu teuer – da wäre die Anlage in 10 Aktien des Pleitekandidaten Comroad vielleicht lukrativer gewesen. In gebundener Form kostet das Buch gar 24 Euro. Völlig uninspiriert erzählt Friedhelm Busch die Börsengeschichte seit 1987 nach und lässt absolut nichts aus, was nicht sowieso schon jeder weiß. Das Geschreibsel wirkt nur altklug und besserwisserisch, denn heute ist mir auch klar, was damals die richtige Strategie gewesen wäre. Ich hatte ja gehofft, dass ein wenig ‚Butter bei die Fische’ kommt, wie man im Norden sagt, und dass dem Buchtitel gemäß alte Börsenweisheiten beim Wort genommen und analysiert werden. Pustekuchen, die Börsensprüche müssen nur als Kapitelüberschriften für langatmiges Gelaber herhalten. Dieses Buch hätte jeder schreiben können, der in den letzten Jahren regelmäßig Börsensendungen gesehen hat. ‚Meine Fehler bei der SAP-Aktie’ heißt ein Kapitel – eigentlich nicht überraschend, denn hätte er mit der Aktie alles richtig gemacht, müsste er nicht den Börsenkasper geben oder solch’ unsägliche Bücher schreiben. Ich dachte ja, jetzt würde es so richtig menscheln, aber Fehlanzeige: Herr Busch hat die SAP-Aktie zu spät gekauft, dann zu früh verkauft, dann wieder zu spät nachgekauft, dann wieder... das ganze natürlich in pseudowissenschaftlichem Tonfall, als hätte er bei vernünftiger Überlegung alles richtig machen können. Das ist völlig hirnrissig, denn hinterher weiß ich auch bei jeder Aktie, was ich vorher hätte richtig machen sollen. Deswegen ist der Kauf einer fallenden Aktie zwar sicher ein Fehler, aber sicher kein mit Überlegung vermeidbarer, denn Aktienanlage hat nun einmal mit Zocken und Glück zu tun. Ähnlich geht es mir beim Lotto: Ich gestehe meinen Fehler auf dem letzten Lottoschein ein, denn es waren trotz fundamentaler Überlegungen und Implizierung der Rahmendaten einfach die Falschen zahlen angekreuzt. Vielleicht sollte ich darüber ein Buch schreiben. Buschs lieblos zusammengehauenes Machwerk wimmelt von Sätzen wie ‚kaufen, wenn die Kanonen donnern’ oder ‚die Börse ist keine Einbahnstraße’, es fehlt eigentlich nur noch der wissenschaftlich untermauerte Hinweis, dass der gewiefte Anleger Aktien doch bitteschön möglichst billig kaufen, aber möglichst teuer verkaufen sollte. Die Differenz wäre dann ja der Gewinn ! Das Thema ‚Neuer Markt’ wird nicht ausgespart: Herr Busch hat es von Anfang an gewusst. Es musste ja schief gehen. Die Aktien waren hoffnungslos überbewertet, die Blase musste platzen. Mag wohl so sein, aber warum schreibt er das erst, nachdem nun die Blase schon lange geplatzt ist ? An der Börse wird es sicher auch das eine oder andere Anekdötchen geben, dass der Erzählung wert wäre – Busch verzichtet darauf, so dass es auf knapp 300 Seiten nicht nur keine Erkenntnisse, sondern auch nichts zum Schmunzeln gibt. Ich habe den Eindruck, der Autor möchte Nachrichten von gestern einer Zweitverwertung zuführen, das ist aber ähnlich spannend und prickelnd wie die Nacherzählung des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft von 1972. Im Klappentext rühmt die ‚Welt am Sonntag’ Busch als ‚Kultfigur der Börse.. mit süffisanter Metaphorik und meinungsfreudiger Fabulierkunst’ – da hat der Redakteur dieses Buch wohl nicht gelesen, denn es ist ein völlig nutzfreies Trauerspiel. |
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Frank Goosen / liegen lernen -Roman- Kaufanreiz für diese Buch war zum einen eine ausführliche, nicht so sehr negative Kritik im SPIEGEL, zum anderen ein noch vorhandener 5-Euro-Gutschein für Amazon, so dass ich das Werk für DM 20,- inklusive Versandkosten bestellte. Ein paar Tage später kam dann auch ich zur Lektüre, das Buch ist mit einem Schallplattencover ja wirklich ganz originell aufgemacht, es ist der erste Roman von Franz Goosen. Der Autor berichtet in lakonischer, trocken-humorvoller Weise über die (seine?) kleinbürgerliche Jugend, Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen und das Erwachsenwerden in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wichtig und interessant ist eigentlich weniger die ‚Lebensgeschichte’ selbst (darum und wegen der Spannungserhaltung verzichte ich hier bewusst auf eine Inhaltsangabe), als vielmehr die treffende und liebevolle Beschreibung der Lebensumstände und Gefühlslage in diesen Jahren, als es auch noch 2 deutsche Staaten gab. So ist eine sehr launige Beschreibung eines DDR-Besuches enthalten, in der dem Erzähler seitens einer Ordnungskraft mit vorgehaltenem Maschinengewehr ‚Entweihung sozialistischen Mutterbodens’ vorgeworfen wird, weil nach üppigen Bierkonsum ein Baum als Urinal zweckentfremdet wurde. Heute kaum mehr vorstellbar, aber ich hatte ähnliche Erlebnisse in bezug auf die Strassenverkehrsordung der Deutschen Demokratischen Republik. Amüsant auch die Beschreibung der Stimmung in der Schule, die auch ich so erlebt habe, denn damals ging es nicht um das ‚krasseste Handy’, sondern um Weltveränderung und Weltverbesserung. Kostprobe aus einer Szene zur Wahl einer Schülervertretung (!): ‚Die Menschheit sei heute in der
