Auf dieser Seite sind Rezepte für Cocktails etc. zu finden....

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...nach dem Drink  das Ballerspiel  Carax Bild  350 kb  

 

 
Hier mal eine deutliche Produktwarnung:

Stroh-Rum - ein hervorragendes Reinigungsmittel für verschmutzte Fernbedienungen und andere schwer zu reinigende Dinge.
Im Ernst:
Im letzten Österreich-Urlaub in Klagenfurt habe ich so eine 0,5 Liter-Flasche (gibt's auch als 1-Liter) als Souvenir gekauft, um sie für Feuerzangenbowle, steifen Grog oder Vergleichbares einzusetzen - die Österreicher selbst schienen mir auch recht Stolz auf diese heimische Spezialität und Eigenmarke zu sein.
Nun trinke ich nicht dauernd Rum, aber ein wenig kenne ich mich doch aus, so dass ich schon von der ersten Geruchsprobe mittelschwer geschockt war -so riecht allenfalls billigster Fusel.
Es war Winter, es war kalt - also einen Grog angesetzt mit schönem braunen Kandis und einem kräftigen Schluck Stroh-Rum, schmeckt aber nicht. Vielleicht nach dem dritten oder vierten Glas, wenn die Geschmacksnerven sowieso völlig betäubt sind und auch Schmierseife ganz manierlich schmecken und schwer-klöterig im Abgang sein würde.

Zweiter Versuch: Feuerzangenbowle nach klassischem Rezept, wegen des hohen Alkoholgehaltes mit etwas weniger Rum, schmeckte auch nicht, weil dieser Rum ein zwar kräftiges, aber unangenehmes Aroma hat, das eben nicht an Rum erinnert.
Diese Erlebnisse könnten erklären, weshalb das hochprozentige 'Getränk' früher in Österreich als eine Art 'Rumersatz' gehandelt wurde, vergleichbar wohl der Margarine als Butterersatz.

Um es klar zu sagen: Für Rum-Freunde ist der Stroh nichts, genauso wie sich Whisky-Freunde selten für Racke-Rauchzart erwärmen können.
Es gibt allerdings eine Alternative zum Stroh-Rum, aus eigener Erfahrung kann ich für Gelegenheiten, die einen hochprozentigen Rum verlangen, den 'Captain Morgan' mit 73% Alkohol empfehlen. Das ist echter, unverschnittener (!) Jamaika-Rum mit gewaltigem Aroma, aber eben echter Rum (Flasche 0,75l kosten knapp DM 50,-).
Allerdings sollte man auch diesen wegen des vielen Alkohols auf Trinkstärke verdünnen, also als Grog oder Feuerzangenbowle genießen. DAS ist dann aber auch ein Genuß, der deutlich macht, weshalb z.B. in Gebäck Rumaroma eingesetzt wird....
Wieder zum Anfang: Nicht als Getränk, als Reinigungsmittel gegen hartnäckige Flecke auf lackierten Flächen oder Kunststoff ist Stroh-Rum hervorragend einsetzbar, reinigt sehr schnell, gründlich und hinterläßt
keine Flecken - aber es gibt wohl preislich interessantere Putzmittel.

Fazit: Das Produkt bitte, so man noch über Geschmacksnerven verfügt, nicht in Lebensmitteln wie z.B. Gebäck einsetzen - selbst dafür ist Aldis Rumverschnitt deutlich besser geeignet. Denn das ist immerhin richtiger Rum aus Melasse (Zuckerrohr), während das hier besprochene
Produkt wohl neben Rum auch noch 'naturidentische Aromen', ich vermute Vanillin, und zudem Farbstoff enthält. 

 

Für die eigene Hausbar wird dieses günstige Büchlein empfohlen:

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Nachdem ich bereits viel Entsetzliches über den Stroh-Rum berichtet habe, der allenfalls als teures Reinigungsmittel, keinesfalls aber als Lebensmittel verwendet werden sollte, hier mal eine Empfehlung für einen hochprozentigen Rum:

Jamaika-Rum wird bekanntermaßen aus vergorener Zuckerrohrmelasse gewonnen, dieses Destillat ist zunächst völlig durchsichtig und farblos.
Die braune Farbe wird durch eine Vermischung mit gelöstem, gebräuntem Zucker erreicht. Der typische Rumgeschmack entsteht durch einen hohen Gehalt an freien Ameisen-, Butter,- Essig- und Kaprinsäuren und deren stark ätherischen Duft.

