Häppchen in Hamburg

Wer nicht selbst kochen mag, kann sich ja hier beköstigen lassen:

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L'Auberge      Internet

Rutschbahn 34    Tel.: 040 / 410 25 32

Französischen Restaurants eilt der Ruf voraus, Miniportionen zu Höllenpreisen zu
servieren. Zumindest hinsichtlich der Preise kann ich hier Entwarnung geben, die
Forderungen sind angemessen. Man sitzt in hellem, aber keinesfalls kaltem Ambiente,
ich habe mich schnell zu hause gefühlt und ein kleines Menü versucht, das den
sommerlichen Temperaturen Rechnung trug. Nach einem 'Méridional amuse bouche'
gab es eine erfrischend kalte provencalische Gurkensuppe mit Krabben, gefolgt von
einem Duett aus Jakobsmuscheln und Gambas auf Basilikum-Ratatouille. Die
Jakobsmuscheln waren wirklich hitverdächtig: Sekundengenau auf den Punkt gegart,
dazu beherzt gewürzt, ohne den Charakter der Muscheln zu erschlagen. Die
zugehörige Soße habe ich bis auf den letzten Nanotropfen aufgenommen, für den
Teller brauchte man keine Geschirrspülmaschine mehr. Der anschließende
Taboulet-Salat von Flusskrebsen mit Pfefferminz-Öl war sehr frisch und duftig,
geschmacklich jedoch, wie bei Salaten nicht unüblich, keine Offenbarung. Als
Hauptgang wurden von einem freundlichen und aufmerksamen Alexandre Jegard
Scheiben vom Lammbraten serviert, zwar durchgegart, aber dennoch bemerkenswert
zart. Die zugehörige Soße bestand aus einer schönen Reduktion und überzeugte
durch kräftiges Aroma, schien mir aber für französische Küchenverhältnisse recht
schwer und deftig. Eine weisse Mousse mit Beerenfrüchten gab's zum Nachtisch, ich
befürchtete eine gewichtige Kalorienbombe, wurde aber angenehm von einer
wunderbar leichten Creme mit sanftem Vanillearoma überrascht. Knapp 30,- Euro habe
ich fürs Menü bezahlt, da bleibt angesichts des hohen Niveaus kein Raum zum Meckern. Zwei Tipps noch: Angesichts der Parkplatzsituation empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln (z.B. U-Bahn bis Hallerstraße). Und als Digestiv sollte es wirklich ein Calvados sein.
 

NI HAO         Internet

Wandsbeker Zollstraße 25 - 29   Tel.  040 - 65 20 888

 Mein Lieblings-Chinese ist NI HAO in Wandsbek. Dieses Restaurant war lange Jahre aufgrund versteckter Lage nur ein Geheimtipp, besonders wegen des immer sehr frischen Gemüses und der liebevollen Tellerdekorationen. Inzwischen ist man umgezogen, hat viel Platz, die Karte deutlich gekürzt und würzt wesentlich deutlicher - da fühlt sich jemand zu höherem berufen.
'Ente mit Ananas' gibt es natürlich wie überall, wird hier aber besonders liebevoll zubereitet und versteht sich mit frischen (!) Ananasstücken, sehr lecker. Tintenfisch wird hübsch geschnitzt, der Red Snapper ist hervorragend. Wenn in der Karte 'scharf' steht, so ist das niemals scherzhaft gemeint. Sehr empfehlenswert und pfeffrig ist aus diesem Bereich das Rinderfilet nach Szechuan-Art. Nicht weniger köstlich das 'Entenfleisch mit frischen Frühlingszwiebeln, roten Zwiebeln und Szechuanpfeffer aus dem Wok' und zudem mit rund 14,- Euro angemessen bepreist. Aber eben nichts für weichborstenzahnbürstende Weicheier mit übersensibler Zunge.
Die Nachspeisen heißen wie bei anderen Chinesen auch, sehen ähnlich aus, sind aber doch filigraner zubereitet, z.B. 'Banane mit Honig' ist nicht gar so sausüß.


Bemerkenswert finde ich die Weinauswahl, der chinesische Chardonnay passt besonders gut zu Fischgerichten. Die Bedienung ist freundlich und professionell, zum Abschluss werden mit einer Würstchenzange warme, lavendelgetränkte Handwaschlappen gereicht und zur Rechnung große Pfefferminzbonbons in Talerform. Ein Besuch lohnt immer, ein Blick auf die Vorspeisenkarte auch!

 

Küchenwerkstatt       Internet

Hans-Henny-Jahnn-Weg 1 (Eingang Hofweg)   Tel.   040 - 22 92 75 88

Wenn es mal ein leckeres Häppchen sein soll, ist man hier, im ehemaligen Mühlenkampener Fährhaus, sehr gut aufgehoben. Ich habe bislang nur mittags dort gespeist und nichts bereut - sehr ambitionierte Küche zu moderaten Preisen. Einmal gab es als Tagesgericht Roastbeef mit Bratkartoffeln, wie Roastbeef mit Bratkartoffeln besser kaum sein kann, zum Nachwerfpreis von 7,50 Euro. Ein Drei-Gänge-Menü kostet mittags 21,- Euro und bietet einen vielversprechenden Ausblick auf die Abendgerichte. Sehr gut kann die Küche mit Kaninchen umgehen, an meiner Roulade war nichts zu trocken und der Kalbsrücken erwies sich als nahezu göttlich. Fisch ist auch gut! Die handgemachten Nudeln sind sehr zu empfehlen und wenn auf der Karte etwas von Chili oder gar 'scharf' steht, ist das auch so gemeint. Kürzlich versuchte ich die Ravioli mit Calamaretti - wirklich ziemlich gut! Gewagt fand ich als Nachtisch die Creme Brulée vom Ziegenfrischkäse - halt mal was anderes, lebte vom Süß-Salzig-Kontrast.

Man sitzt in nett-gepflegtem Ambiente, zwischen den einzelnen Tischen ist nicht übermäßig viel Platz, aber es reicht. Der Service gleicht gelegentliche Tapsigkeit durch große Freundlichkeit locker aus. Wünschenswert wäre eine aktuelle und keine veraltete Speisekarte im Internet und wünschenswert wäre auch, wenn sich auf der Internetseite im Falle einer 'geschlossenen Gesellschaft' ein entsprechender Hinweis fände - kein Gast steht gern vor verschlossener Tür und auch eine 'Taufe' kündigt sich meistens längerfristig an. ;-)

Insgesamt eine klare Empfehlung - die auch der Gault Millau 2008 mit 14 Punkten unterstützt. Aber Geduld mitbringen. Lohnenswert sind auf jeden Fall auch die Kochkurse, die an einigen Sonntagen angeboten werden. Ich habe die 'großen Braten' versucht und bin sehr zufrieden mit Ablauf und Verkostung.

 
Bistro Süllbergterrassen     Internet
Süllbergsterrasse 12     22587 Hamburg  

Der 'Hamburger Schlemmersommer' bietet jedes Jahr  Gelegenheit, Restaurants
auszuprobieren, die man nicht täglich besucht - diesmal also das Bistro
Süllbergterrassen. Aufgerufen war für knapp 30,- Euro dieses Menü, das offenbar dem
Motto 'Quer durch Europa ohne roten Faden' gehorchte:

* Spanische „Tapas“ Variation
o Jamon Serrano mit sphärischen Oliven und Artischocken
o Mallorquinische Sardinen mit Pimento-Pfeffersalsa und Villarieia Ziegenkäse
o Thunfisch in Pfeffermantel auf andalusischem Gemüsesalat
o Gebackene Gambas auf Aioli Mayonnaise und frittiertem Spargel
o Tatar vom Rinderfilet „scharf“ mit geröstetem Weißbrot
o Gazpacho - eiskalt - mit Paprika und Sangrita

* Tortelloni von Steinpilzen auf geschmolzenen Tomaten und Ruccolabutter

* Kalbsrücken mit Aromaten gebraten, zweierlei Pfeffersaucen, Limone und
Strauchtomaten, leichtes Kartoffelpüree und Pfifferlinge

* Toblerone aus Milchschokolade und Vanille auf Erdbeercarpaccio und Gelee von
Zitronengras und Mango


Ganz ausgezeichnet gerieten die Gambas mit der bemerkenswert leichten Knoblauchsoße, ebenso der traumhaft zarte Thunfisch und das doch nicht so scharfe Rindertartar. Der Schinken war OK, an der vergleichsweise groben Gazpacho gab es gleichfalls nichts zu bekritteln, dagegen erinnerte die 'Pimiento-Pfeffersalsa' zu den Sardinen mich sehr an Essigessenz.  'Sphärische Oliven', also solche, die zwar keine sind, aber genau so aussehen und noch stärker so schmecken, waren eine nette Erinnerung an die Molekularkochkünste des Ferran Adria - aber der Spanier bekommt so etwas doch überzeugender hin.
Meine Gebieterin richtete sich nach der Empfehlung des Hauses und bestellte eine Karaffe vom trockenen Roten aus Apulien, sehr lecker! Die Nachbestellung klappte nicht auf Anhieb, in der zweiten Karaffe fand sich nämlich bloß so etwas wie Brickpackungs-Dornfelder. Dem wurde aber nach Reklamation schnell abgeholfen. Wie überhaupt der Service nett und hilfsbereit war (Weinglas mit Fruchtfliege im Überlebenskampf wurde anstandslos ausgetauscht), wenn er auch zuweilen etwas hektisch wirkte.

Die Tortelloni erwiesen sich als aromatischer Sattmacher, ich fand den Gegensatz
muffiger Steinpilz - süß gegrillte Cocktailtomate ziemlich genial. Meine Begleiterin
dagegen mäkelte besserwisserisch, man würde ja gar keinen Steinpilz sehen, schwieg
aber nach einem strengen Ordnungsruf von mir. Gut so. Der als Hauptgericht servierte
Kalbsrücken kam auf den Punkt gegart und wunderbar zart und hätte samt Sößchen
tatsächlich ein 'hervorragend' als Bewertung bekommen, wenn er sauberer pariert
gewesen wäre. Harte Knubbel im Fleisch mag meine Favorita nämlich überhaupt nicht, und damit hat sie recht. Das aus den Zähnen gepulte Zeug sieht dann auf dem Teller ja auch irgendwie eklig aus. Entschädigung wurde uns aber mit dem wunderbar leichten
Schokonachtisch zuteil, das Gelee schmeckte eher nach Ingwer als nach Zitronengras und Mango, aber lecker war's und vielleicht täuschte auch unser Geschmackssinn. Natürlich versöhnte zusätzlich der einfach grandiose Blick vom Süllberg über die Elbe - das ist sicher einer der schönsten Plätze Hamburgs.