Lage, sich hundertfach selbst zu zerstören, und der westlichen Welt
falle nichts besseres ein, als im Profitinteresse des militärisch-industriellen
Komplexes unvermindert an der Rüstungsspirale zu drehen, das legitime
Selbstbestimmungsrecht der Völker beispielsweise in Mittelamerika mit Füßen
zu treten und über die Führbarkeit eines thermonuklearen Krieges zu
spekulieren, wobei der Verlust Europas und die Verseuchung der Atmosphäre
billigend in Kauf genommen würden, anstatt den ersten Schritt in eine
atomwaffenfreie Welt zu tun und auf die Stationierung der Pershing II
und Cruise Missiles zu verzichten. In der ersten Reihe meldete sich ein
Fünftklässler und fragte, was das bedeuten sollte. ...’ Im ganzen Buch wird die verbreitete
Verklemmtheit, insbesondere vieler Elternhäuser jener Zeit, liebevoll
umschrieben, ebenso die Anschaffung des ersten ‚Buntfernsehers’ und
damals beliebter TV-Serien wie ‚Bezaubernde Jeannie’ und ‚Mini
Max’. Nicht zu vergessen der auf Partys verbreitete und gefürchtete
Kartoffelsalat mit beinharten Gurkenstücken. Mich haben insbesondere die Stellen beeindruckt, die die Unsicherheiten während der Pubertät, des ersten Händchenhaltens und der ersten Beziehungen betreffen – so ähnlich habe ich auch mal empfunden, ebenfalls bei der von Goosen als ‚Weibermusik’ titulierten Platte von ‚Barclay James Harvest’....Wie im wirklichen Leben wird bei der ersten großen Liebe des Erzählers deutlich, dass das Weibchen die Partnerwahl trifft.. wobei – auch wie im richtigen Leben – der Mann der Romantiker ist, der sich über das schöne Mädchen im Arm freut, während sie den Rest des Lebens verplant... Auszug Klappentext: ‚Und so erzählt
... rückblickend sein Leben als Suche nach der einzigen Frau, die ihm
etwas bedeutet hat, während seine amourösen Abenteuer ihn in
Wirklichkeit kalt ließen.’ Ich denke, Frank Goosen, Jahrgang
1966 und sonst als Kabarettist (Duo Tresenlesen) tätig, hat die
Stimmung dieser Jahre bis ins kleinste Detail sehr treffend und
ausgesprochen humorvoll wiedergegeben, viele Leser dieses Alters werden
sich bei der Lektüre zu 100% wiederfinden und ein Schmunzeln nicht
unterdrücken können – wohl auch deswegen, weil jeder annimmt, er
allein hätte diese Zeit so empfunden.... Menschen um die 20 mögen sich aus historischem Interesse an den Stoff wagen, um zu sehen, wie die Jugend ihrer Eltern denn so gewesen ist – ich fürchte aber, dass trotz der genauen und zutreffenden Beschreibungen das damalige Feeling nicht ganz vorstellbar wird, vieles erscheint im Rückblick auch mir als Teilnehmer eher surreal.... jetzt als günstiges Taschenbuch: |
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Petra Hammesfahr / Der stille Herr Genardy -Roman- Dieser Roman vermittelt eine eher surreale, unwirkliche Stimmung. Das liegt teilweise am Erzählstil, denn es wird aus Sicht einer alleinerziehenden Mutter erzählt. Und gleichzeitig aus Sicht eines Mannes, der sexuelle Erfüllung nur in Kontakt mit Kindern oder gar Säuglingen findet. Zudem leidet die junge Mutter unter Träumen, die sie in die Zukunft sehen lassen – leider im unerfreulichen Sinne, sie träumt vom Tod, und immer exakt 3 Tage später stirbt tatsächlich jemand im näheren Umkreis.... Sigrid, so der Name der erwähnten Mutter, lebt offenbar in einer Welt von Kinderschändern. Schon ihr verstorbener Ehemann (, dessen Tod sie gleichfalls vorhersah), konnte mit ihr als Frau nichts anfangen: Ihn störte der Busen, er bestand auf Intimrasur und ein ‚Ehevollzug’ fand nicht statt, allenfalls Spielereien in der Badewanne – vielmehr interessierte er sich für ihren Säugling Nicole... Und Herr Genardy, die zweite Hauptperson des Buches, ist nun ebenfalls praktizierender Kinderschänder, der allerdings noch nicht enttarnt wurde und vor einer Enttarnung auch große Angst hat. Minutiös werden seine sexuellen Wünsche und Gedankengänge zu ihrer für ihn möglichst gefahrlosen Verwirklichung geschildert, wie eben die Versuche, an möglichst kleine, arglose Kinder heranzukommen, ohne entdeckt und bestraft zu werden.Dieser Herr Genardy wird im Laufe des Romans Untermieter von Sigrid und interessiert sich natürlich stark für deren kleine Tochter...das Ganze spielt in nervöser und aufgeheizter Atmosphäre, da auch eine Tochter von Sigrids Arbeitskollegin sexuell missbraucht und getötet wurde. Zudem leidet Sigrid unter dem Druck ihrer Mutter, die den Herrn Genardy ganz toll findet und ihn wohl schon als künftigen Schwiegersohn sieht.Ich verrate hier nicht zuviel der Geschichte, denn diese Dinge sind von Anfang an klar und unmissverständlich – spannend ist der Roman und das Ende allemal. ‚..eine Studie über sexuelle Verstörtheit, die unter die Haut geht..’ so beschrieb der Rundfunksender NDR das Buch von Petra Hammesfahr, treffender lässt es sich kaum ausdrücken. Ich hatte beim Lesen oft ein Gefühl des ohnmächtigen Nicht-Reagieren-Könnens, wie man es aus unerfreulichen Alpträumen kennt. Da