Im Handel bekommt man für gewöhnlich Rum-Verschnitt, z.B. Hansen, Balle oder auch Aldis Produkte. Da wurden dann verschiedene Rumsorten zusammengekippt, der echte Rum wurde schlicht mit gewöhnlichem Sprit gestreckt oder, wie beim österreichischen ‚Stroh 80’, mit Farb- und Aromastoffen verpanscht. So ähnlich schmeckt’s denn auch :-(

Anders ist das beim Captain Morgan, hier handelt es sich um echten Jamaika-Rum mit 73 % Alkohol. Es gibt ihn auch ‚auf Trinkstärke herabgesetzt’ mit 40 %, ist aber keine so gute Wahl.
Schon beim Öffnen der Flasche wird deutlich : DAS ist Rumaroma, genau so sollte Rum duften, genau aus diesem Grund verwendet man Rumaroma in Gebäck.
Wer einmal Captain Morgan versucht hat und Rum grundsätzlich mag, wird nichts anderes mehr wollen und die Verschnitte vielleicht für Cola-Rum oder Feuerzangenbowle verwenden – aber eigentlich auch das lieber nicht.
Captain Morgan ist sicher nicht zum Pur-Genießen gedacht, dafür sind 73% Alkohol denn doch arg viel, aber nippen sollte man schon mal, um das echte, überraschenderweise gar nicht ‚spritige’ Aroma kennenzulernen.
Im Rum-Grog eingesetzt ist dieser Rum gerade in der kalten Jahreszeit einfach eine Köstlichkeit, um nicht zu sagen: Offenbarung, aber auch hier bitte vorsichtig dosieren, denn in Verbindung mit dem Zucker gibt es schnell einen dicken Schädel...sugar in the morning....
Auch eine Feuerzangenbowle wird wesentlich aromatischer mit diesem echten Rum, und sehr viel teurer als mit dem Verschnitt wird es nicht, weil ja deutlich weniger benötigt wird.
Der gleiche Effekt wird beim beliebten Cola-Rum erzielt, allerdings wäre es doch schade, den edlen Captain mit schnöder Cola zu verpanschen.
Und:
Ein Schuß von diesem Rum in Kuchen oder Gebäck führt dazu, etwa vorhandenes ‚Rum-Aroma’ von Dottore Oetker unverzüglich in die Tonne zu treten, es liegen nämlich geschmacklich Welten dazwischen.
Wenig Freunde finden wird dieses hochprozentige ‚Getränk’ bei den Liebhabern vom inzwischen stark verwässerten Bacardi-Rum (inzwischen ja nur noch 37% Alkohol). Denn diese kubanische Spezialität ist ja eher etwas duft- und geschmacksneutral, um es höflich auszudrücken.
Importiert wird ‚Captain Morgan Black Label 73%’ von der Hamburger Firma Hellwege, eine Flasche mit 0,7 Litern Inhalt kostet um die 50 Mark. Ist sie wert.
 

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Gordons Gin - bald nur noch teures Wasser ?

Seit 1769 gibt es bereits Gordon’s Dry Gin aus London – zumindest laut dem berühmten gelben Etikett, importiert wird er meines Wissens von der Firma Charles Hosie, Hamburg.

Gin ist bekanntlich auch die allgemeine englische Bezeichnung jenes geistigen Getränks, das durch Destillieren von Korn und Wacholderbeeren gewonnen wird – die spezielle Nuancierung des Wacholderduftes ( meine Gebieterin sagt: -gestanks) macht das Besondere aus. Wesentlich ‚wachholderhaltiger’ sind allerdings Genever und Steinhäger.

Hardcore-Ginfans trinken Gin-Fizz, bestehend aus Zucker, Zitrone, Gin und Sodawasser – persönlich nicht so mein Geschmack, da es arg ins bittere abdriftet, vielleicht schmackhafter mit einer edleren Marke als gerade Gordon’s. Noch heftiger bitter schmeckt’s allerdings mit Heinrich, Finsbury oder No-Name-Produkten.
Edel, hier setzt auch schon die Kritik an:
Seit gut 20 Jahren bin ich gelegentlicher Gordon’s – Konsument und seit 20 Jahren hat sich der Preis überhaupt nicht verändert.
Das ist auf den ersten Blick höchst erfreulich, es fragt sich jedoch:
Warum ist der Hersteller sooo großzügig, dass er seit 20 Jahren trotz Geldentwertung und gestiegener Kosten die 0,75 l- Flasche für DM 17,- bis DM 20,- verkauft ? Gibt es doch noch gute Menschen? Habe ich geirrt ?