 

Tsao Tang im Hotel Atlantic

An der Alster 72     Tel. 040/ 280 041 88   Tel 040 / 866 252 77

Gelegentlich schreit ja der Magen nach einem Besuch beim Billig-Chinesen um die Ecke, schreit nach Ente mit Ananas in roter Zuckersoße. Es gibt glücklicherweise eine edle Art, dem Geschrei Einhalt zu gebieten, nämlich mit einem Besuch bei Tsao Tang im Hotel Atlantic.

Freundlich wird der Gast zu seinem Platz geführt und ist überrascht: Minimalistische Einrichtung, Tische, Stühle, Sofas – alles in Weiß. Nirgendwo findet sich China-Kitsch, nicht einmal einen roten Lampion habe ich entdecken können. Auch die emsigen Kellner gehen beinahe unter, sind sie doch ebenfalls weiß gekleidet, in einen chinesischen Anzug. Um so mehr fallen die offensichtlich von einem Kenner nach Schönheit und Charme ausgewählten Kellnerinnen auf, denn sie tragen strahlend figurbetonte, dunkelrote Kleider. 

Anders als beim Billig-Chinesen stand keine Menage auf dem Tisch, es gab einzelne Porzellanschälchen mit Sojasauce, Sambal-Olek und Fischsoße. Als Vorspeise wurde scharf-saure Peking Suppe serviert, enorm heiß und erfreulicherweise tatsächlich recht scharf. Danach servierte der sehr aufmerksame Service 'Herbströllchen mit Peking Dim Sum', wiederum sehr, sehr heiß. Die Röllchen erinnerten an Mini-Frühlingsrollen, waren teils knusprig, teils weich sowie teils mit Hühnchen und teils mit Schweinefleisch gefüllt und mit den Soßen durchaus ein Genuss. Durchsichtige Fischsoße ist gewöhnungsbedürftig!

Jetzt waren 'Garnelen in chinesischen Gewürzen' an der Reihe – eine Orgie in purem  Salz. Es handelte sich um in Salzkruste frittierte Garnelen. Aber nur ein Körnchen Salz mehr und ich wäre an Salzvergiftung gestorben. Ich hoffe mal, dass der Koch bei seiner Angebeteten landen konnte. Getröstet wurde ich dann mit sehr leckerem und wohlgewürztem Hühnerfilet und Entenfilet, dazu gab es ein Schälchen mit gewürztem Reis. Der Eisbecher zum Nachtisch fiel durch große Frische auf, besonders lecker waren die vielen Früchte, die niemals eine Dose sahen. 

Dieser Chinese bietet eine schöne Weinauswahl zu moderaten Preisen. Ich bestellte eine Flasche  Marques de Riscal 2002, bekam eine aus dem Jahre 2003 und war sehr zufrieden. Verlangt wurden 19,- Euro, das scheint mir angemessen. Den abschließenden Kaffee habe ich dann lieber im Atrium des Atlantic zu mir genommen – sehr zu empfehlen!

Mit dem neuen Test im Mai 2005 war ich weniger zufrieden. Der Service ist offenbar etwas heruntergefahren worden, zwar bietet die Weinkarte jetzt eine Flasche Marques de Riscal des Jahrgangs 2003, serviert wird aber Jahrgang 2004. Immerhin wurde mal nicht der allgegenwärtige Sherry von Sandemann geboten, Hausmarke ist Tio Pepe.
Die scharfe Peking Suppe war nicht scharf, sondern belanglos und mit 6,50 Euro zu teuer. Peking-Ente für eine Person bestand aus nur einem schnell erkaltenden Gang (33,- Euro), Reis und Gemüse mussten extra bestellt und bezahlt werden. Ente in scharfer Sauce war unspektakulär, Reis gab's ebenfalls nicht dazu. Aber man sitzt nett und der warme Schokokuchen zum Nachtisch ist lecker. Die süßen Frühlingsröllchen sind's auch.

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Zwar ist Hamburg gewiss der Nabel der Welt, aber auch anderswo gibt es Leckereien - so ist zum Beispiel die Küche des Spaniers Ferran Adria (El Bulli) durchaus einer Erwähnung wert. Ein kleiner Gogolin-Bericht vom Menü 2006 findet sich hier. Ein weiterer vom El-Bulli-Menü im Juli 2007 hier.

                   

                                                         elBulli 1998-2002, m. CD-ROM

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Landhaus Flottbek

Baron-Voght-Str. 179   Tel .   040 / 82 27 41 0    Internet

Das Landhaus Flottbek - eine feine Adresse, ein liebevoll umgebauter Bauernhof, eine stilvolle Mischung aus rustikal und modern. Man sitzt auf hübschen Holzstühlen, auf diesen aber bemerkenswert unbequem. Der Service ist freundlich und flink, kann aber - logisch - die träge Tranfunzeligkeit der Küche, wenn das Restaurant gut besucht ist, nicht ausgleichen. Geworben wird mit einer 'natürlichen und raffinierten Küche', ich meine aber, dass eher die bodenständigen Gerichte gut gelingen, so war z.B. der Lammrücken ganz ausgezeichnet, die Kokoscreme zum Nachtisch ebenso. Als nachgerade desaströs habe ich dagegen die experimentellen Speisen in Erinnerung: Gekochte Spaghetti mit Linsen und Apfelstücken, auf denen geriebener Parmesan lag. Der Mut des Kochs ist ja aller Ehren wert, allerdings sollte die Endkontrolle einer solch' innovativen Kreation nicht dem Kunden überlassen werden. Ähnlich gut gemeint war sicher das Risotto mit Blaubeeren, etwas besser schmeckte das Zanderfilet auf den viel zu vielen Rote-Beete-Scheiben. Positiv überrascht wurde ich von den Süppchen, einer würzigen Gazpacho und einer fast scharfen Currysuppe mit Gambas. Ich empfehle, eher die Hausmachergerichte zu bestellen, da ist man auf der sicheren Seite. Für einen intimen Plausch ist der große Raum nicht geeignet, man muß sich anbrüllen, wenn's voll ist - dann besser auf die Terrasse, wo im Sommer auch serviert wird. Aber ich werde, offen gesagt, da nicht so bald wieder essen.
 

Calla im Steigenberger Hotel Hamburg

Heiligengeistbrücke 4   Tel .   040 / 36 80 60    Internet

Nur Positives zu berichten gibt es über das Restaurant 'Calla' im Steigenberger-Hotel. Hier wird euro-asiatisch gekocht, allerdings nicht als billiger Modegag, Alfred Schreiber kann das wirklich gut und unaufdringlich. Alle Gerichte sind exakt so, wie sie sein sollten, nur eine Spur raffinierter. Ich habe jetzt einmal dieses Menü versucht:


Savarin von grünem Spargel mit Thunfischtatar, Tomantegelee und Sishimi Tagarashi 

Zanderfilet im Karottensaft mit Kwan Tung, Curryöl, knuspriger Lauch 

Kalbsrücken mit Cashnewnusskruste, Petersilienpüree, Pfifferlinge, Mirinjus mit rotem Chinaessig 

Ziegenfrischkäseterrine mit Aprikosen, Limonen-Szechuanpfeffersorbet, Erdbeer-Ingwersüppchen 

Kostete im Rahmen des 'Hamburger Schlemmersommers 2006' 59,- Euro für zwei (!) Personen. Viel Geld, aber angemessen.
Es fällt mir angesichts immer gleichmäßig hoher Qualität schwer, Einzelheiten hervorzuheben, aber der Kalbsrücken war einfach perfekt. Thunfischtatar schmeckte nicht so speziell, dafür erwies sich das Zanderfilet als Traum - auch wenn der Lauch dazu leider nicht knusprig, sondern labbrig kam. Dieser Ziegenfrischkäse zum Nachtisch ist zwar gerade furchtbar 'in', schmeckte aber wegen der originellen Beigaben trotzdem toll.
Das Personal ist freundlich und versiert, ich fühle mich - obschon Hotelrestaurant in zurückhaltend hanseatischem Design - immer sehr wohl dort und genieße den Fleet-Blick. An der Weinauswahl gibt es nichts zu bekritteln und der Kellner weiß, was zum Essen passt. Später am Abend kann es sehr stimmungsvoll werden, dann ist der Pianist aus der Bar oben zu hören - dort sitzt man überhaupt nett bei einem Kaffee. Insgesamt: Daumen hoch!

 

Zippelhaus

Zippelhaus 3   Tel.: 040 / 30 380 280      Internet

Ein Sherry sollte es sein, und drei Sorten standen zur Auswahl: Sandemann, Sandemann und Sandemann. Ich habe mich lieber für einen frisch gepressten Orangensaft entschieden, der war kalt und lecker, aber mit 4,50 Euro kein Schnäppchen.
Der aufmerksame Kellner brachte sodann das 'Beste von der Wachtel auf Champagnerlinsen und Kräutersalatnest' inklusive Wachtel-Spiegelei. Hübsch anzusehen und auch geschmacklich ganz annehmbar, jedoch nichts Herausragendes. Wenigstens hatte niemand die Wachtel trockengebruzzelt!
Es folgte eine 'Feine Paella von Loup de mer und Gambas aus der Jacobsmuschel'. Das waren winzige Stückchen des genannten Fisches und der Gambas auf etwas Paella-Reis, serviert in einer Muschelhälfte auf körnigem Salz. Wieder hübsch anzusehen, aber geschmacklich eine schulterzuckende Belanglosigkeit. Als wenn Mutti Heringe brät. Wirklich zart auf der Zunge zerging der 'zarte Kalbstafelspitz an Heidespargel a la creme und getrüffeltem Kartoffelsuffle'. Allerdings gelang es dem Koch nicht so recht, Aromen herauszuarbeiten und deutlich zu würzen - am Besten schmeckte mir das kräftige Kartoffelsouffle. Der Spargel, grün und weiß, war nicht so richtig toll, vielleicht aus dem Eisfach?
Als Highlight des Menüs habe ich den Nachtisch empfunden, mir wurde 'geeistes Tiramisu auf Beerenallerlei und Mango-Konfit' serviert. Nun lässt sich mit frischen Brombeeren, Himbeeren und Heidelbeeren auch wenig falsch machen.

Kurz gesagt: Wem es auf filigrane Kochkünste ankommt, der sollte lieber woanders speisen. Zwar wird im Zippelhaus gut gekocht, Schulnote Drei minus, aber eben nicht auf einem den Preisen angemessenen kulinarisch hohen Niveau. Der Gault Millau führt das gar Zippelhaus nicht erst auf, mit Recht.
Wer aber im netten, sehr großzügigen Ambiente einer ehemaligen Druckerei bei flottem und freundlichem Service ein Fläschchen Wein oder ein Bierchen zu sich nehmen möchte, ist wirklich sehr gut aufgehoben. Die schöne Lage am Wasser ist nicht zu verachten.
Zippel = Zwiebel = früher standen hier, direkt am Fleet, die Gemüsespeicher.