ja die Gedankengänge des Täters sehr genau beschrieben werden, möchte man Sigrid immer zum Handeln und Schützen drängen – und sie reagiert angesichts ihres Verdachtes und ihrer einschlägigen Erfahrungen auch wirklich arg träge. Wenn das Wohl des eigenen Kindes in Gefahr sein könnte, würde ein Elternteil doch schon bei bestimmten Verdachtsmomenten tätig werden und nicht erst beim Vorliegen von gerichtsfesten Beweisen in doppelter Ausfertigung. Ungewöhnlicherweise ergreift die Autorin nicht direkt Partei, sondern beschreibt fast emotionslos die Gedankengänge und Gefühle ihrer Figuren. Das macht die Geschichte spannend, auch wenn mich seltsam berührt hat, das sexuelle Wünsche von Kinderschändern dargestellt werden wie ‚normale’ sexuelle Vorlieben auch. Es wird wenig gesprochen in diesem Roman, jede Person denkt für sich, und viele der Probleme würde es bei angemessener Kommunikation oder Nachfrage gar nicht geben. Ich denke auch, jede junge Frau würde sich Gedanken machen, wenn ihr zukünftiger Ehemann auf ihre deutlichen sexuellen Avancen auch nach Jahren noch mit dem Hinweis reagiert, diese Dinge wolle man sich doch für die Ehe aufsparen. Und selbst wenn sie sich keine Gedanken macht, würde sie ihn doch vermutlich nicht heiraten. In den niedergeschriebenen Gedanken Sigrids wird das auch deutlich: Sie wünscht sich verständlicherweise einen Mann, für den ‚ein Kind ein Kind ist und eine Frau eine Frau’. Aber sie sagt es nicht und fragt auch nichts und setzt es auch nicht um. Es ist eben kein Tatsachenbericht, kein Pamphlet gegen Kinderschänder, sondern Fiktion und Roman. Ein Roman, der indirekt auch Gesellschaftskritik enthält am System der alleinerziehenden Mütter. Denn deren Kinder kommen aufgrund mütterlicher Erwerbstätigkeit oder anderer Interessen oft hinsichtlich Fürsorge und Kümmern zu kurz und werden, so die Essenz des Romans, durch einen starken Mangel an seriösen Ansprechpartnern leichter Opfer von Kinderschändern. Diese Kritik steht nicht wörtlich da, wie überhaupt eine Bewertung des Täters, der Mutter und der Umstände fehlt, aber die Kritik ist trotz des langen Spannungsbogens nicht zu überlesen. Gerade in diesem sensiblen Bereich taucht auch in der öffentlichen Diskussion der Wunsch nach Selbstjustiz auf – das Buch thematisiert auch diesen Weg unter Verzicht auf eine Bewertung. Insgesamt ein lesenswerter, wenn auch verstörender Roman für Menschen, denen es gut geht und die ansonsten keine Alpträume oder Ängste haben. Er ist wohl eher nichts für Menschen, die persönlich mit dieser Thematik schlechte Erfahrungen gemacht haben – vielleicht möchte man seine Gefühle nicht in einem thrillernden Buch verbraten sehen. |
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Iain Pears / Das Urteil am Kreuzweg - Roman - Dies mag wohl ein Buch für lange, dunkle Winterabende
sein, nicht nur wegen seines üppigen Umfanges von 800 Seiten. Es werden
anhand sowohl realer als auch fiktiver Personen aus der Zeit um das Jahr
1663 die Umstände politischer Wirrnisse um Monarchie und Glauben im
Rahmen eines regelrechten englischen Krimis erzählt. Die
Geschichte beginnt mit Schilderungen aus Sicht des Arztes Dr. Cola, und
am Ende des ersten Kapitels ist auch schon der Krimi zuende.... denn das
folgende Kapitel beschreibt dieselben Gegebenheiten noch einmal, nur aus
Sicht eines anderen Beteiligten – und so geht es auch weiter in den
Kapiteln, immer dieselbe Geschichte. Das hört
sich nun unerfreulich langweilig an, ist es aber nicht, im Gegenteil.
Beim Lesen der einzelnen Abschnitte gewann ich mehr und mehr den
Eindruck, der Wahrheit um Mord und Intrigen, aber auch um medizinischen
Fortschritt immer näher zu kommen, das war denn doch recht packend. Zunächst ist der Wälzer jedoch nicht leicht zu packen, das liegt am für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Schreib- und Sprachstil, der umständlich und sehr gestelzt wirkt. Man hat das Gefühl, sich mit einem mittelhochdeutschen Text zu befassen, für die ersten 50 Seiten empfand ich das als sehr anstrengend und unnötig und gewöhnungsbedürftig – es ging dann aber doch. Das liegt auch an der eindringlich beschriebenen Lebensart jener Zeit, der Armut großer Bevölkerungsteile, die schon beim Lesen ziemlich frösteln und verstohlen nach krabbelndem Ungeziefer im Wohnzimmer fahnden lässt. Man fragt sich die ganze Zeit: Wer ist denn nun der Böse und wo ist die Wahrheit, und der Autor macht es seinem Leser recht schwer, denn die Sichtweise jeder seiner Personen ist plausibel und nachvollziehbar. Allerdings möchte man zwischenzeitlich immer
„Diskriminierung !“ schreien, denn die lakonisch beschriebenen
gesellschaftlichen Verhältnisse, die herrschende Doppelmoral wie auch
die untergeordnete Rolle der Frau scheinen so heute undenkbar.In unserer
angeblichen Leistungsgesellschaft wäre es ja kaum vorstellbar, dass
jemand wegen seiner Herkunft besser angesehen ist als wegen seiner
Leistung – damals galt edle Herkunft alles, echte Leistung kaum etwas.