Die Erklärung ist ganz einfach, wie ich den Aufdrucken alter Flaschen in meinem Keller entnehmen konnte:
Eine 1980 gekaufte Flasche hatte noch 43 % Alkohol, bei den neueren Flaschen waren’s noch 42 %, vor 5 Jahren noch 40 %, heute liegt der Alkoholgehalt noch niedriger.
Das hängt offenkundig mit den psychologischen Preisgrenzen des Einzelhandels zusammen, der den Preis pro Flasche unbedingt unter DM 20, - halten will, einerlei, was die Flasche überhaupt noch enthält.
Seit 1980 hat es bekanntlich viele Erhöhungen der Alkoholsteuern gegeben, zudem stiegen auch die Herstellungskosten – allein des Pycho-Preises wegen wurde Gordon’s also immer weiter verdünnt. Deutlich zu sehen ist das auch im Ausland, wo genau dieser Gin meistens noch mit einem Alkoholgehalt von knapp unter 50 % verkauft wird. Eine ähnliche Verwässerung der Qualität hat auch bei anderen Spirituosen stattgefunden, sehr deutlich zu sehen gerade beim Bacardi-Rum, der früher 43 % Alkohol enthielt, heute gerade noch 37,5% - auch hier dem Anschein nach seit Jahrzehnten ein unveränderter Preis.
So unschön und auch unfair diese Preiserhöhung durch die Hintertür für uns Verbraucher sein mag, praktisch läßt es sich ja dadurch lösen, dass gerade für Mixgetränke einfach die Ginmenge (und damit natürlich auch der Preis) erhöht wird. Denn offen gesagt:
Ich mag ja ein ganzer Kerl sein, aber pur schmeckt er mir nicht, dafür eignen sich allenfalls teurere Sorten. Ich empfehle den Klassiker Gin-Tonic, wobei der Gin hier wirklich von Gordon’s sein sollte ( am besten der im Ausland gekaufte) , das Tonic-Water von der Firma Schweppes und der Zitronensaft aus einer FRISCH gepreßten Zitrone.
Das ganze ist natürlich, Gin- und Chininbedingt, eine doch recht bittere Angelegenheit und damit sicher nichts für Freunde süßer Cocktails. Aber gerade in den Sommermonaten ist diese leichte Bitterkeit recht erfrischend, entfernt ähnlich vielleicht dem beliebten Caipirinha, wenn auch wegen des vielen Sprits leider nichts für die Mittagspause zwischendurch. 

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Exotische Spezialitäten von den Bermudas bis Curacao – der unbefangene Küchenchef denkt da zunächst an zwar fruchtige, aber sehr geistvolle und kalte Genüsse in bunt geschmückten Longdrinkgläsern. Wie Culinaria Karibik eindrucksvoll belegt, gibt es in den sonnigen karibischen Gefilden aber durchaus bemerkenswerte Rezepte und Kompositionen auch hinsichtlich fester Nahrung.

Wer ein schlichtes Kochbuch mit Anleitungen sucht, ist mit diesem teuren Buch aus dem zwischenzeitlich insolventen Könemann-Verlag nicht so gut bedient. Dafür ist es zu umfangreich und hat die einzelnen Rezepte nicht nach Fleisch oder nicht Fleisch, sondern, wie in den anderen Büchern der Culinaria-Serie auch, nach Regionen und Inseln unterteilt.Insoweit ist es auch nur in zweiter Linie ein Nachschlagewerk, in erster Linie zeigt es in wirklich schönen, üppigen Bildern die dortige Landschaft und die Menschen mit ihren Vorlieben wie Hahnenkampf, allerdings auch Zutaten, Früchte und Zubereitungsarten. Die erhofften Getränke kommen auch nicht zu kurz.

Erfreulich finde ich zwar, dass großer Wert auf regionale Echtheit der Rezepte gelegt wurde, zum Teil macht das aber wenig Sinn, weil manche Zutaten in Deutschland gar nicht erhältlich sind. So hört sich das auf Martinique und Guadeloupe übliche Gericht mit kreolischem Seeigel-Rogen zwar prickelnd an, aber woher soll ich karibische Seeigel bekommen ? Oder Kaktusmus des Kadushi auf Curacao ?