  

Atlantic-Restaurant

An der Alster 72 - 79  Telefon 040 / 24 71 29     Internet

Blick auf die Außenalster und hervorragende Küche, was braucht der Mensch mehr?
Das Atlantic-Restaurant ist wirklich schön gelegen, man sitzt gepflegt und gemütlich in freundlicher Atmosphäre. Küchenchef Sven Büttner (vormals im 'Elba') liefert einwandfreie Qualität ab. Wie ich schon im Elba feststellte, liegt ihm die Zubereitung von Fleischgerichten mehr als Fisch. 
Das 'Doradenfilet mit geröstetem Jacobsmuschelbrot auf Escabechegemüse und Bouillabaiseschaum' war zwar auf den Punkt gegart und lecker, aber unspektakulär. Da spielte die 'Tranche vom Kalbsrücken auf Basilikumrisotto mit geschmolzenen Kirschtomaten' mit den fein herausgearbeiteten Aromen doch in einer anderen Liga. Festes, nicht zu weiches Fleisch - bestens.
Unangenehme Erinnerungen an mein Versagen im Chemieunterricht wurden wach, als der Zwischengang serviert wurde: 'Weißes Spargelsüppchen mit Scampi aus dem Reagenzglas'. Aber der Eindruck täuschte, es wurde keine Chemiepampe, sondern eine äußerst frische und gelungene Suppe in dicken Reagenzgläsern (auf Holzständern serviert - mal was anderes und sehr, sehr heiß!) 
Der Nachtisch war eine echte Krönung, es wurde Charlotte von Rhabarber im Baumkuchenmantel serviert, Hut ab! So einen zarten Baumkuchenmantel habe ich noch nirgendwo bekommen. Dazu gab es einen geeisten Erdbeer-Iceshake mit Waldmeisterschaum. Das hört sich nicht so sehr umwerfend an, war es aber. Gern hätte ich davon noch 3-4 Liter mehr bestellt, aber ich wollte nicht dumm auffallen und fühlte mich zudem gesättigt.

Am aufmerksamen Service gibt es nichts zu bemängeln, die Bedienung ist nett, zugewandt und freundlich. Leider wirkten die Mitarbeiter leicht gehetzt. Das waren sie sicher, aber in Häusern dieser Kategorie hätte ich einen Hauch mehr professionelle Abgeklärtheit erwartet: Schließlich sitze ich in einem teuren, personalintensiven Restaurant und nicht an der Bahnhofsbiertheke. Ärgerlich und der hochklassigen Küche gegenüber beleidigend ist, dass geraucht werden darf. Insgesamt lohnt aber ein Besuch!

Update Juli 2006:
Das positive Bild kann nach einem neuen, selbstlosen Test bestätigt werden. Der auf den Punkt bereitete Tafelspitz auf Essiggemüse mit Rosmarinkartoffeln, das Filet vom St. Pierre mit Kakaobohnenkruste auf Frühlingslauchgemüse, die Crème brûlée vom Waldmeister mit Erdbeersalat und Himbeer-Buttermilchreis wie auch die überraschende Weinempfehlung (2005er Rosewein aus Bordeaux) waren in Tateinheit mit dem netten, inzwischen entspannteren Service schlicht und einfach eines: Überzeugend!

Update Juli 2007:

Sven Büttner hat noch eine Schüppe draufgelegt und ich kann von der besten Dorade meines Lebens berichten: Auf den Punkt gegrillt und mutig gewürzt. Ebenfalls keine Wünsche offen ließ das Kalbsrückenfilet auf durchaus pikanter Kokos-Chilipolenta. Der Nachtisch schwächelte ein wenig, denn das geeiste Topfensoufflé erwies sich als doch sehr hart. Ein von mir als 'knallkalt' bestelltes Bier wurde tatsächlich im gewünschten Zustand serviert - ich war hochzufrieden!

Update vom Juli 2008:                  Das Atlantic ist so nett gelegen, der Blick auf die Alster so schön, da wollte ich doch noch einmal die Kochkunst überprüfen und tat das zum Nachwerfpreis von gut 29,- Euro mit diesem Menü: 

*  Schaum von rotem und gelbem Paprika   

*  Variation vom Thunfisch mit Carpaccio, Sashimi im Zitronenpfeffermantel und gebackenem Croustillon auf Koriandercreme

    * Filet vom St.Pierre mit Kakaobohnenkruste auf Mango-Zuckerschotengemüse und Bouillabaiseschaum

    * Rosa gebratener Deichlammrücken auf Gazpachogemüse mit Chorizo-Rucolarisotto und Pestojus

    * Süppchen von weißem Pfirsich und Rosmarin mit geeister Sauerrahm Creme brulee und Himbeerkompott

Um es kurz zu machen: das war das beste Menü, das ich in diesem Jahr bislang bekommen habe – feinste Zutaten auf den Punkt zubereitet. Als Schulnote gebe ich eine 2+ mit starker Tendenz zur 1, weil sich der Nachtisch eher als sehr erfrischend denn als wirklich grandios erwies, denn die geeiste Sauerrahm Creme brulee erinnerte nur an geschmacksfreien Gefrierbrand. Der Lammrücken aber war so zart, dass er manchem Filet den Rang ablaufen könnte und der Fisch eine Offenbarung. Wenn Herr Büttner derart hochklassig weiter kocht, wird er im nächsten Gault Millau locker einen oder zwei Punkte mehr bekommen – verdient! Ein Lob geht ebenfalls an die aufmerksame, gut gelaunte und unaufgeregt präzise arbeitende Servicemannschaft.

   

Jahreszeiten-Grill (im Hotel Vier Jahreszeiten)  Internet

Neuer Jungfernstieg 9 - 14    Telefon 040 / 34 94 33 12

Im Rahmen des 'Hamburger Schlemmersommers' zog es mich, natürlich bei strömendem Hamburger Regen, in den Grill des Hotels Vier Jahreszeiten. Ein freundlicher Kellner befreite mich vom Schirm und geleitete mich samt Begleitung zu den Plätzen. Man sitzt gut, sehr edel, eine deutliche Spur gediegener als im 'Atlantic' - es gab sogar ein schönes, dickes Rückenkissen auf jedem Stuhl.
Vorneweg sollte es ein Sherry sein, Harvey Bristols gab's nicht, aber Sandemanns geht gegen den schlimmsten Durst notfalls auch.

Vorspeise: Entenleberparfait mit Portweingelee auf Carpaccio von Balsamicoäpfeln. Sehr lecker und erwartungsgemäß nicht ganz fettarm. Ich bin eigentlich kein Freund von Gerichten mit Entenleber, weil mir der Geschmack zu streng auf der Zunge klebt - aber in diesem Falle hat der Koch einen vollendeten Genuss gezaubert. Die folgende Tomatenconsomme mit fritiertem Basilikum und Parmesanhippe mundete ebenfalls ausgezeichnet - eine originelle Idee gut umgesetzt. Fruchtig-kräftig-erfrischend.
Zur Entspannung wurde ein Himbeer-Pfirsichsorbet geliefert, was soll ich sagen? Ein langweiliges Himbeer-Pfirsichsorbet eben, keiner besonderen Erwähnung wert, mittlere Mövenpick-Qualität und damit entbehrlich.

Danach bekam ich das beste 'Medaillon vom Rinderfilet' meines Lebens - gleichmäßig rosa, wunderbar zart, wahnsinnig aromatisch unter einer genialen Kräuterkruste. Besser geht es nicht! Das Ganze lag auf Sommergemüse und Merrettichsabayon.
Die Nachspeise (Halbgefrorenes von der Limone im Baumkuchenmantel) ist, wie das schon erwähnte Sorbet, zu vernachlässigen. An den süßen Sachen sollte die Küche noch mal feilen. Oder sich im Atlantic auf der anderen Alsterseite zeigen lassen, wie's geht.

Der Service war aufmerksam und freundlich, wirkte sehr entspannt und professionell. Ich habe mich richtig wohl gefühlt, beinahe wie im eigenen Wohnzimmer. Allerdings darf in meinen Wohnzimmer niemand Zigarren rauchen. Die vorgeschlagenen Weine passten perfekt zum Essen und lebten in moderaten Preisregionen, der Carlos I. war wohltemperiert. Natürlich finden sich auf der Weinkarte auch Schätzchen zu 400,- Euro. Eine Literflasche Mineralwasser San Pellegrino für 9,- Euro und ein Espresso für 3,50 überschreiten allerdings die Grenze zur Abzocke. Unter der Woche wird übrigens Mittagstisch geboten, da kostet ein Drei-Gänge-Menü gut 20,- Euro, das ist günstig.
An der Garderobe holte ich schließlich meinen Regenschirm wieder ab. Gegen Entrichtung einer Gebühr von 1,30 Euro bekam ich ihn. Irgendwie hat mich das seltsam berührt.

Für einen neuen Besuch im Juli 2006 war ich versucht, mir aufgrund der Erfahrung im Vorjahr den Nachtisch in Form von Dosenmandarinen selbst mitzubringen. Ich habe es nicht getan - gut so. Das Ananassorbet auf Granatapfel erwies sich nämlich als Granate geschmacklicher Art, sehr fein, vollmundig und lecker. Ebenso erfreulich gestaltete sich das Löffeln des Schoko-Minzparfait mit den marinierten Erd- und Blaubeeren.
Ich bekam ja anfangs einen mittelschweren Schock und wollte beinahe gehen, als ich auf dem Tisch allen Ernstes einen Pfefferstreuer mit vorgemahlenem Pfeffer vorfand. Aber für die wirklich überzeugende, wunderbar zarte und aromatische 'Terrine vom Parmaschinken mit zweierlei Melone an Rucola' (Vorspeise) kam eine junge Dame mit der Mühle und es gab frischen Pfeffer.
Als Fischgang hatte ich 'Gegrilltes Zanderfilet auf Spargelrisotto und rotem Paprikaschaum'. Kräftiger Paprikageschmack! Das Zanderfilet war wohlgeraten und wies eine Rauchahnung vom Grill auf, das bekam dem knusprigen Stück  gut. Allerdings hätte ich mir ein paar Gräten weniger gewünscht, sollte es doch ein Filet sein. Als großen Genuss habe ich das Spargelrisotto empfunden, nicht zu weich und sehr aromatisch. Der Genuss wäre nur noch zu steigern gewesen, wenn tatsächlich ein Hauch Aroma vom Spargel meine Zunge erreicht hätte. Das 'Steak vom Bio-Kalb auf kleinem Ratatouille mit Rosmarinkartoffeln' sah sehr gut aus, war aber recht ungleichmäßig gegart: Die erste Hälfte hatte der Koch innen schön rosa hinbekommen, die hintere Hälfte vom drei Zentimeter dicken Steak aber hatte er innen roh gelassen, nur die äußeren je knapp zwei Millimeter waren angebräunt. Offenbar ungleichmäßige Hitze auf dem Grill, andere Gäste bemängelten das ebenfalls. Die kräftige Sauce dazu hätte nicht unbedingt ins Süße spielen müssen, war aber OK. Nach dem grandiosen Rinderfilet 2005 empfand ich diesen Gang als herben Rückschritt, sehe jedoch für die Küche noch ordentliches Verbesserungspotential. Und natürlich wäre es auch schön, wenn statt des auf der Karte angebotenen Pinot Grigio 2003 nicht einer von 2005 serviert würde. Ich will aber nicht kleinlich sein, denn der passte gut zum Essen.