Heute gilt echtes Geld, wo es herkommt, kaum etwas ;-) Das Buch widmet sich ausführlich dem Leben einer jungen, attraktiven Frau, die allerdings von eher zweifelhafter Herkunft ( = schon die Vorfahren mussten für den Lebensunterhalt arbeiten) ist, revolutionärem Gedankengut nahe steht und wegen angeblicher Männergeschichten einen schlechten Ruf hat. Bemerkenswerterweise hindern diese abscheulichen Eigenschaften junge Herren, die ansonsten viel Gedanken und starke Worte um adlige Herkunft, Moral und verabscheuungswürdige Frauenzimmer finden, nicht an teilweise erfolgreichen Bemühungen, der Schönen beizuwohnen. Hinterher kann sie natürlich keinesfalls geehelicht werden, schließlich hat sie sich ja unverheiratet mit einem Mann eingelassen, die Schlampe... Interessant auch die Beschreibungen medizinischer Versuche und Therapien jener Zeit, die mit viel Aderlass und Urinverkostung des Medizinmannes Ernährung sicherte – wenn auch nicht auf direktem Weg ;-) Manch’ Medizinstudent wird sich amüsieren über die ersten Versuche von Blutübertragungen direkt von Mensch zu Mensch, auch wenn wir sooo viel weiter heute auch noch nicht sind, letztlich unterscheidet sich die Felgenbremse des Fahrrades auch eher graduell von der Porsche-Bremse. Insgesamt ein lesenswertes Buch, wenn auch nicht für Menschen, die unter Krimi Jerry Cotton oder Agatha Christie verstehen. Der Sprachstil ist doch sehr gewöhnungsbedürftig und für ‚zwischendurch’ zu anstrengend. Das erklärt wohl auch, weshalb z.B. Karstadt und Buchhandelsketten nicht mehr die ursprünglichen 48,- Euro , sondern nur noch € 5,- für diesen Historienschinken in gebundener Ausgabe fordert. 10 Mark sind nicht zuviel, auch der dunkle, düster mit Totenschädel illustrierte Einband macht optisch viel her und sieht nach was aus im Regal ;-) |
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Richard Dawkins / Gipfel des Unwahrscheinlichen Evolution ist ein sehr interessantes Thema, zwecks Optimierung meines Schulwissens erstand ich dieses Werk von Richard Dawkins als Rowohlt-Taschenbuch für knapp 20 Mark. Der Autor zählt laut Beschreibung zu den ‚bedeutensten modernen Evolutionstheoretikern’, war Professor für Zoologie an kalifornischen Universitäten und in Oxford. Der ‚Gipfel des Unwahrscheinlichen’ soll den möglichen Weg der Evolution metaphorisch umschreiben: Es ging nicht mit einem riesigen Satz die Steilwand hinauf, sondern langsam auf der Bergrückseite die sanften Anhöhen und Böschungen auf den Gipfel des Berges hinauf – sehr hübsch. Im ersten Kapitel kündigt der Professor in epischer Breite an, was er alles in den folgenden Kapiteln zu beweisen und erörtern gedenkt. Das hat schon leicht prostitutiven Charakter und erinnert an das Gebaren einer Gunstgewerblerin, die dem möglichen Interessenten ‚gaaanz tolle’ Dinge verspricht, wenn er ihr denn aufs Zimmer zu folgen gewillt ist. Langatmig wird in den folgenden Kapiteln erläutert, was jeder Gymnasiast in der Oberstufe lernt, nämlich, dass Darwin mit seinen Vermutungen vom Ursprung der Arten richtig lag, dass die Entwicklung auch des Menschen eben eine Entwicklungsgeschichte war und nicht ein einziger ‚Schöpfungsakt’.Möglicherweise wendet sich das Buch an völlige Laien, aber daran gemessen gehen dem Herrn Professor Wörter wie ‚Phänotyp’ doch gar zu leicht von den Lippen – überhaupt liest sich das Ganze, als sei es für einen Vortrag konzipiert. Für einen sehr langweiligen Vortrag. Auszug: ‚Der Punkt, um den es mir geht, ist so offensichtlich, dass ich ihn kaum erwähnen brauche, aber er ist auch so wichtig, dass ich doch darauf hinweisen muss.’ Nicht nur wenig erhellend, auch noch falsches Deutsch ;-) Zwar bleiben dem Leser die sonst unvermeidlichen Darwin-Finken auf den Galapagos-Inseln erspart, ansonsten wird der gesamte Darwin durchgekaut – und offenkundig ist Richard Dawkins der Unterschied zwischen Mimese und Mimikry nicht allzu vertraut, er wirft beides immerzu in einen Topf. Katastrophal gestaltet sich die Beweisführung mithilfe von Zeichnungen, möglicherweise war dem Zoologieprofessor entgangen, dass Ameisen sechs Beine haben und nicht bloß derer viere. Und zum Beweise, dass nicht nur Menschen die ‚Missionarsstellung’ kennen, sondern auch eine bestimmte Sorte Tausendfüssler, muss gleichfalls eine seltsame Zeichnung herhalten. So was kann ich auch malen, was soll das beweisen ? Natürlich hat der Autor auch den Computer bemüht, um die Evolution ansatzweise