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Die karibische Küche ist, vergleicht man beispielsweise mit Culinaria Griechenland, doch wesentlich abwechslungsreicher und bunter als manch’ europäische, das wird aber auch an der Aufteilung in etwa 7000 Inseln liegen – da war die Kommunikation untereinander wohl nicht immer so leicht. Wenig überrascht haben mich angesichts der dort herrschenden Temperaturen die vielen scharfen Gerichte oder solche mit Ananas, bemerkenswerter fand ich hingegen die recht innovativen Nachspeisen wie Kokosmousse mit gebackenen Gemüsebananen.Inselbedingt stellt Fisch natürlich eine Hauptnahrungsquelle dar, allerdings scheinen Fischeintöpfe verbreiteter zu sein als schlicht gebratener oder gar geräucherter Fisch. Tintenfische gibt es natürlich wie in Griechenland auch, und die Zubereitung unterscheidet sich allenfalls marginal – es wird öfter mal Rum als Aromaspender verwendet, auch für Süßspeisen. Hier mal als Beispiel aus St. Lucia ‚Laurels Bananen-Rum-Kuchen:

 2 große, überreife Bananen zerdrücken und mit 4 EL Sauerrahm und 2 EL Rum verrühren. 3 Eier mit 90g Zucker schaumig schlagen, zufügen sowie 250g Mehl und 60g zerlassene Butter einarbeiten. In eine gefettete Kastenform geben, etwa 45 Minuten bei 200 °C backen und dann auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Für den Rumsirup 125 ml Wasser, 4 TL Limettensaft und 125 g Zucker in einem Topf zum Kochen bringen. Die Hitze reduzieren und alles 10 Minuten unter Rühren kochen lassen, bis sich der Zucker auflöst. Topf vom Herd nehmen und 2 EL Rum unterrühren. Den Kuchen mehrmals mit Spießchen oder Gabel einstechen und mit dem Rumsirup tränken.

Ich denke, der Hunger wird’s ‚reintreiben.

Zwischendurch findet sich in Culinaria Karibik immer wieder eine reich bebilderte Warenkunde, so dass bei Einkauf hiesiger Zutaten und Zubereitung wenig schief gehen kann. Die in 460 Seiten aufgeführten Rezepte sind auch nichts für überdrehte 7-Sterne-Gourmetköche, die ein 14-Gänge-Menü mit tiefergelegtem Klippfisch an Muskatblättchen auf Süßkartoffelschnee servieren möchten. Vielmehr macht Culinaria deutlich, dass es weniger auf verwegene Raffinesse ankommt, sondern auf hochwertigste Zutaten, die ‚auf den Punkt’ zubereitet werden. So etwas muss denn auch nicht teuer sein und eignet sich durchaus für Anfänger. Dies ist mehr etwas zum gemütlich durchschmökern und neue Anregungen holen – nichts für Leute auf Diät, auch wenn bekanntlich gesunder Fisch wie Obst und nicht fehlen und Rum eigentlich rein pflanzlich ist ;-) Es ist einfach ein richtig schönes und auch teures Buch, eines für Menschen, die einfach Bücher gerne mögen und sich daran erfreuen können..

Der Verlag Könemann hat großen Wert auf Qualität in wirklich jeder Hinsicht gelegt, was sich auch im Preis von DM 48,- bemerkbar macht, was hochpreisig erscheinen mag, aber wirklich angemessen ist. Offenbar war die Buchserie wohl doch zu billig, denn der Verlag Könemann hat inzwischen seine Tore geschlossen, es gibt nur noch Restbestände der Culinaria-Reihe zu kaufen, u.a. bei amazon.de, Culinaria Karibik habe ich bei Karstadt für DM 20,- ergattern können. Momentan gibt es bei 2001 einen 3er-Pack Culinaria (Deutschland/Italien/Spanien) für DM 69,-, das ist ein Schnäppchen und würde auch als 6-Kilo-Geschenk ordentlich Eindruck schinden. Das Buch verursacht bei längerem Schmökern wegen der schönen Photos durchaus neben Hunger auch Fernweh – selbst wenn manches, was uns zivilisationsmüden Westmenschen stimmungsvoll romantisch erscheinen will, wohl eher mit Mangel und Armut zu tun hat. Andererseits sind viele heutige Gourmet-Speisen, insbesondere aus der italienischen In-Küche, ursprünglich Arme-Leute-Essen gewesen. Jedenfalls ist das 4-Pfund-Werk sein Geld sicher wert gewesen, das Buch macht trotz rosa Buchrücken auch im Angeber-Bücherregal richtig etwas her, ist aber für die Küche doch etwas unhandlich geraten und es wäre bedauerlich, wenn es durch Rumspritzer verunziert würde.