  

Wattkorn

Tangstedter Landstrasse 230     Telefon  040 - 520 37 97

Rustikale Einrichtung, Festzeltstimmung und freundliche Bedienung - dazu passend
Roastbeef mit Bratkartoffeln, wie es besser kaum sein kann: Knusprige und
aromatische Kartoffeln, sehr zartes rosa Fleisch und eine gelungene Remoulade. So
beeindruckend sich dieses Gericht auch präsentierte, irgendwie traute ich der Küche
ein 'mehr' nicht zu. Und wurde schnell eines Besseren belehrt. Kürbisvorsüppchen
sowie Gänse- und Entenkeulen mundeten ganz vorzüglich, ebenso der auf den Punkt
gegarte Rotkohl. Die Leute da an Herd und Backofen wissen offensichtlich sehr genau,
was sie da tun, mir bleibt nur ein dickes Lob. Das Ganze wird außerdem zu durchaus
moderaten Preisen angeboten. Einzig den Nachtisch fand nicht recht überzeugend; er
war lecker, jedoch muß es nicht ein Riesenteller Obst und Eis und Mousse und sonst
noch etwas sein, hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Jedenfalls will ich da bald
wieder hin!

Update vom Juni 2008:  Und ich bin wieder da gewesen! Deftige Küche, leicht zubereitet – so könnte man das Motto umschreiben. Ich habe die Rotwildschulter probiert: wunderbar ausgewähltes und zubereitetes Fleisch, als Nachtisch eine hervorragende (und sehr üppig bemessene) Rote Grütze. Bratkartoffeln kann man im Wattkorn auch, es ist eines der ganz wenigen Restaurants, das bodenständige Küche ohne Schickimicki in hoher Qualität zu günstigen Preisen anbietet. Man will schließlich auch mal eine Roulade essen. Empfehlung!

 

Piment

Lehmweg 29,  Telefon 040 / 42 93 77 88

Gut gewürzte Gerichte marokkanisch-französischer Art werden im Eppendorfer Piment geboten. Man sitzt hier beinahe familiär in einem Jugendstilhaus mit Terrasse zur Straße hin.
Vorneweg gab es hausgebackene Minibrötchen mit einer frischen und ganz passablen Möhrenpaste, sodann zwiebelige Mini-Pizzas. Der erste Gang bestand dann aus ‚Frischkäsenougat in Gazpachosud’, ein ob seines Aromareichtums ungewöhnliches Geschmackserlebnis. Frischkäse selbst schmeckt ja nicht nach viel, aber durch die eingearbeiteten kleinen Nüsse hatte man ordentlich zu knubbern.
Sehr kräftig präsentierte sich dann die Hauptspeise namens ‚Marokkanische Rinderfiletspieße auf Gemüse-Cous-Cous-Risotto’. Hervorragende Fleischqualität im Zusammenspiel mit deutlicher Pfefferwürzung – besser geht es kaum. Das Risotto war auch nicht geschmacksarm, allerdings waren die Aromen nicht eben filigran herausgearbeitet. Überhaupt waren sich die Speiseunterlagen (Gazpacho, Risotto etc.) geschmacklich recht ähnlich und salzhaltig.
Als Nachtisch wurde ‚Karamelisiertes Apfeltarte mit Calvadossorbet’ serviert. Ganz lecker, aber keine Offenbarung sternengeschmückter Kochkunst. Michelin hat für das ‚Piment’ einen Stern vergeben, angesichts des Gebotenen so gerade angemessen.
Dafür war der Preis des Menüs mit 55,- Euro für 2 Personen nicht zu hoch gegriffen. Anders bei den Getränken: Wir hatten eine akzeptable spanische Rotweinflasche 'Condado de Haza'  für 58,- Euro. Natürlich wird auch offener Weiß- und Rotwein offeriert, für etwa 5,- bis 10,- Euro das Glas. Allerdings versteht man im Piment unter Glas eine 0,15 l – Pfütze, wodurch die ganze Restauration doch einen zweifelhaften Anstrich bekommt. Umwegrentabilität der unschönen Sorte eben. Zu kräftigen Speisen passt jedoch auch Bier, immerhin wird ‚Radeberger’ aus der Flasche für 3,20 Euro angeboten, dazu sollte man greifen. 
Auch, wenn es kleinlich scheint: Der Koch eines Sterne-Restaurants sollte nicht völlig verschwitzt mit einer Schürze, die buntes Zeugnis von den Schlachtfesten der letzten 3 Tage bietet, im Gastraum erscheinen.
Insgesamt eine ordentliche Küche , allerdings sehe ich trotz zweifelsfrei nobler Lehrherren des Kochs keine Steigerungsmöglichkeit – gutes Handwerk vermag Talent und Kreativität nicht immer zu ersetzen.

Mein Mitesser Sven K. sieht das ein wenig anders: ' Selbstverständlich war es kein Essen auf allerhöchstem Niveau, so dass dein verhaltener Kommentar ja nicht ganz falsch liegt. Einen Condado de Haza als "ganz ordentlich" zu bezeichnen, ist schon mehr als gewagt. Auch wenn man über den Preis streiten kann, ist der Wein doch eine absolute Granate, den du wohl kaum als Dutzendware in deinem Weinkeller rumliegen hast. Das Couscous habe ich als überaus virtuoses Geschmackserlebnis in Erinnerung, im Gegensatz zur faden Modebeilage in anderen Restaurants. Und einen Sternekoch nach nur einmaligem Restaurantbesuch als limitiert zu bezeichnen, ist doch arg pauschal und auch nicht ganz fair. Und: Soll sich der Koch umziehen, bevor er dir unter die Augen tritt?'

  

Tafelhaus

jetzt Neumühlen 17  Tel. 040 / 89 27 60

In vergangenen Zeiten beherbergte das Tafelhaus (jetzt: Das kleine Rote!) in Hamburg Bahrenfeld zunächst ein Friedhofshäuschen, später einen Schnellimbiss für Fernfahrer. Dementsprechend unscheinbar wirkt das Gebäude, deutlicher: Es sieht nach gar nichts aus.
Um so überraschter war ich beim Eintreten. Ich ging durch einen hübschen, von der Strasse aus nicht sichtbaren Garten mit Springbrunnen und vielen Blumen. Zur Sommerzeit sind hier ein paar Tische drapiert und man fühlt sich wie in einer friedlichen Oase, nicht wie mitten in der Stadt.

Alle Innenräumlichkeiten sind hell und modern ausgestattet, meiner Omi würde das weniger zusagen. Die Einrichtung ist in angenehmer Weise spartanisch, die mit ockerfarbenen Kunstwerken geschmückten, gelben Wände harmonieren mit kleinen, leinenfarbenen Stoffkommoden. Ein Blick nach oben offenbart eine gewagte Trägerkonstruktion, die das gesamte Gebäude zusammenhält. Der holzfarben bemalte Stahlträger mit dem Umfang von 5 Eisenbahnschienen zieht sich quer durch das gesamte Deckengewölbe.
Ungewöhnlich erscheint auch die indirekte Beleuchtung. An der Wand hängen grobe, schwarze Schieferplatten mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern. Darüber befindet sich die Glühlampe und als Abdeckung folgt eine weitere Schieferplatte – keine wirklich optimale Lichtausbeute.

Man sitzt bequem auf vernünftigen Stühlen, nicht wie auf eisdielenmäßigen Bistrofolterhockern mit Lehne. 
Der Sommelier ist nett, flink und versteht sein Handwerk. Er empfahl einen Bolgheri 2001 aus der Toskana, der war wie versprochen trocken, sommerlich fruchtig und dabei kein Leichtgewicht. Mit 28,- Euro für eine Flasche war das Tröpfchen nicht zu teuer. Wein wurde auch fast immer fleißig nachgeschenkt, Mineralwasser jedoch fast nie, kostete auch nur 3,50 Euro pro halbem Liter.
Vor dem eigentlichen Essen gab es eine kaltes Gurkensüppchen aus einem Likörglas, das war lecker und deutlich aromatisch, besser als manche gemischtgemüsige Gazpacho. Es folgten zwei Grüße aus der Küche, besonders gut hat mir der Hühnchenspieß auf sehr pikanten Gemüsestreifen mit Käsekräckerchen gefallen.
Die handgeschriebene Speisekarte ist erfreulich klein und weist angemessene Preise aus.
Das Menü ‚Bella Italia’ ( für 2 Personen 55,- Euro) bestand zunächst aus einem ‚Carpaccio vom Kalbsfilet mit Mandelpesto’, also dünn geschnittenem, rohem Fleisch auf einer Art Gemüsebett. Die Filetstreifchen waren wunderbar zart, wenn auch vielleicht eine Spur zu kalt. Beim Mandelpesto wurde nicht mit Basilikum und gerösteten Pinienkernen gespart, insgesamt möchte ich von erfreulich dekadentem Genuss sprechen.
Der folgende Gang bestand aus ‚Maishühnchen mit Calamaretti und leichter Limonensauce’, da fürchtete ich Schlimmes, weil die Kombination Huhn/Fisch durchaus gewagt sein kann. Es wurde aber alles gut, ich bekam die wohl zartesten Tintenfischringe meines Lebens. Dazu eine saftige, knusprige und wohlgewürzte Hühnchenkeule mit einem schier sensationellen Kartoffelmus. 
Ich erwog ernsthaft, meinen dunkelroten Gebetsteppich gen Küche auszurichten, niederzuknien und ‚Danke’ oder auch ‚Da capo’ zu murmeln, da wurde der Nachtisch serviert: ‚Geflämmtes Semi-Fredo mit Erdbeeren’. Das schmeckte doch besser als Pfirsich-Schnitze aus der Dose. Es handelte sich um Erdbeereis mit Sahnehäubchen, behandelt mit einem Miniflammenwerfer, sah sehr hübsch aus. Dazu frische Erdbeeren von feinster Qualität, umrahmt mit wohlgewachsenen Minzeblättchen. Beim besten Willen lässt sich dem Koch ein gewisses Talent nicht absprechen – das sieht man auch beim Gault Millau 2003 so und vergab 3 Kochmützen mit 17 von 20 Punkten. Ich hätte durchaus 18 gegeben. 