nachzustellen, beispielsweise mit der Entwicklung virtueller Spinnweben. Nicht ohne den geneigten Leser wissen zu lassen, dass das ganz schön aufwendige Berechnungen seien, aber im wirklichen Leben sei alles einfach so da, ‚eine eigene Berechnung ist nicht nötig’. Diese nervenaufreibenden, eher erzählenden Texte werden permanent mit der Wiederaufnahme der Titelmetapher garniert, und spätestens bei der 20 Erwähnung des ‚Gipfels des Unwahrscheinlichen’ stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Statt der verbrauchten 362 Seiten hätten, um den Inhalt verständlich zu erläutern und mit Beispielen zu garnieren, wohl auch 20 genügt. Nach der Lektüre frage ich mich nach dem Niveau des amerikanischen Bildungssystems, wenn jemand mit gewöhnlichem deutschen Abiturwissen dort Professor werden kann. Das Buch enthält keinerlei Neuigkeiten, war die 30,- Euro für die gebundene Ausgabe oder die € 9,95 für das 2001 erschienene Taschenbuch wirklich nicht wert. Wer sich erstmals mit dieser Thematik beschäftigt, sollte es vielleicht in einem Jahr auf Karstadts Grabbeltisch für dann noch einen Euro erstehen. |
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Laura Reese / Brennende Fesseln -Roman- Er legt die Hände an die Innenseite
meiner Schenkel und drückt meine Beine noch
weiter auseinander. Dann beugt er den Kopf zu mir herunter und küßt
meine Scham. Als seine Lippen meine Haut berühren, entfährt mir ein
leises Stöhnen. Ich beobachte, wie er an mir saugt und leckt, wie seine
Zunge....’ ....soweit ein kleiner Ausschnitt aus
Laura Reeses ‚Brennende Fesseln’. Aha, könnte jetzt der unbefangene Leser vermuten, da haben wir also wieder mal einen mittelprächtigen Porno von ‚Wochenend’- oder ‚Coupe’-Niveau – der unbefangene Leser irrt aber doch. Die eingangs zitierte Ich-Erzählerin ist nämlich Hauptperson in einem Kriminalroman. Inhalt laut Klappentext: ‚Eine
Frau auf der Suche nach dem Mörder ihrer Schwester.’ Das ist sehr karg beschrieben, wenn auch nicht verkehrt. Schon beim Studium des Tagebuchs wird deutlich, dass es hier um eine ‚atemberaubende Geschichte von Täuschung und Sinnlichkeit, Verlangen und Qual, Obsession und Verrat’(Klappentext) geht. Der Liebhaber der ermordeten
Schwester, im Buche nur M. genannt und des Mordes wahrlich nicht gerade
unverdächtig, ist nur zu bestimmten Bedingungen bereit, bei der Aufklärung
zu helfen – einen ähnlichen Ansatz gab’s ja schon mal beim
‚Schweigen der Lämmer’. Diese Bedingungen sind eher erotischer
Natur, allerdings geht es nicht um Blümchen- oder Kuschelsex, sondern
um sadistisch-masochistische Einlagen von nicht zu unterschätzender
Heftigkeit. An diesem Punkte erreicht der Roman leider eine hohe Stufe der Unglaubwürdigkeit: Zwar bin ich keine Frau, aber die Vorstellung, dass sich die Hauptakteurin mit dem mutmaßlichen Mörder ihrer Schwester gerade auf solche Spielchen inkl. der Fesseln und anderer Folterinstrumente einläßt, hat doch etwas sehr unwahrscheinliches – trotz aller sexuellen Begierden hängt doch der Normalmensch ein wenig am eigenen Leben... Wobei interessant dargestellt wird, wie die eine Schwester die sadistischen Spiele ablehnt, die andere sie jedoch sehr schätzt. Ansonsten ist das Buch recht spannend gehalten, ich empfinde die beschriebenen Gefühle als nachvollziehbar und auch anregend, obgleich ich persönlich –bin ja noch so jung- über keine Sado-Maso-Erfahrungen verfüge. Es wird sehr anschaulich und ausführlich jede dieser erotischen Spielarten, aber auch jede wohl dazugehörige Empfindung einfühlsam und eindringlich beschrieben. Nun halte ich mich zwar für einen mittelschwer aufgeklärten Menschen, aber zu bestimmten erotischen Spielarten fehlt mir denn doch der Zugang und ich möchte den Zugang auch nicht. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn es wie im Buch auch um Sodomie ( = Sex mit Tieren) geht, da möchte ich der Autorin sagen: Och, nööööööö , das verhagelt mir die Stimmung... Insgesamt: Ein sehr spannendes Buch mit sehr anregenden und auch weniger anregenden pornographischen Einlagen – Geschmackssache ! Empfindsame Menschen oder solche, für die Sex irgendwie ‚bäh !’ ist und allenfalls im Dunkeln unter der Bettdecke stattfinden darf, sollten diesen Wälzer bei Amazon, wo er für 8,- Euro erhältlich ist, einfach liegen lassen. |