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Jever Pilsener

Normalerweise bevorzuge ich trockenen Wein, zu deftigen Gerichten gehört aber doch eher ein Bier.
Erste Wahl ist für mich das kräftige ‚Pilsner Urquell’ aus der Tschechei, das allerdings mit etwa DM 1,70 pro Halb-Liter-Dose am oberen Ende der Preisskala angesiedelt ist – für den Preis bekomme ich sogar im Bioladen ein Pils (auch lecker !).

Zweite und sehr häufige Wahl aber ist Jever-Pilsener, nicht nur wegen des vergleichsweise niedrigen Preises von rund 1 Mark/0,5 l. Jever ist ein recht herbes Bier, und hinter dieser frischen Herbheit steckt auch ein recht voller Geschmack – manche Biere (z.B. Ratsherrn) sind zwar auf den ersten Schluck auch fast bitter, dann kommt aber nichts mehr ausser dem Gefühl, nun eine dünne Plörre im Mund zu haben.
Das friesische Bier hat einen sehr hohen Hopfengehalt, was durch ein neutrales und weiches Wasser ermöglicht wird – Wasser aus dieser Quelle verwendet die Brauerei wohl schon seit über 100 Jahren.

Überhaupt ist das die Erklärung für die leider kaum noch vorhandenen Geschmacksunterschiede vieler Biersorten:
Denn die Rezepte sind allen bekannt, aber abweichende Wasserqualitäten machen ein Abkupfern unmöglich, weil hartes Wasser nicht mit so großen Mengen Hopfen versetzt werden kann.
Jever verwendet angeblich einen hohen Anteil vom relativ teuren Aromahopfen und nur wenig vom billigen Bitterhopfen, wer’s glaubt... Hopfen wird im friesischen Brauhaus zu Jever allerdings in stark verarbeiteter, pelletinierter Form verwendet, das sind kleine, braune Tabletten. Da Hopfen sehr start mit Pestiziden belegt wird , wurde mir anläßlich einer Brauereibesichtigung auch wortreich erläutert, dass man natürlich den Schadstoffgehalt kontrolliere – von einem Wegkippen des Bieres bei zu hoher Belastung war allerdings keine Rede... Ich habe oben von Bierdosen gesprochen, da werden mich die Flaschen- oder Vom-Fass-Trinker womöglich steinigen.
Man sollte sich aber klarmachen, dass das Bier ja auch in riesigen Stahltanks gärt, dann binnen 30 Minuten in einen 38-Tonner-Diesel mit Metalltank gedrückt wird und von dort aus mittels Schlauch in einem Stahltank unter der Biertheke Platz findet und jetzt als ‚Bier vom Fass’ um Durstige buhlt. Ist wohl eher Glaubenssache, aber Placebos wirken ja auch... Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt und Hopfen sind gemäß deutschem Reinheitsgebot die Zutaten für dieses wirklich erfrischende, hellbraun zischende Bier mit einem Alkoholgehalt von 4,9 %, der Hopfen duftet deutlich.
Allerdings wird es nicht jedem schmecken:
Liebhaber bayrischer Biere wie ‚Thurn und Taxis’ werden es wohl zu herb und kräftig finden. Ähnlich wird es Freunden des aufgrund guten Marketings so erfolgreichen ‚Warsteiner’ ergehen – das ist ja eher geschmacksarm und wird von bösen Zungen gern als ‚Weiberbier’ tituliert, wohl weil Frauen allgemein weniger gern Bier trinken und dann schon eher etwas Mildes bevorzugen.
Wer meint, durch weniger Alkohol seiner Figur Gutes tun zu können, kann auch Jever-light mit 40% weniger Alkohol erwerben, muß allerdings eine deutlich geringere Geschmacksfülle in Kauf nehmen.
Autofahrern rate ich von der alkoholfreien Variante Jever-Fun ab. Ist zwar trinkbar, aber vom typischen Jever-Aroma ist fast alles auf Kosten einer gewissen, nicht frischen Säuerlichkeit verloren gegangen.
Das einzig mir bekannte, in Grenzen trinkbare und genießbare Alkoholfrei-Bier kommt von der Hamburger Holsten-Brauerei – dafür ist deren normales Pils nicht so ein Kracher.

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