Das Tafelhaus im Holstenkamp 71 ist für Genießer und Fast-Food-Feinde eine eindeutige Empfehlung. Der Besucher wähnt sich in der Toskana und kann sich bei sehr freundlichem Service liebevoll bekocht fühlen. 

ACHTUNG: Tafelhaus ist umgezogen ins ehemalige Darling Harbour !!! Im alten Gebäude am Holstenkamp befindet sich jetzt das Kleine Rote - dort wird sehr hochklassig gekocht, allerdings sind auch die Preise sehr selbstbewusst kalkuliert. Das wirklich schöne Ambiente ist unverändert.

Gut gekocht wird im Tafelhaus Neumühlen noch immer, der Elbblick ist toll - aber das Ambiente: Na ja.

Landhaus Scherrer

Elbchaussee 130  Telefon  040 / 880 13 25

Schwellenangst und Angst um den Geldbeutel lassen viele Zeitgenossen einen Bogen um bekannte Gourmet-Tempel machen. Als von Geburt an mit gesunder Arroganz gesegneter Hamburger kenne ich zwar keine Schwellenangst vor dicken Teppichen, wohl aber die begründete Angst um meinen schmalen Geldbeutel.

Hamburg, an der Elbchaussee 130, eine noble Adresse mit Elbblick.
Im Landhaus Scherrer, das bis 1975 der Elbschloss-Brauerei gehörte, wird der Gast freundlich im Vorraum in Empfang genommen und zum Tisch geleitet. Das gestaltet sich alles sehr unkompliziert, man sitzt bequem, ja gemütlich und auch sensible Gemüter verlieren schnell ihre Edelrestaurant-Beklemmungen. Sofern sie nicht in Flicken-Jeans erschienen sind.

Ein etwas altbackenes Ambiente mit wirklich dicken, schallschluckenden Teppichen lässt ein Gefühl aufkommen wie in Omas Wohnzimmer, im positiven Sinne. Eben typischer, pastellfarbener Landhaus-Stil.
Die tolle Akustik hat mich beeindruckt, trotz nicht vorhandener Hintergrundmusik sind Gespräche am Nachbartisch nicht zu verstehen und man muss nicht flüstern.
Möglichen Einfällen, die Einrichtung mit jungen, wilden Edelstahlteilen oder kalten Neonröhren aufzupeppen, hat man wohlweislich widerstanden. Es gibt Kritiker, denen zufolge Architektur und Kochkunst in diesem Hause auf hohem Niveau stagnieren, aber eben stagnieren.

Der Guide Millau 2003 hat diesem Restaurant 17 von 20 Punkten verliehen, wohl zu recht. Der freundliche Service ist aufmerksam, ohne ständig mit ‚Sehr wohl !’ zu nerven, Gläser werden stets zeitig nachgefüllt und niemand muss verdursten.
Die vor der eigentlichen Mahlzeit servierte 3 Sorten Brot waren ganz lecker, die Butter wies allerdings noch eine gewisse Kühlschrankfestigkeit auf. Das Menü selbst wurde dann auf Tellern mit erotischen Motiven serviert, da blitzen blanke Busen. Offenbar sieht sich das Haus Scherrer als Palast sinnenfrohen Lustgewinns.
An der Kochkunst selbst gibt es nichts zu bemäkeln. Seit etwa 27 Jahren auf der Speisekarte, ist die ‚krosse Vierländer Ente mit Spitzkohl, Sellerie und Bergpfeffersauce’ ein Klassiker und einfach grandios. Derart zartes und saftiges Entenfleisch habe ich noch niemals vorher gegessen. Marmeladisierte Rhabarberstücke gab es dazu, das harmonierte ausgezeichnet und gemahnte keinesfalls an die berüchtigte Ente-süß-sauer beim Billig-Kantonesen. 
Formvollendet serviert wurde vom zu Scherzchen (‚Ente ist aus, ich bringe falschen Hasen, der ist von Ostern übrig und muss weg’) aufgelegten Chef Heinz Wehmann selbst. Sämtliche Speisen sind so dekadent dekoriert, dass selbst ein geübter Gourmand die filigranen Kreationen nur ungern mit grober Gabel zerstören mag.

Meine Empfehlung gilt auch dem ‚Dorschmedaillon in einer Senfkruste auf Graupenrisotto mit Sauce amoricaine’, sehr aromatisch und auf den Punkt gegart, besser geht es sicher nicht. Graupen waren in meinem Elternhaus verpönt, denn die gab es wie Steckrüben in der vielzitierten ‚schlechten Zeit’ und munden angeblich nicht. Tun sie aber bei Scherrer doch.
Zartester Fisch und nicht zu milder Senf ergänzen sich einfach traumhaft. Ich wäre sicher ein paar Jahre länger bei meiner lieben Mutti wohnen geblieben, wenn ich derartige Kreationen gelegentlich auf meinem Teller vorgefunden hätte.
Die ‚Spargelnudel und Tagliatelle von Büsumer Krabben mir Bärlauchpesto’ war zwar lecker, aber auch recht gewagt – wäre der noch ziemlich feste Spargel auch nur leicht bitter gewesen, hätte man den ganzen Teller wegkippen müssen. Musste man aber nicht, das Bärlauchpesto war umwerfend aromatisch und hübsch mit einem riesigen Bärlauchblatt garniert. Die Krabben waren arg klein leicht abzuzählen, aber dafür die Nudeln frisch und bissfest.
 

Nachtisch war auch gekonnt, gut gefallen hat mir die ‚Schokoladenvariation mit Tarte, Schokoladen Sorbet und Portweinfrüchten’, auch wenn auf meinem Teller nur eine einzige, halbe Portweinfrucht (Pflaume) zu finden war. Aber Gourmet-Tempel sind eben auch dadurch gekennzeichnet, dass keine Holzfäller-Portionen serviert werden. Eine beinahe schwarze, sehr feine Schokoladenmoussee dürfte auch für solche Menschen ein überragender Genuss sein, denen dunkle Schokolade ansonsten ein Gräuel ist.

Die gebotene Weinauswahl ist groß und edel, da bleiben keine Wünsche offen. 640 Positionen mit etwa 12.000 Flaschen sind für den, der Aldis Wein aus der Brickpackung verabscheut, verfügbar und werden vom fachkundigen Sommelier wie aus dem Bilderbuch kredenzt. Zuweilen gibt es Menü-Angebote inklusive Wein, da ist dann wirklich alles optimal aufeinander abgestimmt und ein echter Genuss.

Freunden der amerikanischen Krimiserie ‚Columbo’ rufe ich einen Satz aus der Folge ‚Wein ist dicker als Blut’ zu: 
Wenn Sie nach dem Preis fragen müssen, ist es für Sie zu teuer!
Unter 100,- Euro ist kaum ein Menü zu bekommen, Getränke natürlich extra. Im Bistro gibt es 3-Gänge-Menüs ab 35,- Euro. Samstags bietet der Patron für 130,- Euro Kochkurse an - die sind nach meiner Erfahrung lehrreich und amüsant.

Überprüfungen im November und Dezember 2006 haben ergeben, dass Herr Wehmann auch nach der Renovierung des Hauses das Kochen nicht verlernt hat - seine Gänsebraten, seine krosse Vierländer Ente, aber auch Rehgeschnetzeltes oder gebackener Fisch gelingen hervorragend - die Abwertung im Gault Millau auf 'nur' 16 Punkte ist für mich nicht nachvollziehbar.

update Juli 2008: ja, sind wir denn hier an der Costa Brava? Nein sind wir nicht, aber es
hat den Anschein als wären Heinz Wehmann samt Mannschaft für ein paar
Lehrstunden bei Ferran Adria zu Gast gewesen. Und sie müssen sich hinter dem
Meister aus Spanien nicht verstecken, haben sie sich doch ausschließlich zu echten
Leckereien inspirieren lassen und Adrias unsäglichen Austernjoghurt jenseits der
Pyrenäen ignoriert. Das Menü im einzelnen:

* Grüße aus der Landhaus Küche: 5 verschiedene Petitessen als Gaumenkitzler
* Gratiniertes Filet vom weißen Heilbutt auf Erbsenpüree mit Melonengemüse und
Lavendelaroma
* Krosser Spanferkelbauch auf gestowten Schneidebohnen, Grenadine Schalotten,
Hopfensauce
* Molekulare Dessert Variation Selektion August mit Nitros, Sorbet von Beerenfrüchten
und Thymianluft

Es gab sogar 6 Küchengrüße, von denen besonders Espuma von Sellerie und der
Lavendelkaviar beeindruckten, mit 'Gaumenkitzler' wurde nicht zu viel versprochen.
Lavendel fand sich auch im zweiten Gang (als Schaum) am wunderbar zarten Heilbutt und das
zugehörige Erbspüree war mehr ein gelungener, unsämiger Erbsenpudding. Für die
gehobene Küche gewagt fand ich den folgenden Spanferkelbauch. So recht wollte mir
diese Kreation nicht in das molekularkücheninspirierte Gesamtmenü passen. Jedoch
gab es an diesem Teller nichts zu kritteln, wunderbar knusprig und aromatisch zerging
der Haps im Mund. Es gab tatsächlich nur einen Haps. Er passte insoweit zur Küche
Ferran Adrias, als der bekanntlich auch versucht, Allerweltszutaten oder verpönte
Gerichte für den verwöhnten Gaumen genießbar zu machen. Der Nachtisch erwies
sich als ungewöhnlich unterhaltsam, am Tisch wurden kleine Leckereien mit rund -195 °C Grad kaltem Stickstoff geeist und serviert. Für mich hat die Küche vom Scherrer damit deutlich bewiesen, dass sie nicht nur perfekt die klassische 'krosse Vierländer Ente', sondern auch Neues und sogar Amüsantes auf hohem Niveau präsentieren kann. Ach ja: € 29.50 hat das Menü oben gekostet.