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Gabriele Popma / Umwege zum Glück Der Schutzumschlag wird von einem bunten Werk des Künstlers Seurat aus dem Jahre 1884 verziert, der Klappentext umreißt mit dürren Worten den Inhalt des Buches: ‚ Corinna und Robert führen trotz mancher Spannungen eine gute Ehe. Da begegnet Corinna nach neun Jahren wieder dem Vater ihres nichtehelichen Sohnes...’ – hätte ich dieses Buch im Laden für 5 Mark gesehen, hätte ich es in Erwartung einer öde-langweiligen Herz-Schmerz-Geschichte mit verdient gutem Ausgang geflissentlich übersehen und mir lieber eine Ausarbeitung zum Thema ‚Frauenbefreiung in unserer Zeit’ gekauft ;-) Ich habe es aber über die Autorin selbst für gut 6 Euro inklusive Versand und persönlicher Widmung bezogen, und für soviel Geld habe ich es nun auch gelesen. Es ist ein dicker Roman mit über 400 Seiten, könnte von der inhaltlichen Form her auch eine Biographie sein, es wird aus der Perspektive des erwähnten Mädchens ‚Corinna’ erzählt. Als Leser ist man gewohnt, sich mit der Hauptperson zu identifizieren, ihre Handlungen, Reaktionen und vor allem ihre Gedanken kennen zu lernen. Das ist auch hier so, allerdings hat mich seltsam berührt, dass immer wieder auch die Gedanken und Beweggründe der anderen Figuren erwähnt werden, die kann man ja im wirklichen Leben allenfalls erraten und in sonstigen Romanen fallen ‚andere Figuren’ normalerweise durch Handlungen, nicht durch ihre Gedanken oder gar Ängste und Sorgen auf. Die Geschichte beginnt mit Corinna als 19jähriger, erzählt ihre Familiengeschichte und die erste Liebe sehr munter, auch wenn beispielsweise das erste Kennenlernen der Liebenden auf mich arg konstruiert wirkte – andererseits ist das Leben wohl manchmal derart bunt. Nach meinem Geschmack vermag die Autorin Gefühle sehr präzise zu beschreiben: ‚Ihr Verstand schien regelmäßig auszuhaken, wenn ...in ihrer Nähe war’ – so ist das im Zustande des Verliebtseins. Sehr glaubhaft und wie selbsterlebt lesen sich sämtliche Gefühlserlebnisse, die eben mit Liebe, Schmerz, Selbstzweifel, Geburt etc. zusammenhängen, auch als Mann hatte ich den Eindruck, zumindest in einigen Bereichen (nicht bei der Geburt !) mitfühlen zu können. Dafür vergaloppiert sich Gabriele Popma bisweilen bei der Einschätzung der Männer: Wenn ein Mann eine von der Natur überdeutlich begünstigte Freundin hat, interessiert ihn deren gesellschaftliche Position oder Brieftascheninhalt weniger – das mag umgekehrt eher vorkommen, aber der Hang mancher hochgestellter Herren zu ‚einfachem’, aber hübschem Personal ist ja legendär. ‚Umwege zum Glück’ ist trotz (oder wegen ?) halbwegs alltäglicher Geschichte spannend geschrieben, in keinem Moment kommt dieses aus langweiligen Kinofilmen bekannte Auf-die-Uhr-sehen-müssen-Gefühl auf, es geht immer munter voran, die Geschichte ist dicht gepackt und frei von Füllseln und Landschaftsbeschreibungen, wie ich sie bei Rosamunde Pilcher trotz des geschätzten Thymianduftes hasse. Halbwegs alltäglich, weil auch das Thema ‚körperliche Behinderung’ so behandelt wird, wie ich mir das im richtigen Leben wünsche: Der Behinderte ist nicht die ‚arme Sau’, auf die
mitleidig voller Hilfsbereitschaft herabgesehen wird, es wird auch nicht
weggesehen – die Behinderung ist eben ganz normal da und wird nicht
effektheischend oder verkaufsfördernd in den Vordergrund geschoben.
Dennoch: Sollte dieses Buch jemand
verfilmen wollen, dürfte sich die Taschentuchindustrie ob einiger
Schnief-Szenen sicher freuen, auch wenn durchaus launige Dialoge
enthalten sind. Leider nicht nur launige,
bisweilen reitet die Autorin auch der Gaul des Klischees, wenn die gute,
gute und vom Leben auch gebeutelte Corinna von ihrer Konkurrentin als
‚die vom Land, sieht man sofort’ apostrophiert wird, das erinnert
doch sehr an altertümlichen Standesdünkel und wirkt recht
unrealistisch. Insbesondere dann, wenn die Konkurrenz mit überirdischer
Schönheit gesegnet und Corinna eher unteres Mittelmaß ist. Sprachlich haben mir die ‚Umwege zum Glück’ besser gefallen, als der Buchtitel hoffen ließ, insbesondere die Adjektive sind sehr liebevoll und treffend ausgewählt. Das Lektorat hat zuweilen etwas lieblos gewurschtelt, es war nicht nötig, dass ein Antwortender immerzu ‚echote’, manchmal hätte auch ein schlichtes ‚antwortete’ ausgereicht. Ich habe mich bei der Lektüre gut unterhalten, es ist eine sehr spannende und nette Geschichte unter Menschen ‚wie Du und ich’ in normalen Verhältnissen und bei weitem nicht so, wie mich der knappe, arztromanfähige Klappentext befürchten ließ.