  

Restaurant 'Das weisse Haus'

 Neumühlen 50,  Telefon 040 / 390 90 16

Seit Tim Mälzer im Fernsehen kocht, sollte man sich dem Restaurant, auch mittags, niemals ohne Reservierung nähern. Und angesichts der Parkplatzsituation auch nicht ohne öffentliche Nahverkehrsmittel. Das kleine Haus ist sehr hübsch, auch hübsch gelegen, man kann die Schiffe auf der Elbe bewundern. Die Elbe selbst allerdings nicht, denn dafür ist die Flutmauer zu hoch.

Ich habe den Mittagstisch versucht:

Man sitzt nett, in zurückhaltend hellem Ambiente, der Service ist freundlich, wenn auch durch die zu knappe Besetzung etwas hektisch. Wenn der Laden, wie meistens, voll besetzt ist, fällt die schlechte Akustik auf - man muss sich wirklich anbrüllen. Die Karte bot einen 2004er Grauburgunder, leider waren die Flaschen schon 'aus' und es konnte nur glasweise bestellt werden. Ich hätte mir zudem gewünscht, dass das auf der Rechnung als 'San Pellegrino' bezeichnete Mineralwasser auch tatsächlich in meinem Glas befunden hätte - darin sprudelte aber nur billige 'Frische Brise' aus der Billletalquelle, Reinbek. 

Die Vorspeise Schweizer Wurstsalat erwies sich als frisch, knackig und lecker, allerdings mit 6,90 Euro doch recht selbstbewusst kalkuliert. Auf den Punkt gebraten kam die üppige Portion Lachsforelle mit Zucchini, Kirschtomaten und Curry-Risotto - Bravo! Und für 8,90 Euro nahezu geschenkt. Sehr schmackhaft und saftig auch die gebratene Maispoularde mit Süßkartoffeln und Trevisiano (8,50), wenngleich die Hühnchenhaut etwas Knusprizität mehr durchaus hätte vertragen können. Insgesamt aber ein dickes Lob an die Küche.

Schön wäre etwas mehr Sorgfalt beim Besteck - an meiner Gabel befand sich  eine nicht unerhebliche Menge roten Paprikas vom Voresser. Angesichts der wirklich ambitionierten Küche sollten solche Patzer nicht vorkommen.

    

Feuervogel

Wandsbeker Chaussee 303   Tel. 040 / 20 11 29

Ich mag eigentlich keine Restaurant-Ketten. Aber eine richtige Kette ist der Feuervogel auch nicht, es gibt nur noch einen zweiten Laden in Lüneburg. Der Feuervogel in Hamburgs Osten, direkt am S-Bahnhof Wandsbeker Chaussee, hat den Charme einer Studentenkneipe. Im Umkreis ist allerdings keine Universität zu sehen, höchstens die Akademie der Bundeswehr.
Man sitzt an dunklen Holztischen auf dunklen Holzstühlen, alles erinnert an ein Bistro. Das gilt auch für die Speisekarte, die sehr umfangreich ausgefallen ist. Hauptsächlich werden Pizzen und Aufläufe, aber auch Steaks und Chicken-Wings angeboten.
Die zumeist polnischen Kellnerinnen sprechen gut deutsch, sind freundlich, flink und gut im Kopfrechnen.
Der Feuervogel hat fast durchgehend geöffnet, morgens gibt es ein üppiges Frühstück, ab 12 Uhr werden preiswerte Gerichte als Mittagstisch angeboten. Abends ist am meisten los, die Happy-Hour mit Cocktails zum halben Preis wird gern genutzt.
Das Publikum ist erfreulich gemischt, es kommen wohl wirklich Studenten, aber auch junge Mütter mit Kindern. Alte, tattrige Omis mit ihren Zivis habe ich auch schon gesehen, trotz der wilden Beat-Klänge im Hintergrund ( da läuft ein Fernseher mit M-TV).
Gelegentlich habe ich dort für weniger als 4 Euro gefrühstückt, der Kaffee ist sehr stark und das Büfett ganz nett. Nichts besonderes.
Mittags habe ich schon Pizzen versucht, von denen rate ich ab. Der Teig ist seltsam trocken, der Belag ziemlich würzfrei. Genießbar ist höchstens die Pizza ‚Calzone’, da überdeckt die sabschige Auflage den drögen Boden. Zu empfehlen sind die Aufläufe, im Feuervogel werden dafür ausgezeichnete Kartoffeln und anderes frisches (!) Gemüse verwendet, ab 5,- Euro ist man dabei. Wer es scharf mag, soll die Chicken-Wings nehmen, die sind wirklich feurig-würzig.
Als Nachtisch empfehle ich die Pfannkuchen, da ist der Koch ein Meister. Mit Preiselbeeren Eis und Sahne sind die Dinger ein echter Genuss und schmecken wie bei Oma.
Zu den Getränken: Der Kaffee ist gut, Espresso und Capuccino mäßig wie aus der Tüte. Die Cocktails sind in Ordnung, aber keine Offenbarung. Ungewöhnlich ist die Bierauswahl, es gibt sogar Weizenbier (Franziskaner) vom Fass, das hat man im Norden Deutschlands selten. Schmeckt sehr frisch und süffig.
Wein wird im Feuervogel selten getrunken, es gibt auch nur wenige, einfache Sorten. Meine letzte Bestellung werde ich nicht vergessen, ein trockener Rotwein sollte es sein. Was kam, wurde zwar Dornfelder genannt, war aber schon Essig. Umgekippt zu einer bitter-sauren Unerträglichkeit. Ich rate dringend ab !
Am besten ist diese Kneipe geeignet, wenn man mit sich Freunden bei ein paar Bierchen treffen und angeregt unterhalten möchte, dafür ist es eine angenehme Atmosphäre.
Nebenan hat der Feuervogel unter gleichem Namen eine Eisdiele eröffnet und sich die Einrichtung einiges kosten lassen. Man sitzt recht gemütlich, viele Gäste setzen sich nach draußen, wie in der Kneipe auch. Ich finde das eigenartig, denn die Wandsbeker Chaussee ist eine insgesamt sechsspurige Hauptverkehrsader, da würde ich mich nicht so gern an den Rand setzen. Ist wohl wirklich Geschmackssache.
Das Eis mundet zwar, ist aber von üblicher Qualität. Beim Spaghetti-Eis schmeckt die Erdbeersauce zu zuckrig, Eis & Heiß (Vanilleeis mit heißen Himbeeren) wird vorschriftsmäßig serviert. Leider versucht man wohl, die Kosten der Einrichtung schon nach 3 Monaten hereinzubekommen, denn es wurde am Personal gespart, man wartet recht lang. 
Und die Preise sind gesalzen, für einen nicht so tollen Eiskaffee werden 3,70 Euro verlangt. Das lässt sich auch durch den Blick auf die dröhnende Wandsbeker Chaussee kaum rechtfertigen. 
 

Waldhaus Reinbek

Loddenallee  Tel. 040 - 727520

Hier mal ein kurzer Tipp für den Speckgürtel Hamburgs: Das Waldhaus Reinbek.
Es handelt sich um ein sehr gepflegtes Hotel-Restaurant, wohlsituierte Hamburger und Reinbeker lassen hier gern ihre Hochzeitsfeierlichkeiten ausrichten.
Man sitzt gediegen ohne Schicki-Micki-Anstrich und kann den flinken, jedoch nicht immer ganz aufmerksamen Service genießen. 
Eine besondere Spezialität sind Wildgerichte, ich empfehle das Hasenrückenfilet an Pfifferlingen. Was sich so bäuerlich anhört, ist wirklich ein bemerkenswerter Hochgenuss !
Nicht zu verachten ist auch das gebratene Meeräschenfilet, am besten gefolgt vom erfrischenden, mit Prosecco aufgegossenen Holunderblütensorbet.
Versucht habe ich auch die 'Gebratene Barbarieentenbrust in Lavendelblütenjus auf Lauchgemüse mit Risoleekartoffeln'. Die Kartoffeln (eine Art ganze Bratkartoffel) waren köstlich, Blütenjus auch. Entenbrust habe ich durchaus schon knuspriger und zarter gegessen - ein Wehmann (Scherrer) ist der Koch nicht. Aber Kräuterschaumsuppe kann er !
Die Weinauswahl ist akzeptabel, die Wasserauswahl nicht. Es gab nur 'Gerolsteiner' Mineralwasser, das ist mir zu salzig. Und 'Perrier' war gerade aus.
Insgesamt bietet das Restaurant ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, man fühlt sich wohl. Wenn jetzt noch der Kellner immer genau wüsste, was er gerade serviert und regelmäßig Getränke nachschenken würde, wäre es richtig toll.
 

Lukullion in Wandsbek

Walddörferstr. 49    Tel. 040 - 6 5213 78

Ein überaus guter Ruf eilt dem ‚Lukullion’ in Hamburg-Wandsbek voraus. Das Restaurant macht auch einen ordentlichen und gepflegten Eindruck, es ist keinesfalls ein ‚Billig-Grieche’.
Angesichts hoher Besucherzahlen auch unter der Woche empfiehlt sich eine Reservierung.

Im Restaurant selbst sitzt man dann auf eher unbequemen Stühlen oder Bänken, die Stühle haben vorne Leisten zwischen den Beinen, so dass man nicht die Füße darunter bekommt. Ziemlich bald kommt ein Kellner angehuscht und fragt nach Getränkewünschen. Der Bitte nach einer Getränkekarte wird dann eher überrascht und zögerlich nachgekommen, als würde erwartet, dass jeder Gast die Karte auswendig kennt.
Umso schneller wurde dann mein schwach gekühltes, alkoholfreies Bier in einem zünftigen, großen Rotweinglas serviert, sehr stilvoll.
Die Speisekarte selbst ist dann sehr umfänglich, was nicht unbedingt für die Qualität der Küche spricht, denn eine solche Auswahl lässt sich nur unter Verwendung von Fertigprodukten bewältigen. Bestellt habe ich dann ein mit Schafskäse gefülltes Schweinefilet, das auch in angemessener Zeit auf den Tisch gebracht wurde.
Es war eine ordentliche Portion, auf dem Teller lag noch eine Folienkartoffel mit Quark sowie ein Salatblatt mit einem leckeren Tomatenmatsch.
Das Schweinefilet erwies sich erwartungsgemäß als zart, war geschmacklich aber kein Highlight, einfach zu schwach gewürzt und fade, was auch durch den zu milden Käse (Kuh ?) im Inneren und den durchaus würzigen Tomatenmatsch nicht gerettet wurde.
Vorweg gab es knarztrockenes und gleichsam ungenießbares Sesambrot ohne Tunke – das sollte wohl den Getränkekonsum ankurbeln. Kenner werden das original griechische Mineralwasser zu schätzen wissen, auch wenn es mit einem leicht muffigen Zitronenschnitz serviert wird. 
Zumindest die Weinauswahl ist in Ordnung, als ‚trocken’ bezeichnete Weine sind wirklich trocken bis angenehm fruchtig. Bavaria-Bier vom Fass sollte es laut Karte geben, gab es aber nicht, statt dessen immerhin König-Pilsener.

Um sich zum Nasepudern zu begeben, versuchte sich mein Tischnachbar in Gegenwart eines Kellners vom Stuhl zu erheben, was angesichts eines wohl vom Vorbesucher aufgeklebten, gut durchgekauten Kaugummis nur mit Zeitverzug und verschmutzt-klebriger Hose gelang.
Ohne Entschuldigung wurde der Stuhl vom Kellner ausgetauscht, begleitet von den Worten ‚Na, das sind uns ja die liebsten!’
Auch vom Essen war der Tischnachbar nicht so sehr begeistert, zwar wurde sein Souvlaki praktischerweise ohne Spieß serviert, aber das Fleisch war arg trocken und wäre ohne ein zusätzlich bestelltes Zaziki kaum zu genießen gewesen. Ähnliches galt für das ansonsten durchaus akzeptable Gyros einer Mitesserin.
Trost spendete allein ein Glas kostenfreier Ouzo zwischendurch... 

Überhaupt ist die Beilagenregelung ungewöhnlich, Standard ist ein Klecks tomatisierter Reis. Wer den nicht mag, kann noch zwischen Folienkartoffeln und dicken Bohnen wählen, Pommes Frites gibt es nicht.
Nach dem Hauptgang bat ich, mir zwecks Nachspeisenbestellung noch einmal die Karte zu geben, ein Wunsch, der nach kaum einer halben Stunde erfüllt wurde. Ich orderte ein Crepe Suzette – das war lecker, wenn auch recht klein geraten und mit knapp 6 Euro sehr teuer und eines Gourmet-Tempels allemal würdig.

Überhaupt scheinen mir die Preise im Lukullion zu hoch, mein Schweinefilet mit Quark-Kartoffel kostete knapp 13,- Euro, angesichts der mittelmäßigen Qualität nicht gerade ein Schnäppchen.
Gut – dazu gab es einen kleinen Salat, aber der bestand nur aus ein paar Blättchen Eisbergsalat, zwei Zwiebelschnitzern, einer Vierteltomate und etwas Dressing, wahrlich keine Offenbarung griechischer Kochkunst.
Um es kurz zu machen: 
Das Lukullion ist ein ganz gemütliches 08/15 - Restaurant der unteren Mittelklasse mit der typischen ‚Alexis-Sorbas’- und ‚Ich-bin-ein-Mädchen-von Piräus’-Musik bei überhöhten Preisen. Die Geschäftsidee beruht wohl auf der sich leider erfüllenden Hoffnung, dass der Gast angesichts hoher Preise a priori an gute Qualität glaubt. 
Hamburg hat jedoch viele griechische Restaurants, die qualitativ nicht schlechter sind – aber preislich moderater. Die Ursache für den weithin guten Ruf des Hauses hat sich mir nicht erschlossen und ich werde auch nicht weiter danach suchen.

Bessere 'Griechen' in der Gegend: Mykonos in der Strasse 'Roßberg' (Hamm) und Jannis in der Walddörfer Strasse/ Ecke Holzmühlenweg.

 

El Pulpo in Wandsbek:

Wandsbeker Zollstr. 25-29   (0 40) 68 06 25

Spaniens Gitarren....
        ...sind deutlich zu vernehmen, wenn man sich zum Speisen bei El Pulpo in der Wandsbeker Zollstrasse in Hamburg einfindet. Allerdings werden diese Gitarren zumeist von den 'Gipsy Kings' gezupft, welche eigentlich aus Frankreich stammen, und die Küche ist wohl eher portugiesisch als spanisch angehaucht.

Auffällig ist zunächst eine üppige Fischtheke, die durchaus an solche der kanarischen Inseln erinnert - alles sehr frisch und auf Eis, gewissermaßen eine Speisekarte in Naturalien. Überhaupt ist die reale Speisekarte - nicht überraschend - sehr fisch- und meeresfrüchtelastig. Manche Gerichte, wie Schwertfisch in Bananensauce, erinnern denn auch eher an die kanarische Küche...
Man sitzt gepflegt und nicht unbedingt bequem an recht massiven Eichentischen, schnell kommt der Kellner angesprungen und überreicht die Speisekarten. 
Oh, sehe ich, es gibt Schwertmuscheln als Vorspeise für 11 Euro - aber leider, wird mir bedeutet, seien die gerade nicht vorrätig, weil der Chef nur das beste kaufe und die Ware nicht so toll gewesen sei.... weil der Kellner so treuherzig guckt, glaube ich ihm sofort. ;-)
Nun denn, also neuseeländische Grünschalmuscheln in Tomaten-Zwiebelsauce als Vorspeise, ist vorrätig und tatsächlich sehr lecker. Und kostet nur 6 Euro.

Vorneweg werden (kostenfrei) Brot sowie immer ein paar Tiefseegarnelen mit einer gelungenen Knoblauchsoße serviert, nette Geste.
Als Hauptgericht wählte ich Seeteufelfilets in Pfeffersauce mit Gemüse für 15 Euro, das war sehr frisch und lecker und das Gemüse war nicht totgekocht !
Sämtliche Gerichte bereiten die wendigen Köche auf dem Holzkohlegrill zu - die Speisen sind 'auf den Punkt' gegart und die Sauce trennt sich nicht in Wasser und feste Bestandteile.
Und: Filet ist wirklich Filet, ich musste nicht auf Gräten herumknubbern. Satt wurde ich auch.
Mein Mit-Esser wählte einen Eintopf aus Fisch und Meeresfrüchten und zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden hinsichtlich Frische und Geschmack. Allerdings hatte er mit Hummerzange und ähnlichem doch ziemlich zu kämpfen und schien mir mein Filet zu neiden ;-)

Nachtisch gibt's auch, ich entschied mich, wenn schon beim Spanier, für einen Flan. Der war lecker, nicht zu süß oder labberig, und badete in einer Karamellsauce. Billige Sprühsahne aus der Dose mit Vanillingeschmack war jedoch überflüssig und geschmacklich daneben bis desaströs.

Die Weinauswahl ist klein und sehr spanisch, wir entschieden uns für einen bewährten weißen Marques de Riscal aus dem Jahre 1999 für € 18,- die Flasche - ein sehr gefälliges Tröpfchen und für diesen Preis im Restaurant in Ordnung.
Die Aufmerksamkeit des etwas hektischen Personals war nicht ganz so, wie ich mir das erträume:
Wein mussten wir uns schon selbst nachschenken, und es dauerte 20 Minuten, bis wir jemanden auf unseren Zahlungswunsch aufmerksam machen konnten. Antwort: Kollege ist zuständig - und der kam dann tatsächlich nach weiteren 20 Minuten, obwohl die Restauration nicht einmal zur Hälfte besetzt war.

Wir sind dann insgesamt mit einer Rechnung von € 65,- für 2 Personen, inkl. Wein, Vorspeise und Nachtisch nach hause gegangen, das ist angesichts der Qualität der Küche angemessen.
Montags bis Freitags gibt es preiswerten Mittagstisch, habe ich aber nur hinsichtlich der Tintenfischgerichte (Spieß) probiert - für 6 Euro einfach bestens!

Im April 2005 - nach der Renovierung - habe ich noch einen selbstlosen Test unternommen. Der Service hat sich ein wenig, die Küche deutlich verbessert. Ein besonderes Lob kommt dem Seezungenfilet in Mandelsauce zu, der Crema Katalana auch. Der Wein Marques de Riscal war jetzt nur noch vom jungen Jahrgang 2004 zu haben, aber durchaus geniessbar. Ich hätte es schöner gefunden, wenn der - durchaus begabte - Hausmusikant eine Spur leiser aufgespielt hätte.

El Pulpo hat auch eine Niederlassung in Berlin, die heißt dort 'La Sepia' in der Marburger Str. 2 und ist sicher auch nichts für Hungrige, die keinen Fisch oder ähnliches Meeresgetier mögen.

Wer die spanische Küche lieber deftiger und rustikaler mag, sollte das Restaurant 'Madrid' aufsuchen (Grindelberg 69). Liebhabern besonders edler spanischer Genüsse sei das Portomarin (Dorotheenstr. 180) wärmstens empfohlen. Aber bitte rechtzeitig reservieren! Einen sehr schönen Pesquera gibt's da! :-)

 

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Cafe Andersen in Wandsbek:

Wandsbeker Marktstr. 153   (0 40) 6 89 46 40

 

Schon als Kind lernte ich, auswärts zu essenden Kuchen oder in Konditoreien erworbene Stücke von ganzem Herzen zu verabscheuen. Die Produkte waren meistens zu trocken, viel zu süß und Sahnestücke zeichneten sich durch eine zähschleimig-mehlige Konsistenz aus, die noch jeden vielleicht vorhandenen Ansatz von Wohlgeschmack übertünchte.
Daher verweigerte ich jahrelang den Konsum von ‚gekauftem’ Kuchen und akzeptierte trotz wohlmeinender Ratschläge ausschließlich Selbstgebackenes.

Eines Tages schleifte mich meine Angebetete, trotz meines lautstarken Protests, in das Cafe Andersen in der Wandsbeker Chaussee. Ich plärrte etwas herum und drohte mit langfristigem Liebesentzug, als sie mir dann auch noch nahe legte, diese angeblich ‚köstlichen Mohrenköpfe’ , ‚umwerfenden Saschas’ oder ‚superleichten Sahne-Omeletts’ zu ordern.
Und gerade Mohrenköpfe hasste ich nun wirklich:
Da bekommt man normalerweise eine viel zu süße, mit billiger Schokolade umhüllte Kugel, bestehend aus einem überzuckertem Trockenteig, der im Mund immer mehr wird. Gefüllt ist das ganze dann mit einem Pudding-Surrogat, der jedem Genießer angesichts gelatinebedingter Geschmacksarmut und Sämigkeit die Schuhe auszieht.

Ich sehe mich jedoch als Frauenversteher und bestellte dann also doch wie gewünscht, wobei mich die ziemlich gesalzenen Preise und der etwas schläfrige Service nicht so ansprachen....