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Esther Vilar / Heiraten ist unmoralisch Schon in älteren Büchern wie ‚Der dressierte Mann’ (1971) hat Esther Vilar den interessierten Leser wissen lassen, dass sie von ihren Geschlechtsgenossinen wenig hält. Und so ist es auch in dieser polemischen, fast bösartigen Erörterung zum Thema Heiraten: Nach Frau Vilars Meinung ist Wohlbefinden oder ‚Glück’ aus Sicht einer Frau durch die Befriedigung des Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstriebes definiert. Eine Ehe mit dem richtigen Partner könnte die Bedürfnisse mit einem Doppelschlag garantieren, denn dieser Mann zahlt das täglich Brot, ‚die winterliche Heizölrechnung und schlafen kann man mit ihm auch’. Und wenn der Auserwählte im Bett ein Langweiler ist, sollte er zumindest genügend Geld anbringen, denn schließlich sind Essen und Unterkunft allemal wichtiger als Sex – das ‚Talent zum Liebhaber wiegt weniger als die Eignung zum Ernährer’. Für eine derart berechnende Sichtweise führt die Autorin quasi biologische Gründe an: Ein Mann ist bekanntermaßen außerstande, sexuelle Erregung zu heucheln und sich aus kühl-sachlichen Erwägungen heraus mit einer Frau zu vereinen, begehren muß er sie schon. Dagegen kann eine Frau – da sexuell permanent einsatzbereit- nur so tun, als ginge es ihr um gemeinsame Lust, wo es ihr doch ‚in Wahrheit um die eigene Versorgung geht’. Aber immerhin: ‚Es ist ... nicht weibliche Perversität, sondern Mutter Natur ..., die den Mann bei diesem Deal zum Käufer und die Frau zur Ware macht.’ Siehste, so schlecht sind Frauen gar nicht, und wenn doch, ist die Natur schuld ! Esther Vilars Definition der Ehe: 1) Die Frau besitzt die Lizenz, die Arbeitskraft ihres Mannes exklusiv zu verwerten. 2) Ihr Mann darf dafür exklusiv ihre Geschlechtsorgane nutzen. 3) Sollte ein anderer Mann Interesse an 2) haben, wären auch die Verpflichtungen aus 1) zu übernehmen. ‚Heiraten ist unmoralisch’ ist kein rein sachlich-analysierendes Werk, dem Leser werden die Sätze mit ziemlicher Wucht um die Ohren gehauen, lassen von der Form her fast keinen Widerspruch zu. Inhaltlich aber schon, denn wenn die genannten Thesen zuträfen, stellt sich doch die Frage, warum es so viele berufstätige Frauen gibt. Langweilen die sich, sind sie zu dämlich oder häßlich, einen Mann abzukriegen oder sind’s alles Lesben ? Oder haben alle arme Schlucker geehelicht ? Ich verzichte auf einen Kommentar und zitiere den Philosophen Schopenhauer: ‚In unserem monogamischen Weltteile heißt Heiraten
seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln’ – gemeint natürlich
aus männlicher Sicht ;-) Auch Emanzipation und Frauenbewegung werden kritisch beleuchtet, kurz gesagt: Alles Kokolores ! Viele der ‚Kämpferinnen’ seien Lesben gewesen, die die männliche Konkurrenz nur madig machen wollten. Und die Medien hätten nichts anderes zu tun gehabt, als die Erklärungen homosexueller Frauen, Beischlaf mit Männern sei demütigend, umgehend nachzuplappern. Die verteufelten Machos seien die Rivalen beim Kampf um die sexuelle Gunst der zur Revolte aufgeforderten Schönen gewesen. In Wirklichkeit jedoch seien die Männer das benachteiligte Geschlecht: Militärdienst, Ersatzdienst, spätere Rente trotz kürzerer Lebenserwartung; und,im Falle der Scheidung: Frau bekommt im Normalfall Kind und Wohnung; Männer arbeiten lebenslang – Frauen nach Heirat nur mit jahrelangen Pausen, in Teilzeit oder gar nicht; Männer verdienen den Unterhalt von Frauen, Frauen so gut wie nie den von Männern. Dieser Aufzählung von Benachteiligungen von Männern vermag ich allerdings nicht zu widersprechen, dafür habe ich auch zu viele männliche ‚Scheidungsleichen’ im Bekanntenkreis: Die geschiedenen Herren dürfen den Rest ihres Lebens trotz Berufstätigkeit auf Sozialhilfeniveau fristen, während sich die Damen für 1x Kind-Bekommen über eine lebenslange Pension ohne Erwerbsarbeit freuen dürfen. Schon verständlich, wenn Frauen da keinen Wert auf Gleichberechtigung legen... Insgesamt also ein Buch, das sicher nicht den
Anforderungen der ‚political correctness’ genügt, aber gerade
deswegen lesenswert ist. Denn Bücher von ‚Vordenkerinnen’ über
Frauen, die kraft Geschlechts besser, gescheiter, phantasievoller und
sensibler seien, gibt es ja zuhauf. ‚Für die meisten Menschen ist Moral die Art von Anstand, die gerade Mode ist’ (Frederico Fellini)
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Asterix und Latraviata -Comic- Gallia
est omnis divisa in partes tres - Ganz
Gallien ist in drei Teile geteilt, von denen einer die Belger
beheimatet... zwar ist Gallien im Jahre 50 v. Chr. von den Römern
besetzt, ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört jedoch
nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten – dieser Anfangstext
findet sich auch im neuen Asterix und ist inzwischen historisches
Allgemeingut in Deutschland. Einige Jahrzehnte gibt es mittlerweile die