Aber:
Der dann servierte Kaffee war wirklich ausgezeichnet, heiß und kräftig, und die Kuchenstücke sahen zumindest ganz manierlich aus. Ich griff nahm mir dann einen Mohrenkopf (Kaffee angstvoll in Griffweite), biss mit sehr, sehr langen Zähnen hinein und war doch ehrlich überrascht: Richtig lecker ! Außen dunkle Schokolade von guter Qualität, die Kugel selbst aus einem leichten Biskuitteig, die Füllung aus einem echten, handgekochten und nicht zu süßen Vanillepudding (mit Vanillestücken ! NICHT Dr. Oetker !) – der beste Mohrenkopf meines Lebens ! Eine Offenbarung !
Andersen nennt die Dinger ‚Othello’, während die mit weißem Guss ‚Desdemona’ heißen.
Selbst die Mohrenköpfe von LeNotre (gibt’s z.B. im Berliner KADEWE) sind gegen Andersens Kugeln feuchter Lehm.

Ähnlich positiv das Erlebnis mit den Saschas, die bestehen aus einer Marzipanunterlage, darauf befindet sich eine herbe Mocca-Canaschcreme und das ganze ist überzogen mit heller oder dunkler Kuvertüre – einfach göttlich. Gleiches gilt auch für die Sahne-Omeletts (Biskuitteig mit Sahne und Preiselbeeren oder Erdbeeren) – die schmecken trotz der vielen Sahne derart leicht, dass man die vielen Kalorien einfach vergisst.

Die Zutaten sind wirklich vom Feinsten, ich habe das überprüft. Andersen bot nämlich zu einem stolzen Preis einen ‚Pralinenkurs’ an, da habe ich mir natürlich jede Ecke der sehr sauberen Küche / Backstube angesehen:
Es gab ‚nur’ Grundzutaten, also Butter (keine Margarine), Sahne, Milch, Mehl und frische Früchte / Nüsse – keinerlei chemische Zusatzstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder andere Fürchterlichkeiten, die ungesund wären oder den Geschmack verfälschen könnten.
Teure Tahiti-Vanille ( ca. €  400,- / kg) habe ich gesehen, weil Herr Andersen die billige Bourbon-Vanille für zu geschmacksarm hält.... ähnliches galt für Kakao, Schokolade, Kuvertüre und Nougat. Vom Pudding über Pralinen bis zum Speiseeis wird alles ‚per Hand’ hergestellt – so sollte es sein und daran gemessen ist Cafe Andersen auch nicht zu teuer.

Insgesamt sind alle Produkte, die mit Milch/Sahne zu tun haben, einfach von einsamer Spitzenqualität, etwas besseres gibt es wohl zumindest in Hamburg nicht. Andere Gebäcksorten wie Kopenhagener oder auch Brötchen ( Ausnahme: Haferbrötchen) finde ich nicht sooo umwerfend, die sind auch teuer, aber nicht herausragend – Geschmackssache.

                                                                               http://www.cafe-andersen.de/

Cafe Andersen hat fast ausschließlich Stammkundschaft. Das liegt an den Preisen und daran, dass eben viele Produkte für den Markt so tot sind wie für mich vormals die Mohrenköpfe. Wer zweimal abschreckendes Erlebnis hatte, wird sich nur schwer zu einem dritten Versuch überreden lassen – ich empfehle es dennoch ausdrücklich.
In der Wandsbeker Hauptfiliale sitzt man nett im ersten Stock und hat einen hübschen Blick bis zum Wandsbeker Rathaus. Das Ambiente ist eher mittelprächtig bis altbacken, mithin fühlen sich von dem Laden auch eher Damen im gesetzten Alter denn junge Wilde angesprochen. Es gibt in Hamburg noch 7 weitere Filialen, die alle vom Haupthaus beliefert werden, dort geht es zuweilen etwas trendiger zu.
Informationen, auch zum Lieferservice, gibt es unter www.andersen-hh.de.

Es hat sich also, zumindest in diesem Einzelfall, doch gelohnt, auf die Angebetete zu hören, und jetzt gehe ich sofort zu Andersen und hole mir eines von diesen köstlichen Nusstortenstückchen mit edlem Marzipan... und etwas von der hauseigenen Jahrgangs-Schokolade... und vielleicht noch von der begnadeten Konfitüre ....und... ;-)

Im Mai und Juni 2006 musste ich indigniert feststellen, dass sich offenbar jemand an den Mohrenköpfen versucht, der vom Temperieren wenig versteht - die Schokoschicht ist viel zu dick und klebrig. Ich habe mich schon bei Frau Andersen beschwert, die unter Hinweis auf die schwierige Herstellung Besserung gelobte - die ist aber bislang leider noch nicht eingetreten. :-((

So, es scheint doch zu klappen, ich habe im Juli 2006 wieder einwandfreie Mohrenköpfe bekommen, leckerleckerlecker!! :-) ... und, wie ich gerade im Dezember 2006 feststelle, gibt es hervorragenden Baumkuchen.

 
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Zu Pommes gehört Ketchup...

Als ich noch ganz klein war, hat mir mein Opa immer gern Kriegsgeschichten erzählt. Von den Ardennen, von den Schützengräben, von Verdun. Besonders ausführlich und energisch wurden seine Erzählungen, wenn ich den ekligen Spinat nicht essen mochte, der auf den Tisch kam. Wie es sich eigentlich gehört hätte. Hör mal, sagte er dann beispielsweise, damals im Schützengraben wären wir froh gewesen, wenn wir derart leckeren Spinat gehabt hätten.
Mmmmmmmh, machte er und aß einen großen Löffel voll.

Mittlerweile habe ich ein Alter erreicht, in dem ich selbst meine Enkel mit grausligen Kriegsgeschichten erfreuen und zum Essen zwingen könnte – aber ich habe keine Enkel und war auch nie im Krieg.
Aber ich habe dereinst, 1979, im Gewürzwerk Hermann Laue geschuftet. Das befand sich damals noch im Hamburger Schanzenviertel und beschäftigte gern gelegentlich jemanden wie mich als Aushilfspacker für Gewürze (DM 8,- / Stunde, 35-Stunden Woche!)

Mithilfe eines Bollerwagens transportierte ich schon mal Currysäcke von einem Gebäudeteil in einen anderen. Das war nicht leicht, weil die Räder des Wagens ziemlich am Betonboden klebten, ebenso wie meine Schuhe. Klebstoff war eine wirklich zentimeterdicke Schicht aus – Zucker.
Diese Schicht ließ sich auch nie wieder von den Schuhsohlen entfernen. Und ich lernte bei dieser Gelegenheit von Kollegen aus der Ketchup-Einheit, woraus der leckere Curry-Ketchup in erster Linie besteht: Aus Zucker.
Eine frische Tomate hat diese Soße nie gesehen, sie besteht neben wohl aus Konzentrat gewonnenem Tomatensaft fast nur aus Trockenstoffen. Damals wurden die zugegebenen Gewürze sofort nach Anlieferung im Labor auf eventuelle Schadstoffe geprüft, allerdings weit vor der Endfertigung. Ich hoffe, dass sich das zwischenzeitlich geändert hat, denn Sinn macht so ein Test ja nur beim verkaufsfertigen Produkt, nicht schon bei der noch durch viele Hände gehenden Rohware. Aber das Labor war sowieso mehr für Konkurrenzprodukte da, man wollte schliesslich wissen, was die anderen denn so zusammenpanschen und gut verkaufen.

Trotz allem: Zu bestimmten Gerichten, wenn man denn Currywurst und Pommes Frites wirklich so nennen will, ist Hela Gewürzketchup die beste Wahl, am besten noch in leicht erhitzter Form. Noch aromatischer: Ketchup in eine Tasse geben, ordentlich Currypulver und Cayennepfeffer dazu, umrühren, in der Mikrowelle erhitzen und erst dann über die Wurst damit. So soll Curryketchup schmecken !

Mit gut 2 Euro ist diese hohe Kunststoffflasche nicht gerade günstig, es gibt aber kein vergleichbares Produkt. Sicher, Kühne stellt etwas ähnliches her, aber der Ketchup ist genauso zuckrig und viel zu flüssig. Helas Ketchup überzeugt hingegen mit einer bräsigen Sämigkeit und durchfeuchtet betroffene Pommes nicht gar zu schnell.
Zwar steht etwas von ‚scharf’ auf der Packung, in Wirklichkeit ist das so ernst nicht zu nehmen. Auf der neuen Flasche steht gar ‚Jetzt noch schärfer’, aber eigentlich ist die Zuckerbrühe nur ein wenig pikant.

Nicht jeder braucht gleich 800 Gramm Ketchup, und so bietet Hela auch eine nur halb so hohe Flasche an, jedoch nur um ein paar lächerliche Cent billiger, der Kauf lohnt nicht. Zumal dank Sterilisierung und Zucker auch nach Öffnung eine ungekühlte Haltbarkeit von einem Jahr gegeben ist – habe ich in einem Selbsttest herausgefunden. Länger halten die ‚Konsistenzstabilisatoren’ (das stand früher auf der Packung) jedoch nicht, dann wird es wässerig.

Nicht zu allem passt dieser Curry-Gewürzketchup. Beispielsweise werden Gerichte vom Grill von ‚Zucker und Dextrose’ einfach erschlagen und verlieren jeden Eigengeschmack. Da empfehle ich, wenn schon so ein Fertigprodukt, eher den ‚Hot Ketchup’ von der Firma Heinz, der ist nicht nur ordentlich peppig, sondern hatte auch schon mal mit einer echten Tomate zu tun.
Oder den Bio-Ketchup des Herstellers Bruno Fischer: Geschmacklich zwar wahrlich keine tomatige Offenbarung, aber zur Erbauung befindet sich auf jeder Flasche ein Bibelspruch.
‚Super auch zum Kochen!’ preist (der inzwischen verstorbene) Hermann Laue seine Soße an. Davor kann ich nur warnen es sei denn, jemand schätzt ein Essen, das nur nach Hela schmeckt und keine andere Geschmacksnote zulässt. Aber der könnte dann auch gleich den Ketchup pur löffeln, genügend Kalorien wird er bekommen.

Vor einigen Jahren hatte Hela Probleme mit verseuchtem Paprikapulver, zeigte sich aber den Kunden gegenüber kulant und unbürokratisch, auf eine bloße Postkarte hin bekam ich kostenlos und schnell per Paket 2 neue Ketchup-Flaschen. Mit hoffentlich sauberem Paprikapulver.
Weitere Informationen gibt es hier: http://www.hela-ketchup.de

Vom ebenfalls erhältlichen Asia-Ketchup rate ich dringend ab – das ist nur glibberiges, rotgefärbtes Zuckerwasser und zudem teuer. Mein Opa hätte sich jedenfalls riesig gefreut, wenn er in den Ardennen, in den Schützengräben und vor Verdun derartig leckeren Hela-Ketchup zum Schlappern gehabt hätte! Einen großen Löffel voll hätte er gegessen. Mmmmmmh!

 


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