Asterix-Comics, dieses ist Band XXXI (=31), und eigentlich bekam und
bekommt der Käufer immer das, was er erwartet. Das finde ich persönlich
erfreulich, weil ich Überraschungen nicht schätze – ich kaufe auch
gerne CDs von Sade oder Enya, die kenne ich dann meistens schon vor dem
ersten Hören, Fans von Dieter Bohlen /Modern Talking kennen dieses Phänomen
ja sicher auch ;-) Die Erwartungshaltung der Konsumenten schien sehr groß zu sein, denn Amazon benötigte geschlagene 2 Wochen, bevor mir eine gebundene Ausgabe der 2. Auflage für DM 16,80 ins Haus geliefert wurde. Zudem sind die meisten Kritiken über dieses Bändchen eher negativ, viele waren wohl doch sehr enttäuscht. Ohne den Inhalt hier wiedergeben zu wollen, beinhaltet ‚Asterix und Latraviata’ ein leichtes Geschichtchen wie die vorhergehenden Bändchen auch, begleitet von kleinen, zeitbezogenen Abkürzungen wie BSE oder ICE und lateinischen Sprüchlein (cautela abundans non nocet – zu viel Vorsicht schadet nicht). Sehr amüsiert habe ich mich über das Auftreten der Mütter von Asterix und Obelix, das erinnerte mich an Schulzeiten, zu denen man von der eigenen Mutter mit Koseworten vor allen Mitschülern auf Klassenreise entlassen wurde. ‚Tschüs, mein Spätzchen !’ Wie peinlich ! Ähnlich geht es jetzt der Heldenfigur, die von der Mutter permanent mit ‚Rixchen’ tituliert wird und Obelix, dem Muttern eine gesunde Suppe anstelle (!) eines Wildschweins zum Mittagessen offeriert.Auch die Piraten tauchen auf, Römer heißen ‚Bonusmalus’, ‚Keinentschlus’ oder ‚Darmverschlus’ – sicher nichts für Freunde des feinsinnigen und hintergründigen Zynismus’, aber eigentlich Asterix-üblich. Ebenso wie gehabt die Schlägereien zwischen den Matadoren und den Römern, wobei die lautmalerischen Kampfgeräusche sich wie ‚Tschack! Tschirack!’ und ‚Josch! Kahh!’ anhören. Zeichnungen und Texte, nach dem Tod von Goscinny ist Uderzo allein verantwortlich, habe ich als liebevoll und gelungen empfunden – nicht weniger als in den Vorjahren auch. Sicher fand ich Asterix früher irgendwie witziger, das liegt aber wohl weniger am Asterix, sondern an mir. Menschen entwickeln sich ja doch weiter. Was vor 20 Jahren brüllend komisch war, wirkt heute
vielfach angestaubt, siehe die Fernsehwiederholungen von ‚Ein Herz und
eine Seele’ mit Ekel Alfred in den 3. Fernsehprogrammen – das waren
früher echte Straßenfeger, heute sind die Folgen nur noch historisch
interessant und belächelnswert. Asterix war nach meiner Meinung nie eine revolutionäre
Figur, die das Gegenwärtige in Frage stellte oder gar eine Neuauflage
des kommunistischen Manifests von Marx zum Inhalt hatte, im Gegenteil: Die Frauenrolle war eigentlich immer festgelegt (‚Das
Essen ist fertig, Schnäuzelchen!’) und multikulturell aufgeschlossen
ging es auch nicht zu (‚ Ich habe nichts gegen Fremde, aber diese
Fremden sind nicht von hier’). Auch im
vorliegenden Band wird Asterix von seiner Mutter aufgefordert, sich eine
bessere Hälfte zu suchen, damit in seiner Hütte mal klar Schiff
gemacht wird – Frauen als Dorfälteste sind nicht vorgesehen... Dieser Comic will und wollte nie die Welt verändern,
sondern will leichte Unterhaltung in geschichtlicher Umgebung bieten –
das tut er auch, insbesondere sicher für leidgeprüfte Latein-Schüler.
Zwar habe ich mir zu keiner Zeit vor Lachen brüllend auf die Schenkel
geschlagen, aber für einiges Schmunzeln langte es doch: Das Bändchen
ist sein Geld allemal wert. Trotz meiner positiven Bemerkungen halte ich diesen
Band 31 nicht für den besten, besser hat mir ‚Asterix bei den
Schweizern’ gefallen, weil da von dekadenten Orgien die Rede war und
ich erstmals von wirklich leckerem Schweizer Käsefondue las – und es
begeistert ausprobiert habe, wenn auch ohne die strengen Regeln (‚In
den See, mit einem Gewicht an den Füßen’ im Falle des wiederholten
Brotstück-Verlustes).Und natürlich läßt sich ein gewisser Qualitätseinbruch,
bedingt durch den Tod Goscinnys, nicht verleugnen, am deutlichsten wird
dies beim ‚großen Graben’. Mit den Witzchen von Harald Juhnke konnte man weder zur Zeit des ersten Asterix-Heftchens noch heute reüssieren, um Bildung vorzutäuschen oder beim anderen Geschlecht Eindruck zu schinden und mehr zu ernten als ein mitleidig-angestrengt-duldames Lächeln. Das war bei alten Goscinny/ Uderzo-Bänden noch anders – es gab viele lateinische Sentenzen, die auch Nicht-Lateiner auswendig lernen konnten, um sie bei möglichst unpassender Gelegenheit dem angebeteten Gegenüber zu präsentieren: Beati pauperes spiritu war immer sehr beliebt: Selig, die arm an Geist (..denn ihr ist das Himmelreich). Ein paar Sätze mehr dieser Art hätten Asterix gut getan, aber vielleicht verfügt Uderzo nicht über humanistische Bildung, aber ich sehe das sine ira et studio (leidenschaftslos) – obgleich mich mein damaliger Lateinlehrer zum Lesen von Asterix in dieser beinahe ‚toten’ Sprache nötigte, was dann letztendlich zum Erwerb des ‚Latinums’ führte ;-) |
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